160 Jahre qualvolle Tradition: Neun Tier- und Artenschutzorganisationen fordern Ende der Bärenhaltung im Schlossgraben Droyßig

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Im Diskurs um die Zukunft des Bärengeheges im Schlossgraben spricht sich der Heimatverein Droyßig dafür aus, an der Bärenhaltung festzuhalten – auch nach dem Tod der Braunbären Aiko und Toni. Neun Tier- und Artenschutzverbände kritisieren dieses Vorhaben scharf. In einem gemeinsamen Schreiben fordern sie, die Gelegenheit rund um die anstehende Schlosssanierung zu nutzen, um die 160 Jahre währende Tradition im Sinne der Tiere endlich zu beenden und Aiko und Toni einen würdevollen Lebensabend in einer geeigneten Auffangstation zu ermöglichen. Derzeit ist geplant, das Bärengehege im Schlossgraben im Zuge der geplanten Sanierungsarbeiten kostenintensiv zu erweitern. Eine zeitweilige Umsiedlung der 24-jährigen Bärenbrüder lehnt die Veterinärbehörde ab.

„Eine vermeintliche Tradition kann niemals Tierquälerei rechtfertigen“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Auch Behauptungen des Heimatvereins, das Wappen der Gemeinde wäre ohne das Einsperren lebender Tiere ‚obsolet‘, sind absurd. Es gibt keine ‚Wappenpolizei‘, die eine Nutzung untersagen würde, wenn in Droyßig keine Bären mehr eingesperrt wären. Nach dieser verqueren Logik müsste auch ein angeketteter Adler im Deutschen Bundestag zur Schau gestellt werden.“

„Wenn Droyßig sich mit den Bären identifiziert, dann wäre es das Mindeste, auch ihnen das zu bieten, was man sich selbst wünscht: ein Leben, das lebenswert ist“, so Bernd Nonnenmacher, Geschäftsführer der STIFTUNG für BÄREN. „Wir bitten die Gemeinde daher eindringlich, die nicht mehr zeitgemäße und vor allem nicht artgemäße Bärenhaltung aufzugeben.“

Artgemäße Haltung von Bären in Schlossgraben nicht möglich

Fast ihr ganzes Leben fristen Toni und Aiko in Droyßig auf etwa 500 Quadratmetern. Dies entspricht einer Fläche von nur knapp zwei Tennisfeldern. Auch eine Erweiterung des bestehenden Geheges würde die Situation der Tiere nicht verbessern, worauf die unterzeichnenden Verbände hinweisen: Bären müssen sich verstecken, graben, klettern und weitläufig bewegen können. In Freiheit beanspruchen die Wildtiere Flächen von bis zu mehreren Hundert Quadratkilometern.

Das vor allem auf Fluchtsicherheit konzipierte Gehege im Schlossgraben ist mitnichten auf die vielfältigen und komplexen Bedürfnisse von Bären ausgerichtet. Im von Schlossmauer und Glaswänden umschlossenen Graben können sich die nacht- und dämmerungsaktiven Bären tagsüber vor den Blicken des Publikums kaum zurückziehen. Der Graben ist nicht ausreichend strukturiert und bietet kaum Beschäftigung für die intelligenten Tiere. Zudem gelten Bären als Einzelgänger. In Gefangenschaft können sie über 30 Jahre alt werden. Auffangstationen, die auf die Haltung von Bären spezialisiert sind, können zumindest zentrale Anforderungen an eine verhaltensgerechte Unterbringung sicherstellen, wie etwa Kletter- und Grabmöglichkeiten oder eine adäquate Winterruhe.

Die STIFTUNG für BÄREN, die in den vergangenen 20 Jahren immer wieder „Grabenbären“ betreute, warnt vor möglichen schweren körperlichen und psychischen Schäden durch die Haltungsmissstände, beispielsweise stereotypes Verhalten, Arthrose und Verfettung.

Eindringlicher Appell an Bürgermeister und Gemeinde

Ihr Schreiben richteten die Organisationen an den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Droyßiger-Zeitzer Forst, Uwe Kraneis, sowie an Droyßigs Bürgermeister Heiko Arnhold, an den Gemeinderat und das Veterinäramt Burgenlandkreis. Die folgenden Verbände unterzeichneten den Brief und fordern ein Ende der Bärenhaltung im Droyßiger Schlossgraben:

STIFTUNG für BÄREN – Wildtier- und Artenschutz, PETA Deutschland e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V., VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, Deutscher Tierschutzbund, Pro Wildlife, Aktionsgruppe Tierrechte Bayern, Bears in Mind.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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