Behörde lässt Tiertötungen für „Hahneköppen“-Veranstaltungen weiterhin zu
Solingen / Stuttgart, 8. Februar 2022 – Top oder Flop? PETA hat die besten und schlechtesten deutschen Veterinärbehörden 2021 gekürt. Berücksichtigt wurden Ämter, die bei ihrer Arbeit besonders positiv oder negativ aufgefallen waren, nachdem sie von der Tierrechtsorganisation über einen Missstand informiert wurden.
Das Bergische Veterinäramt in Solingen landet auf der Liste der Flop 5: Im Juni 2021 veröffentlichte PETA Videoaufnahmen einer Kirmesveranstaltung in Haan aus dem Jahr 2019. Auf ihnen ist zu sehen, wie Menschen beim sogenannten Hahneköppen mit verbundenen Augen versuchen, einem toten Hahn mit einem Schwert den Kopf abzuschlagen. Der Hahn wurde mit der primären Absicht getötet, seinen Körper für eine vermeintlich unterhaltsame Kirmesveranstaltung zu nutzen. Der laut Tierschutzgesetz erforderliche „vernünftige Grund“ zum Töten eines Tieres ist damit nicht gegeben – und das „Hahneköppen“ nach Einschätzung der Tierrechtsorganisation somit rechtswidrig. In dem Zuge hat PETA weitere Veterinärbehörden in Nordrhein-Westfalen aufgefordert, vergleichbare „Hahneköppen“-Veranstaltungen zu untersagen. Unter anderem im Mai 2021 auch das Veterinäramt in Solingen, wo einige Vereine noch an der Nutzung echter Tierkörper festhalten. Die Behörde antwortete jedoch, dass sie die Tiertötungen im Einklang mit den rechtlichen Vorgaben sieht, da der Tierkörper „nach der Veranstaltung einem Zweck, der dem ‚vernünftigen Grund‘ genügt, zugeleitet“ würde.
„Für das ‚Hahneköppen‘ werden Tiere zu dem vordergründigen Zweck getötet, ihre Körper auf einer Veranstaltung vor Publikum malträtieren zu lassen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Ob der Tierkörper nach zig Schlägen noch verwertet wird, ist zum einem aus hygienischen Gründen zweifelhaft. Zum anderen muss aus rechtlicher Sicht der primäre Grund für die Tötung gesetzeskonform sein. Aber beim ‚Hahneköppen‘ steht der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund. Dass das Veterinäramt in Solingen diesen mehr als zweifelhaften ‚Brauch‘ weiterhin erlauben will, zeigt auch, dass die gesellschaftliche Aufbruchsstimmung im Tierschutz noch nicht in der Solinger Behörde angekommen ist.“
Hintergrundinformationen
Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie die Behörden daraufhin im Sinne des Tierschutzgesetzes tätig werden. Während in vielen Fällen in Zusammenarbeit mit Amtstierärztinnen und Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielt werden, gibt es noch immer zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht genügend umsetzen. Seit 2012 kürt die Tierrechtsorganisation jährlich die aus Tierschutzsicht positiv oder negativ aufgefallenen Veterinärämter. Im Ranking wird stets die gesamte Behörde genannt, auch wenn oftmals einzelne Verantwortliche positiv oder negativ hervorstachen.
Zeuginnen und Zeugen von Tierquälerei sollten sich an die zuständige Veterinärbehörde ihrer Stadt oder ihres Landkreises wenden. Beobachtungen sollten detailliert und sachlich zusammengefasst werden. Besonders hilfreich ist Bild- und Videomaterial. Empfehlung von PETA: Nach der Meldung beim Veterinäramt unbedingt so lange nachhaken, bis der Missstand beseitigt ist. Eine Übersicht mit ausführlichen Tipps, wie Zeuginnen und Zeugen gegen Tierquälerei vorgehen können, gibt es unter: PETA.de/Whistleblower
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
Ein Mann versucht mit verbundenen Augen, einem Hahn den Kopf abzuschlagen. / © PETA Deutschland e.V.
Kopfüber hängt ein getöteter Hahn bei dem „Spektakel“ in einem Korb. / © PETA Deutschland e.V.
Die Motive stehen hier zum Download zur Verfügung und können für Berichterstattungen verwendet werden.
Weitere Informationen:
PETA.de/Veterinärämter-2021
PETA.de/Veterinärämter-2020
PETA.de/Themen/Hahneköppen
Pressekontakt:
Valeria Goller, +49 711 860591-521, [email protected]


