Ludwigsburg: Hund beißt Artgenossen und 84-Jährigen mehrfach – PETA fordert verpflichtenden Hundeführerschein in Baden-Württemberg / Nachweis kann schwere Unfälle verhindern und ermöglicht Hunden ein tiergerechteres Leben 

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Laut einer Polizeimeldung wurden am Samstag ein 84-Jähriger und sein Hund bei einer Hundebegegnung in Eglosheim gebissen. Der Vorfall ereignete sich auf einem Feldweg nahe der Riedstraße: Eine 30-jährige Frau habe den von ihr geführten Hund aus unbekannten Gründen nicht mehr halten können und die Leine losgelassen. Das Tier sei daraufhin auf den angeleinten Hund des 84-Jährigen zugelaufen. Der Mann habe den fremden Hund umklammert, um seinen Hund zu schützen. Daraufhin seien der 84-Jährige und sein Hund mehrfach gebissen worden. Die 30-Jährige habe das Tier schließlich stoppen können. Mit schweren Verletzungen an der Hand und am Hals wurde der Mann ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei ermittelt. Angesichts dieses Vorfalls fordert PETA die Landesregierung auf, den sogenannten Hundeführerschein in Baden-Württemberg für alle Hundehalter verpflichtend einzuführen.

„Solche Situationen entstehen, weil grundlegendes Wissen über Hundeverhalten, Körpersprache und Verantwortung fehlt. Nicht die Hunde sind das Problem, sondern die Unwissenheit der Menschen. Ein Hundeführerschein ist längst überfällig. Er würde Halterinnen und Haltern die Mittel an die Hand geben, um solche Vorfälle zu vermeiden“, so Jana Hoger, Tierpsychologin und Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA. „Egal, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Hund, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt wird, kann für Mensch und Tier gefährlich werden.“

Deutliche Mehrheit für Hundeführerschein 

Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern. 

Niedersachsen und Bremen gehen mit gutem Beispiel voran 

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. [1] Zum 1. Juli 2026 wird auch im Land Bremen der Hundeführerschein für Personen, die sich einen Hund zulegen möchten, verpflichtend. [2] Österreich geht noch einen Schritt weiter: Dort wird ab dem 1. Juli 2026 bundesweit ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt. [3] In Berlin sind Halterinnen und Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte setzen zusätzlich Anreize: In München gibt es nach bestandenem Hundeführerschein ein Jahr Hundesteuerbefreiung, in Mannheim zwei Jahre.

Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden. 

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Niedersächsisches Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) (2011). Online abrufbar unter: https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/tierschutz/tierhaltung/das-niedersaechsische-hundegesetz-nhundg-110827.html. (16.06.2026).
[2] Freie Hansestadt Bremen – Die Senatorin für Inneres und Sport: Hundeführerschein ab 1. Juli 2026. Online abrufbar unter: https://www.inneres.bremen.de/inneres/buerger-und-staat/hundefuehrerschein-30149. (16.06.2026).
[3] PETBOOK.de (11.02.2025): Kein Hund ohne Sachkunde! Europäisches Land macht ab 2026 ernst. Online abrufbar unter: https://www.petbook.de/hunde/oesterreich-sachkundenachweis-hund. (16.06.2026).

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