Erfolg nach PETA-Strafanzeigen: NRW-Landwirtschaftsministerium weist Veterinärbehörden an, „Hahneköppen“ mit Tierleichen zu unterbinden

Ein über Kopf aufgehängter Hahnenkopf

PETA fordert Bergisches Veterinäramt auf, Ritual in Solingen künftig zu verhindern

Tierschutzwidrige Unterhaltungsspektakel: Mehrere Vereine in NRW führten in der jüngeren Vergangenheit im Rahmen von Festveranstaltungen noch das „Hahneköppen“ durch – darunter auch einige in Solingen. Bei dem blutigen Ritual versuchen Menschen mit verbundenen Augen, einem zuvor getöteten Hahn mit einem Schwert den Kopf abzuschlagen. Das Töten von Tieren ohne vernünftigen Grund verstößt gegen das Tierschutzgesetz. PETA erstattete daher mehrere Strafanzeigen, unter anderem bei den Staatsanwaltschaften Wuppertal, Düsseldorf und Aachen. Außerdem wandte sich die Tierrechtsorganisation 2023 an die zuständige Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Silke Gorißen. Im März 2024 informierte das Ministerium schließlich alle Veterinärämter des Landes in einem PETA vorliegenden Schreiben, dass „das Töten von Tieren zum Zwecke der Nutzung der Kadaver im Rahmen von Brauchtumsveranstaltungen (z. B. ‚Hähneköppen‘, ‚Gänsereiten‘) nicht von einem vernünftigen Grund nach § 1 Tierschutzgesetz abgedeckt ist“ und geplante Tötungen von Tieren für solche Zwecke zu untersagen sind. Zudem soll auf die alternative Nutzung von Attrappen zur Brauchtumsausübung hingewiesen werden. Die Tierrechtsorganisation begrüßt die Weisung des Ministeriums und forderte das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt in Solingen heute auf, die „Hahneköppen“-Vereine in ihrem Zuständigkeitsbereich über die Sachlage zu informieren.

„Das Verbot des blutigen Rituals ist ein großer Erfolg. Jahrzehntelang wurden Hähne zur Belustigung von Menschen getötet und ihre Körper vor Schaulustigen und Kindern zerfetzt. Es war längst überfällig, dass die Behörden diesem traurigen Spektakel ein Ende setzen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Sollten einzelne ‚Hahneköppen‘-Vereine dennoch daran festhalten, werden wir die Tiertötungen erneut zur Anzeige bringen.“

Nach PETA-Anzeige: Nutzung von Attrappe statt echtem Tier auf der Haaner Kirmes

Auf der Kirmes in Haan bei Solingen wurde im September 2022 erstmals kein echtes Tier für das „Hahneköppen“ benutzt, sondern eine Attrappe. Vorausgegangen war eine Veröffentlichung von PETA über das blutige Ritual auf der Haaner Kirmes im Jahr 2019, bevor jenes coronabedingt mehrmals ausfiel. Die Tierrechtsorganisation hatte bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal Strafanzeige erstattet und das Kreisveterinäramt Mettmann aufgefordert, die Nutzung echter Tiere künftig zu untersagen. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Veterinäramt teilten daraufhin mit, dass die Tötung eines Hahns für das „Hahneköppen“ in Hinblick auf den gesellschaftlichen Wandels nicht mehr als legitim betrachtet werden kann.

Der Hintergrund der grausamen „Tradition“

Das „Hahneköppen“ wird vor allem in Westdeutschland auf Kirmesveranstaltungen und Volksfesten abgehalten. Der Ursprung dieses Brauchs ist nicht eindeutig geklärt. Im Vordergrund stehen heutzutage die Bespaßung von Teilnehmenden und Publikum sowie wirtschaftliche Interessen. Viele Veranstalterteams nutzen bereits Hühnerattrappen. PETA mahnt jedoch, dass selbst mit einer Attrappe suggeriert wird, Gewalt an anderen Lebewesen sei in Ordnung. Deshalb appelliert die Organisation an die verantwortlichen Personen solcher Veranstaltungen, auf Attraktionen ohne Gewalt an Tieren zu setzen.

Haaner Kirmes (2019): Ein Mann versucht mit verbundenen Augen, einem toten Hahn den Kopf abzuschlagen. / © PETA Deutschland e.V.
Haaner Kirmes (2019): Kopfüber hängt ein getöteter Hahn bei dem „Spektakel“ in einem Korb. / © PETA Deutschland e.V.

Die Motive stehen hier zum Download zur Verfügung und können für die Berichterstattung verwendet werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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