PETA wurde ein Video zugespielt, das eine Tierquälerei durch ein Kind in Bad Oeynhausen zeigt: Ein Junge hält ein Huhn kopfüber an den Schwanzfedern, während er offenbar Steine oder Ähnliches in Richtung eines anderen, weglaufenden Vogels wirft. Dabei wird das Huhn wiederholt herumgeschleudert. Nachdem er das Tier losgelassen hat, verfolgt der Junge den flüchtenden Vogel. Die Tierrechtsorganisation meldete den Fall am 8. Juni dem zuständigen Kreisveterinäramt Minden-Lübbecke und forderte die Behörde auf, sicherzustellen, dass das Kind bis auf Weiteres keinen Umgang mit Tieren hat. Die Erziehungsberechtigten müssen zudem verhindern, dass von ihm weitere Gefahren für Tiere ausgehen. Auch eine psychologische Aufarbeitung des Vorfalls ist aus PETAs Sicht dringend notwendig.
„Diese Tat macht fassungslos, ist aber kein Einzelfall. Kinder lernen oft schon früh, Tiere als Objekte zu betrachten: Sie treten nach Insekten, verfolgen Tauben oder werfen Steine nach Vögeln – nicht zwangsläufig aus Bosheit, sondern häufig aus fehlendem Wissen, mangelndem Einfühlungsvermögen und durch Verhaltensweisen, die sie bei Erwachsenen beobachten“, so Mareike Homann, Fachreferentin für PETAKids bei PETA. „Wir brauchen endlich eine umfassende tierethische Aufklärung in Schulen und Kitas, damit Respekt, Empathie und Verantwortung gegenüber allen Lebewesen selbstverständlich werden.“

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Auf den Aufnahmen ist deutlich zu erkennen, wie das Huhn aufgeregt mit den Flügeln flattert, um aus der Situation zu entkommen. Der Vogel, in dessen Richtung das Kind mehrfach mit kleinen Gegenständen vom Boden, mutmaßlich Steinen, wirft, läuft davon. Schon bei den Wurfbewegungen wird das Huhn in der Hand des Kindes geschüttelt. Bevor der Junge das Tier letztendlich loslässt, schleudert er dieses mehrfach Richtung Boden. Dem daraufhin offenbar panisch fliehenden Huhn rennt das Kind hinterher. Laut der hinweisgebenden Person dauerte der Vorfall länger an als auf dem Video dokumentiert. Das Veterinäramt antwortete bisher nicht.
Tierquälerei bei Kindern: kein Einzelfall und deutliches Warnsignal
Ein solch gewaltvoller Umgang mit Tieren wie bei der Tat in Bad Oeynhausen ist kein Einzelfall. Jeden Monat erreichen PETA rund 400 Whistleblower-Meldungen – darunter regelmäßig Fälle schwerer Tiermisshandlungen. Besonders besorgniserregend sind Videos, in denen bereits Kinder empfindsame Lebewesen quälen. Tierquälerei ist kein Bagatelldelikt, sondern eine Straftat nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes – auf die eine strafrechtliche Verurteilung erfolgen muss, sofern die Täter strafmündig sind.
Die Ursachen für Tierquälerei durch Heranwachsende sind vielfältig. Sie kann auf schwere psychische Belastungen, Gewalterfahrungen im häuslichen Umfeld oder ein negatives soziales Umfeld hinweisen.
Werden Fälle von Kindern, die Tiere quälen, bekannt, sollte mit ihnen dringend über die Tat gesprochen und umgehend auch psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden. Denn etwa 80 bis 90 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, die Tiere quälen, belassen es nicht dabei und schrecken auch vor Gewalt gegen Menschen nicht zurück. [1] Über den Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Gewalttaten an Menschen klärt PETA in der Broschüre „Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei“ auf, die als Informationsquelle für Staatsanwaltschaften, die Richterschaft und Polizei sowie Angestellte im sozialen Bereich dient.
Kinder lernen von der Gesellschaft, wie Tiere wahrgenommen und behandelt werden
Tiere wie Hühner, Schweine oder Rinder werden in Bildungsmaterialien vor allem im Zusammenhang mit ihrer Ausbeutung durch den Menschen dargestellt – überwiegend in verharmlosender Weise. Das kann dazu beitragen, Tierausbeutung und Tötung von Tieren zu normalisieren und Empathie ihnen gegenüber zu verdrängen. Daher ist es nach Ansicht der Tierrechtsorganisation besonders wichtig, Kindern zu vermitteln, dass alle Tiere Schmerzen und Leid empfinden. Erwachsene sollten dabei durch einen respektvollen und einfühlsamen Umgang mit Tieren als Vorbild dienen. Gleichzeitig können Schulen dazu beitragen, Mitgefühl und Respekt gegenüber allen Lebewesen zu fördern. PETA fordert deshalb eine feste Verankerung tierethischer Themen in Bildungsplänen.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.