Einem Medienbericht zufolge wurde am Streitseebad in Kölleda am Sonntag ein Königspython an einem Feldweg gefunden. Das Tier sei sehr ausgekühlt und in keiner guten Verfassung gewesen. Es wurde von Mitgliedern des Vereins „Schwierige Felle“ gerettet und umgehend versorgt. Vermutlich wurde der Königspython ausgesetzt. Die Schlange soll nach Absprache mit Ordnungsamt und Naturschutzbehörde in eine Reptilien-Auffangstation kommen und dort weiter untersucht werden. Ein Halter hat sich bisher nicht gemeldet. Anlässlich des Fundes fordert PETA Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, Handel und Haltung von exotischen Tieren für Privatpersonen zu verbieten. Lediglich bestehende Haltungen sollten bis zum natürlichen Lebensende der Tiere fortgeführt werden dürfen.
PETA setzt Belohnung aus
Um herauszufinden, wer die Schlange ausgesetzt hat, lobt PETA nun eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für Hinweise aus, die zur rechtskräftigen Verurteilung der tatverantwortlichen Person oder Personen führen. Wer etwas beobachtet oder anderweitig mitbekommen hat, wird gebeten, sich entweder bei der Polizei oder telefonisch unter 0711-8605910 oder per E-Mail bei der Tierrechtsorganisation zu melden – auch anonym.
„In Deutschland boomt der Handel mit wilden und teilweise gefährlichen Tieren. Käufer sind jedoch oft schnell überfordert und setzen die Tiere häufig aus. Immer wieder werden ‚exotische’ Schlangen bei uns in der Natur entdeckt. Sie sind nicht an die Umgebung und die Temperaturen angepasst und müssen um ihr Leben kämpfen. Mit der Belohnung wollen wir dazu beitragen, den ehemaligen Halter des Tieres zu finden“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Obwohl die anspruchsvollen Tiere in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können, sind etliche von ihnen im Internet frei verkäuflich. Zum Schutz von Mensch und Tier fordern wir ein generelles Haltungs- und Verkaufsverbot von Wildtieren.“
PETA fordert generelles Haltungsverbot von Wildtieren in Privathaushalten
Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von gefährlichen und anspruchsvollen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen noch immer erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr Hunderte wilde Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Personen einfach ausgesetzt. Tierheime und Tierauffangstationen sind häufig überfüllt mit Wildtieren, die einen besonders großen Anspruch an ihren Lebensraum haben. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [1]
Das Ergebnis einer Studie, welche vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit „exotischen“ Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dass besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes dringend entsprechend gehandelt werden muss.
Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können Wildtiere gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von „exotischen“ Tieren her. [2]
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So empfinden viele Menschen Hunde und Katzen als Familienmitglieder und lehnen es ab, sie zu halten, auszubeuten und zu töten, wie Schweine, Rinder oder Hühner. Trotzdem betrifft Speziesismus auch sogenannte Haustiere: Sie werden zur menschlichen Unterhaltung benutzt, oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen (qual-) gezüchtet und wie Ware verkauft. Auch für Tierversuche werden sie missbraucht.
