Krefeld feiert Tierschutz-Rückschritt: PETA kritisiert Affengehege-Neubau im Zoo

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Tierrechtsorganisation fordert Ende der Menschenaffenhaltung und ruft Öffentlichkeit zum Boykott auf

Chance auf Kehrtwende verpasst: In der Neujahrsnacht 2020 brannte das Affenhaus des Krefelder Zoos ab und nur zwei der dort eingesperrten Tiere überlebten. Dies hätte eine Chance für den Zoo sein können, die von Tierschützern und großen Teilen der Gesellschaft geäußerte Kritik an der Menschenaffenhaltung ernst zu nehmen und Konsequenzen zu ziehen. Doch statt diese einzustellen oder zumindest auf Gorillas zu beschränken, deren Gehege nicht vom Brand betroffen war, hat der Zoo Millionen für einen Neubau ausgegeben. Dort sollen etliche Gorillas, Schimpansen und künftig auch wieder Orang-Utans zur Schau gestellt werden. Am Donnerstag wird im Zoo Krefeld nun der erste Bauabschnitt für geladene Gäste eröffnet, am Freitag auch für das breite Publikum. Im Rahmen der Kampagne „Menschenaffen raus aus Zoos“ fordert PETA, die Haltung der Tiere in Zoos und Tierparks auslaufen zu lassen und appelliert an alle Menschen, den Zoo Krefeld zu boykottieren.

„Auch wohlklingende Namen wie ‚Affenwald‘ oder ‚Artenschutzzentrum‘ können nicht darüber hinwegtäuschen: Hier werden weiterhin leidende Tiere, deren Bedürfnisse nicht ansatzweise erfüllt werden können, für die Unterhaltung von Menschen missbraucht“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Bitter ist auch, welche Unmengen an Geldern für den Zoo-Neubau ausgegeben wurden anstatt für wirklichen Artenschutz. Für Nationalparks und Auffangstationen wären diese Summen eine riesengroße Hilfe gewesen.“

PETA kritisierte das Neubauvorhaben des Krefelder Zoos zusammen mit zehn Tier- und Naturschutzverbänden in einer gemeinsamen Stellungnahme schon im März 2021 als gravierende Fehlentscheidung für den Tier- und Artenschutz. Auch die Unterzeichnenden eines im Sommer 2022 unabhängig erstellten wissenschaftlichen Gutachtens zur Schimpansenhaltung im Zoo Krefeld sprachen sich aus ethischen Gründen gegen ein weiteres Menschenaffenhaus aus.

Zoos verschwenden finanzielle Ressourcen und leisten keinen Artenschutz

Deutsche Zoos wildern keine Menschenaffen aus, denn in den Schaugehegen können die Tiere wichtige Verhaltensweisen für ein Überleben in der Natur nicht erlernen. Während hierzulande Millionen in Zuchtprogramme und kostenintensive Zoo-Bauprojekte fließen, sind die Abgaben an Organisationen, die direkt in den natürlichen Lebensräumen bedrohter Tierarten echten Artenschutz betreiben, verschwindend gering. Der Zoo Krefeld vermeldete 2017 beispielsweise eine „Rekordsumme“ von insgesamt 21.200 Euro Spenden an Artenschutzpartner, gab jedoch allein für sein 2012 gebautes Gorillagehege 2,3 Millionen Euro aus.

Viele Natur- und Artenschützer, die sich für den Erhalt des Lebensraums bedrohter Arten einsetzen, zeigen wenig Verständnis für die Zuwendungen an Zoos in Millionenhöhe: Der Chefberater der Vereinten Nationen zum Thema Menschenaffen, Ian Redmond, kommentierte schon 2007 das damals neue Gorillagehege im Londoner Zoo mit den Worten: „Fünf Millionen Pfund für drei Gorillas, während in Nationalparks die gleiche Anzahl an Tieren jeden Tag getötet wird, nur weil es an einigen Land Rovern, ausgebildeten Männern und Wilderei-Patrouillen mangelt – so etwas zu hören, muss für einen Parkaufseher schon sehr frustrierend sein.“ [1]

Menschenaffen in Gefangenschaft: Ungerecht, nicht artgerecht

Menschenaffen haben enorme Ansprüche an ihren Lebensraum und leiden Studien zufolge in Zoos häufig unter schweren Verhaltensstörungen, auch in akkreditierten und vergleichsweise großen zoologischen Einrichtungen. [2-4] Laut einer von PETA in Auftrag gegebenen INSA-Meinungsumfrage vom April 2020 befürwortet mit 41 Prozent die relative Mehrheit der Befragten ein Ende der Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

Quellen

[1] Artikel in der britischen Sunday Times vom 01.04.2007: City gorillas live it up as their jungle cousins face oblivion. Online abrufbar unter: https://www.thetimes.co.uk/article/city-gorillas-live-it-up-as-their-jungle-cousins-face-oblivion-l0ghzgqb0mf. (01.02.2023).
[2] Akers, J./Schildkraut, D. (1985): Regurgitation/Reingestion and coprophagy in captive gorillas. Zoo Biology. ZOO BIOL. 4. 99–109. 10.1002/zoo.1430040203.
[3] Birkett, L. P./Newton-Fisher, N. E. (2011): How Abnormal Is the Behaviour of Captive, Zoo-Living Chimpanzees? PLoS ONE 6 (6): e20101. doi: 10.1371/journal.pone.0020101.
[4] Jacobson, S. L., et al. (2016): Characterizing abnormal behavior in a large population of zoo-housed chimpanzees: prevalence and potential influencing factors. PeerJ 4: e2225. Online abrufbar unter: https://peerj.com/articles/2225/. (01.02.2023).

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