Kotverschmierte, enge Gehege und beißender Uringeruch: Schimpansen und andere Tiere im Zoo Arche Noah Grömitz zeigen Verhaltensauffälligkeiten – PETA veröffentlicht Video und erstattet Anzeige beim Veterinäramt

Ein Schimpanse in Gefangenschaft des Zoos

Durch Whistleblower-Meldungen erfuhr PETA von Missständen im Zoo Arche Noah in Grömitz, vor allem im Schimpansenhaus. Besuchende berichteten mehrfach von verhaltensauffälligen Schimpansen in beengten Innengehegen, einem stechenden Uringeruch und kotverschmierten sowie gesprungenen Glasscheiben. Im März 2025 dokumentierte eine Mitarbeiterin der Tierrechtsorganisation daraufhin selbst die artwidrigen Haltungsbedingungen vor Ort. Ein nun von PETA veröffentlichtes Video zeigt neben den Schimpansen auch Stachelschweine, die in Gitterstäbe beißen, einen stereotyp laufenden Leoparden sowie einen flugunfähigen Storch. Die Tierrechtsorganisation erstattete daher am 26. Juni Anzeige beim Veterinäramt Kreis Ostholstein.

„Der Zoo in Grömitz ist für die Tiere alles andere als eine Arche, vielmehr ist dort massives Tierleid zu beobachten. Verhaltensgestörte Tiere und teils einzeln gehaltene Schimpansen, die durch Kastration an die mangelhaften Haltungsbedingungen angepasst werden sollen, sind aus Tierschutzsicht inakzeptabel“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Wir hoffen sehr, dass angesichts des offensichtlichen Tierleids nun Konsequenzen folgen. Zudem appellieren wir an die Zoo-Verantwortlichen, die Gefangenschaft der Menschenaffen zu beenden – kein Zoo oder Tierpark hat den Platz und die Mittel, diese Tiere artgerecht zu halten.“

Ein artgemäßes Sozialleben ist Menschenaffen in Gefangenschaft unmöglich

Einer Whistleblower-Meldung vom Februar 2025 zufolge befinde sich im Zoo Arche Noah ein Schimpanse allein in einem kleinen dunklen Nebenraum und habe dort Kot an die Fensterscheibe geschmiert sowie stereotyp hin und her gewippt. Zwei weitere anonyme Meldungen aus dem Jahr 2024 berichteten von Schimpansen mit kahlen Stellen im Fell. Auf Rückfrage von PETA teilte die Veterinärbehörde mit, dass die Schimpansen zeitweise separiert würden, da es nach einer Hormonbehandlung zu einer „Unverträglichkeit“ zwischen den männlichen Tieren gekommen sei. Daher sei zumeist der rangniedere Schimpanse bei akuter Verletzungsgefahr entweder allein oder mit einem weiblichen Tier untergebracht worden. Betreute Versuche, die beiden Tiere wieder zu vergesellschaften, seien bisher erfolglos geblieben. Daher plane der Zoo die Kastration der beiden Schimpansen, um eine Zusammenführung zu erreichen. Nach der PETA-Anzeige teilte die Veterinärbehörde mit, dass Ende März eine Kontrolle im Zoo erfolgt sei und diese noch nachbereitet werde.

Zum Zeitpunkt des Besuchs der PETA-Mitarbeiterin im März 2025 konnte die Einzelhaltung zwar nicht beobachtet werden. Dennoch waren die Schimpansen noch in drei Paaren bzw. Kleingruppen voneinander getrennt. Diese Praxis offenbart die Grundproblematik der Haltung von hochsozialen Primaten in viel zu kleinen, unnatürlichen Gruppenstrukturen: Verletzungen, erzwungene Separierung oder Vergesellschaftung und Eingriffe wie Hormonbehandlungen oder Kastrationen zeigen, wie ungeeignet die Lebensumstände sind. In der Natur ist das komplexe Sozialleben von Schimpansen durch Interaktionen mit wechselnden Individuen in Großgruppen von bis zu 150 Mitgliedern geprägt. Derartige Bedingungen lassen sich in dem begrenzten Lebensumfeld eines Zoos niemals abbilden. Anstatt auf die Bedürfnisse der Tiere einzugehen, werden sie an die krankmachende Haltung angepasst. Deutsche Zoos können außerdem keine Auswilderungen bei Menschenaffen vorweisen – in Gefangenschaft haben die Tiere nahezu keine Möglichkeit, Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, zu erlernen. PETA fordert daher ein generelles Zucht- und Importverbot für Menschenaffen, um die Haltung der Tiere in Zoos und Tierparks mittelfristig auslaufen zu lassen. 

Gehegefenster eines Schimpansen
Ein Schimpanse in Gefangenschaft des Zoos

Die Schimpansen im Zoo Arche Noah werden in beengten Innengehegen mit gesprungenen und kotverschmierten Scheiben gehalten. / © PETA Deutschland e.V.

Stachelschwein, welche an seinem Gefängnis nagt

Diese und weitere Bilder können hier heruntergeladen werden. Das Video-Rohmaterial stellen wir gerne auf Nachfrage zur Verfügung.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So empfinden viele Menschen Hunde und Katzen als Familienmitglieder und lehnen es ab, sie zu halten, auszubeuten und zu töten, wie Schweine, Rinder oder Hühner. Trotzdem betrifft Speziesismus auch sogenannte Haustiere: Sie werden zur menschlichen Unterhaltung benutzt, oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen (qual-)gezüchtet und wie Ware verkauft. Auch für Tierversuche werden sie missbraucht.

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