Ob verhaltensgestörte Eisbären und Elefanten, Tiergefährdung durch mangelnden Sicherheitsvorkehrungen, die Gefangenhaltung von Menschenaffen oder das Verstümmeln von Vögeln – in den vergangenen Jahren stieß der Tierpark Hagenbeck immer wieder auf massive öffentliche Kritik. Auch in den Google-Bewertungen finden sich neben allgemeinen Beschwerden viele Rezensionen, die konkrete Missstände in der Tierhaltung bemängeln. Medienberichten [1-4] zufolge versucht der Tierpark nun über eine Anwaltskanzlei einige der negativen Online-Rezensionen mittels Beschwerden bei Google unterbinden zu lassen: Rezensenten, die schlechte Bewertungen vergaben, erhielten auf die Beschwerden hin Post von Google. Darin werden sie aufgefordert nachzuweisen, dass sie sich vor der Rezension im Tierpark aufgehalten haben. Andernfalls werde Google ihre Bewertung löschen. PETA kritisiert, dass der Tierpark Hagenbeck offenbar gegen Kritik aus der Bevölkerung vorgeht, statt sich mit dieser konstruktiv auseinanderzusetzen. Die Tierrechtsorganisation ermutigt Augenzeugen, Missstände in der Tierhaltung über ihr Whistleblower-Formular unter www.tierquaelerei.de zu melden.
„Der Tierpark Hagenbeck war in den vergangen Jahren immer wieder in den Negativschlagzeilen, und das hinsichtlich der bedrückenden Haltungsbedingungen völlig zu Recht“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Grundsätzlich bitten wir alle Menschen, keine Zoos zu besuchen, denn jede Eintrittskarte finanziert das Leid der Tiere. Wer jedoch Missstände bei der Tierhaltung beobachtet oder bestenfalls auch per Foto oder Video dokumentiert hat, bitten wir, sich über unser Whistleblower-Formular zu melden.“
Artenschutz ist Augenwischerei
Tiere in Gefangenschaft leiden – selbst ohne offensichtliche Tierquälerei. PETA weist darauf hin, dass viele von ihnen apathisch oder verhaltensgestört in ihren Gehegen dahinvegetieren, weil kein noch so großes oder für die Besucher optisch ansprechendes Zoogehege auch nur annähernd ihre komplexen Bedürfnisse erfüllen kann. Zudem können Zoos insbesondere bei bedrohten und für Stereotypien anfälligen Tiergruppen wie Menschenaffen, Bären oder Großkatzen kaum langfristig erfolgreiche Auswilderungen vorweisen – die Tiere können Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, in Gefangenschaft nicht oder nur schwer erlernen. Auch einen Bildungsauftrag erfüllen Zoos PETAs Auffassung nach nicht: Das Publikum lernt durch die Zurschaustellung von Tieren in Gefangenschaft nichts über ihr natürliches Verhalten. Vermittelt wird stattdessen, dass es in Ordnung sei, Lebewesen zur menschlichen Unterhaltung einzusperren.
Zoos sind Auslaufmodelle
Eine repräsentative Meinungsumfrage von YouGov im Dezember 2015 ergab, dass die relative Mehrheit der Deutschen das Einsperren von exotischen Tieren im Zoo für moralisch bedenklich hält. [5] PETA setzt sich grundsätzlich für ein Ende der Zucht und Haltung von Tieren in Zoo-Gefangenschaft ein, weil die artwidrigen Haltungsbedingungen unweigerlich Tierleid verursachen.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
