Pflanzen säen und gießen, ihnen beim Wachsen zusehen und summende oder zwitschernde Gäste begrüßen: Familien, die sich im Frühling mit einem tierfreundlich begrünten Balkon ein Stück Natur ans Haus holen, haben viel zu entdecken. Der Lebensraum für heimische Tierarten wird in den Städten immer enger. Doch Kinder und Erwachsene können Insekten und Vögel unterstützen, indem sie auf ihrem Balkon Nahrungs- und Unterschlupfmöglichkeiten anbieten. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich so eine wertvolle Grüninsel schaffen. Wie genau das geht, verrät PETAKids-Expertin Mareike Homann.
„Mit ein wenig Aufmerksamkeit und Pflege werden aus grauen Balkonen und Fassaden kleine bunte Oasen“, so Mareike Homann. „Für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel bieten sie wichtige Rückzugsorte und Nahrungsquellen – gerade in dicht bebauten Städten. Außerdem wird der eigene Balkon für Kinder zum Naturerfahrungs- und Artenschutzerlebnis.“
So können Familien ihren Balkon tierfreundlich begrünen:
- Wildblumen statt Zierpflanzen: Geranien oder Dahlien überzeugen zwar durch üppige Blüten, bieten Insekten jedoch kaum Nahrung. Durch die Zucht der gefüllten Blüten sind nur noch wenige Staubblätter vorhanden, die den für die summenden Besucher so wichtigen und nahrhaften Pollen erzeugen.
- Kräuter für Menschen und Tiere: Blühender Schnittlauch, Lavendel, Oregano, Salbei und andere Küchenkräuter bieten unter anderem Wildbienen und Schmetterlingen eine leckere Nahrungsquelle. Kinder können dabei helfen, Pflanzen auszuwählen und sie regelmäßig zu gießen und zu pflegen.
- Blumenwiese für Bienen und andere Insekten: Wenn der Balkon etwas mehr Platz hergibt, wird er mit einer im Fachhandel erhältlichen Blumenmischung aus heimischen Kultur- und Wildarten zu einem bunten Landeplatz für die kleinen Tiere. Es macht Spaß, die Saat gemeinsam auszusäen und zu beobachten, wie die Pflanzen über die Vegetationsperiode nach und nach zu blühen beginnen.
- Fassadenbegrünung statt grauer Hauswand: Kletter- und Rankpflanzen wie Waldrebe oder Duftwicke begrünen nicht nur karge Fassaden, sondern bieten Nahrung für Insekten und Versteckmöglichkeiten für Vögel. Mit etwas Glück lassen sich an bewachsenen Hauswänden sogar ganze Vogelfamilien beobachten. Kinder lernen spielerisch, welche Tiere sich besonders gern an den begrünten Wänden aufhalten und wie sie sich verhalten.
- Tierfreundliche Pflanzenpflege: Bei der Düngung sollte unbedingt auf natürliche Produkte ohne tierische Inhaltsstoffe wie Komposterde und Rindenmulch zurückgegriffen werden. Chemische Mittel sind nicht nur gefährlich für Kinder, sondern meist auch tödlich für Insekten.
- Versteck- und Nistmöglichkeiten: Nistkästen an Regenrinnen oder Hauswänden schaffen zusätzliche Brutplätze und werden von vielen Vogelarten gerne angenommen. Aber aufgepasst bei der Wahl des Nistkastens, denn verschiedene Vogelarten haben unterschiedliche Ansprüche. Familien können deshalb zunächst beobachten, welche Vögel in ihrer Umgebung leben und sich anschließend im Fachhandel informieren, welche Nistkästen geeignet sind. Wichtig ist außerdem, dass die Tiere ungestört brüten können. Die Kästen sollten daher so angebracht werden, dass sie für Kinder nicht erreichbar sind und auch Katzen oder andere Tiere keinen Zugang haben. Auch die richtige Ausrichtung nach Osten oder Südosten ist zu beachten. Mit etwas Glück lassen sich schon bald erste Geräusche oder Bewegungen am Eingang wahrnehmen – und die Vogeleltern beim Nestbau beobachten.
- Tränke: Zahlreiche Vögel nutzen Vogeltränken für ein kühles Bad an einem heißen Sommertag oder zur Wasserversorgung. Und auch Insekten profitieren von einer Trinkmöglichkeit an heißen Tagen. Kinder können eine kleine Wasserschale mit einer Ausstiegshilfe – etwa einem flachen Stein in der Mitte – aufstellen und täglich nachschauen, ob sie gefüllt und sauber ist.
Besonders schön ist es, über das Jahr hinweg in einem Naturtagebuch festzuhalten, welche Tiere den Balkon besuchen. So entsteht nach und nach eine eigene Sammlung von Beobachtungen – und ganz nebenbei sehen die kleinen Naturforscherinnen und -forscher, wie sich ihr Einsatz auszahlt.
Bienen, Wespen und andere Insekten stechen in der Regel nur, wenn sie sich bedroht fühlen – etwa wenn sie eingequetscht werden, unter den Fuß geraten oder durch hektische Bewegungen aufgeschreckt werden. Eltern sollten ihren Kindern daher einen ruhigen und respektvollen Umgang mit den Tieren vermitteln. Zudem ist darauf zu achten, dass Kinder nicht aus offenen Flaschen oder Gläsern trinken, da süße Getränke Bienen und Wespen anlocken können.
Insekten sind für das ökologische Gleichgewicht unverzichtbar. Sie dienen zahlreichen Tierarten als Nahrungsquelle und übernehmen eine zentrale Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen. Mit einer grünen Oase auf dem eigenen Balkon erfahren Kinder, wie wichtig es ist, Lebensräume zu schaffen, um Tiere zu schützen.
PETAKids wünscht allen Kindern und Erwachsenen viel Freude beim Gestalten ihres tierfreundlichen Balkons!
PETAKids ist der Fachbereich für Kinder- und Jugendbildung der Tierrechtsorganisation PETA. Er vermittelt Wissen altersgerecht und faktenbasiert und ermutigt junge Menschen im Sinne des Beutelsbacher Konsenses dazu, den gesellschaftlichen Umgang mit anderen Lebewesen kritisch zu hinterfragen. PETAKids stärkt das Bewusstsein von Kindern und Jugendlichen für einen achtsamen und respektvollen Umgang mit allen Lebewesen. Das dazugehörige Bildungsportal bietet kostenlose Materialien wie Malvorlagen, Rätsel, Bastelanleitungen und Infos für Referate sowie Unterstützung für Eltern und Lehrkräfte durch kindgerechte Bildungsmaterialien und Workshops.
Mareike Homann ist Erlebnispädagogin und Expertin für tierethische Bildung bei PETAKids. Als begeisterte Tierfreundin bereitet sie spannende Themen kindgerecht auf und gibt kleinen und großen Tierfreunden regelmäßig Tipps zu tierischen Mitbewohnern, Wildtieren, tierfreundlicher Ernährung und zum Tierschutz.

Das druckfähige Foto schicken wir auf Anfrage gerne zu.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
