Rapfen für Videos gequält: PETA zeigt Youtuber aus Hamburg wegen Catch and Release an

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Der YouTuber „Angel Timo“ postet regelmäßig auf seinem Kanal Videos, die Catch and Release zeigen, also das geplante Fangen und Zurücksetzen von Fischen. Er bezeichnet sich selbst als „Rapfenkönig“ und macht Jagd auf möglichst große Tiere, um sie anschließend in die Kamera zu halten und mit verschiedenen Angelpartnern zu fotografieren. Die Praxis des Catch and Release verursacht bei den schmerzempfindlichen Lebewesen massives Leid und ist in Deutschland nach Paragraf 17 Nr. 2 b TSchG strafbar. Einem Wirbeltier dürfen nicht länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt werden. Außerdem untersagt Paragraf 1, Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen – beim Catch and Release ist ein solcher offenkundig nicht gegeben. PETA erstattete daher am 12. November Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hamburg.

Rapfen gehören zur Ordnung der Karpfenartigen. Wegen ihrer Kampfstärke und Wehrhaftigkeit werden sie von Anglern immer wieder zur Selbstdarstellung gequält.

„Tiere werden Stress, Schmerzen und Sauerstoffmangel ausgesetzt, nur um sie als Foto- und Videomotive zu missbrauchen – das ist grausam. Fische sind kein Spielzeug und keine Requisiten für Likes, sondern sensible Wirbeltiere, die bei Catch and Release Verletzungen durch den Angelhaken erleiden und Todesängste ausstehen“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Die Praxis ist durch und durch unethisch.“

PETA spricht sich ebenso gegen das Angeln und den Fischfang für den Verzehr aus und unterstützt seit 2017 die Weltkampagne zur Abschaffung der Fischerei.

Catch and Release bereits mehrfach strafrechtlich geahndet

PETA verweist auf die Verfügungen des Amtsgerichts Lemgo vom 31. März 2011 (Az.: 25 Cs-22-Js 86/10-194/10), in denen ausdrücklich festgestellt wird, dass es sich beim Catch and Release um eine strafbare Handlung handelt. Zudem führte das Oberverwaltungsgericht Münster am 3. Juli 2015 (Az.: 20 B 209/15) aus, dass beim Ausüben der Catch-and-Release-Praxis kein vernünftiger Grund bestehe, den Tieren Schmerz und Leid zuzufügen, und somit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen werde. Vergangenen Dezember wurde ein Catch-and-Release-Angler zu einer Geldbuße von 200 Euro verurteilt. Bereits 2016 zahlte Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler in einem vergleichbaren Fall mehr als 3.000 Euro Geldbuße.

Fische leiden Qualen, auch wenn sie zurückgesetzt werden

Die britische Biologin Lynne Sneddon wies nach, dass Fische im Kopf- und Mundbereich, also genau da, wo der Angelhaken das Gewebe durchbohrt, zahlreiche Schmerzrezeptoren haben [1]. Fische zeigen zudem ein deutlich erkennbares Schmerzverhalten, wenn man ihren Mund verletzt: Sie bewegen sich ruckartig, reiben die verwundete Stelle am Beckenrand, stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihre Atemfrequenz erhöht sich. Gibt man ihnen Schmerzmittel, stellen sie dieses Verhalten wieder ein [2]. Auch können Fische lernen, sich selbst Schmerzmittel zu verabreichen [3].

Neben internationalen wissenschaftlichen Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren, kam auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in seiner vom Bundeslandwirtschaftsministerium erbetenen Stellungnahme zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“ [4].

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Sneddon, L. U., Braithwaite, V. A., & Gentle, M. J. (2003): Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 270(1520), 1115–1121. Online abrufbar unter: http://doi.org/10.1098/rspb.2003.2349. (23.09.2025).
[2] Sneddon, L. U. (2003): The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162. DOI: 10.1016/S0168-1591(03)00113-8.
[3] Sneddon, L. U. (2011): Pain perception in fish: Evidence and implications for the use of fish. Journal of Consciousness Studies, 18(9-10), 209-229.
[4] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013. 

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