Gerichtsverfahren wegen kollabierten Pferd bei Schützenumzug 2022: PETA bei Verhandlung vor dem Amtsgericht Düsseldorf mit Beobachterin vor Ort

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Am 16. Juli 2022 brach das Pferd Waiherr bei einem Umzug des Schützenvereins St. Sebastianus auf der Königsallee in Düsseldorf zusammen und starb. Am Freitag muss sich der Halter des Tieres nun vor dem Amtsgericht Düsseldorf verantworten. Eine PETA-Mitarbeiterin wird die Verhandlung als Beobachterin begleiten. Die Tierrechtsorganisation hatte im August 2022 Strafanzeige gegen den Halter erstattet. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf stellte das Verfahren zwar ein, übergab den Fall jedoch an die Düsseldorfer Ordnungsbehörden. Grund dafür ist der Verdacht, dass der Beschuldigte fahrlässig gehandelt haben könnte. PETA sieht den Tod von Waiherr als stellvertretend für die Qualen, die Pferde bei Umzügen erleiden müssen, und ruft den Düsseldorfer Schützenverein erneut auf, künftig keine Tiere mehr einzusetzen.

 „Waiherrs Tod steht symbolisch für die Tierquälerei, die tausende Pferde jedes Jahr in Schützen- und Karnevalsumzügen über sich ergehen lassen müssen. Pferde haben in überfüllten Innenstädten nichts zu suchen– das muss nun auch der Schützenverein St. Sebastianus einsehen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Für Pferde bedeuten Umzüge durch die Innenstadt eine enorme Stressbelastung. Dass die Veterinäramtsuntersuchung im Vorfeld dem älteren, vorbelasteten Tier seinen Todesritt nicht ersparte, zeigt, wie dringend wir endlich ein Pferdeverbot in der Düsseldorfer Innenstadt brauchen.“

PETA-Mitarbeiterin Lisa Redegeld steht am Verhandlungstag vor Ort für Interviews zur Verfügung, den telefonischen Kontakt stellen wir gerne her.

Zu der Gerichtsverhandlung kommt es, weil der Halter Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid der Stadt Düsseldorf über 12.500 Euro einlegte. In diesem wurde ihm unter anderem vorgeworfen, er habe wissentlich ein ungeeignetes Pferd eingesetzt. Zudem soll Waiherr zuvor nicht tiergerecht untergebracht worden sein. Das staatsanwaltschaftliche Verfahren im Anschluss an PETAs Strafanzeige wurde eingestellt, da dem Mann kein Vorsatz nachgewiesen werden konnte. Da aber fahrlässiges Handeln in Betracht kommt, wurde das Verfahren an die Düsseldorfer Ordnungsbehörden zur Verfolgung einer möglichen Ordnungswidrigkeit abgegeben.

Waiherr war alt und schwach

PETAs Strafanzeige beinhaltete den Vorwurf, dass Waiherr gezwungen wurde, bei dem Umzug mitzulaufen, obwohl er nicht in der Verfassung dazu war. Kurz nach dem Vorfall meldete sich eine Zeugin bei der Tierrechtsorganisation, die eigenen Angaben nach das Pferd bis Dezember 2021 gehalten hatte. Ihr zufolge war das Tier 19 Jahre alt. Beim Verkauf sei vereinbart worden, dass er niemals auf Festumzügen eingesetzt werden solle, da er aufgrund seines schwachen Nervenkostüms und seines Charakters unter keinen Umständen dafür geeignet sei. Laut Düsseldorfer Veterinäramt starb das Pferd an Herzschwäche.

Vereine gehen mit gutem Beispiel voran

Der Verein Sankt-Victor-Bruderschaft Xanten hatte 2025 auf seiner Herbstversammlung beschlossen, künftig keine Pferde mehr einzusetzen. Auch die Verantwortlichen der Cranger Kirmes in Herne gaben 2023 bekannt, den dazugehörigen Umzug künftig ohne Pferde zu gestalten. Ebenfalls 2023 hat der Schützenverein Warburg aus Sicherheits- und Tierschutzgründen entschieden, seine Umzüge ohne Kutschen und berittene Schützen durchzuführen.

Missbrauch, nicht Brauchtum – Pferde auf Innenstadtumzügen

Pferde in einer lauten, engen und heißen Innenstadt einzusetzen, ist nach PETAs Ansicht Missbrauch und hat nichts mit Brauchtum oder Tradition zu tun. Werden die Fluchttiere mit scharfen Gebissen und Sporen dazu gezwungen, bei einem Umzug mitzulaufen, erhöht sich ihr Stresspegel kontinuierlich. Dies kann schlimmstenfalls damit enden, dass ein Tier durchgeht oder zusammenbricht, was auch für Menschen Gefahren birgt. Pferde sind sehr sensible Lauftiere, die in einer Herde leben möchten. Sie benötigen neben ausreichend Auslauf – vorzugsweise in einer Aktiv- oder Offenstallhaltung – auch gutes Essen und stets frisches Wasser, Pflege und medizinische Versorgung.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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