PETA wurden Videoaufnahmen zugespielt, die zeigen, wie die EM-Bronzemedaillen-Gewinnerin im Springreiten von 2023, Alessandra Reich, bei mehreren Turnieren wiederholt und stark mit der Gerte auf die Flanke ihres Pferds einschlägt. Die auf einschlägigen Online-Plattformen für „Pferdesport“ abrufbaren Aufnahmen stammen unter anderem von der Turnierserie „Sunshine Tour“ in Spanien im Januar und Februar. Ein Video entstand bei einem Dressur- und Springturnier im September 2025 bei München. In Bezug auf Letzteres hat die Tierrechtsorganisation am 9. März Strafanzeige wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bei der Staatsanwaltschaft München II erstattet. Für die Pferdemisshandlungen in Spanien ist die deutsche Justiz nicht zuständig. Weil die aus Österreich stammende Reiterin ein Pferdegestüt in Buxheim betreibt, appellierte PETA zudem an das Kreisveterinäramt Unterallgäu, ein Tierhalte- und Betreuungsverbot gegen sie einzuleiten. Die ebenfalls informierten Pferdesport-Dachverbände Fédération Équestre Nationale (FN) und Fédération Équestre Intermationale (FEI) wollen den Fall kritisch prüfen.
„Wenn Alessandra Reich ein Pferd wiederholt mitten auf Turnierplätzen mit der Peitsche bestraft, was wird sie dann erst tun, wenn niemand zuschaut?“, fragt Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wir fordern das Veterinäramt, die FEI und die FN auf, Reichs Trainingsmethoden zu untersuchen und sicherzustellen, dass sie nie wieder Pferde misshandelt. Leider ist ein solcher Umgang mit Pferden kein Einzelfall beim Springreiten, wie ähnliche Fälle in der Vergangenheit gezeigt haben.“
Der „Springsport“ birgt auch abseits der Gewalt ein enormes Verletzungspotenzial für die Pferde. So erlitt Reichs elfjährige Stute „Anyway von het Kervijnhof Z“ bei den German Masters im November 2024 in Stuttgart einen Bruch am Sprunggelenk. Trotz Operation und zweimonatiger Therapie wurde das Tier Anfang 2025 durch einen Tierarzt getötet. [1]
Springreiten: Unnatürlich und gefährlich
PETA setzt sich für die Abschaffung des Springreitens ein. Bei dem „Sport“ werden Pferde oft mit Peitschen und anderen tierschutzwidrigen „Hilfsmitteln“ über gefährliche Parcours gezwungen und über lange Strecken zu den Turnieren transportiert. In kürzester Zeit müssen sie über verschiedene Hindernisse springen, die in den höchsten Klassen bis zu 1,60 Meter hoch sind. Die Tiere springen in der Natur nur in ausweglosen Situationen über Hürden – das Springreiten entspricht in keiner Weise dem natürlichen Bewegungsverhalten von Pferden. Im „Wettkampfsport“ werden sie zudem schon im jungen Alter von drei Jahren gezwungen, hohe Barrieren zu bewältigen.
Grausame Trainingsmethoden
Auch der Einsatz von Peitschen ist beim Springreiten gängige Praxis. Über Schmerz und Angst sollen Pferde im Training und bei Turnieren gefügig gemacht werden. Als Fluchttiere geraten sie dabei in immensen Stress. Eine häufige Folge ist das „Koppen“ – ein Verhalten, bei dem Pferde durch das Schlucken von Luft versuchen, stressbedingte Anspannung abzubauen. Es gilt als Zeichen schweren seelischen Leids.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
