Berlin-Treptow: Mann wirft Hund nach Bissattacke von Balkon – PETA fordert verpflichtenden Hundeführerschein in Berlin

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Nachweis kann schwere Unfälle verhindern und ermöglicht Hunden ein tiergerechteres Leben 

Laut einem Medienbericht hat ein Hundehalter in Berlin-Treptow seinen Hund vom Balkon der eigenen Wohnung in der Kiefholzstraße geworfen. Nach Angaben des Mannes hatte das Tier ihn angegriffen und gebissen. Der 53-Jährige habe sich zunächst gewehrt, indem er den Hund schlug und würgte. Anschließend warf er das Tier über die Balkonbrüstung. Der Hund starb bei dem Aufprall auf dem Gehweg. Mit Bissverletzungen am Unterarm und an der Hand musste der Hundehalter im Krankenhaus behandelt werden. Er gab an, dass sich der Hund bereits seit sechs Jahren in der Familie befand und schon mehrfach durch aggressives Verhalten aufgefallen sei. So habe er unter anderem seine Tochter gebissen. Gegen den Mann wird wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Angesichts dieses Vorfalls fordert PETA die Landesregierung auf, den sogenannten Hundeführerschein in Berlin für alle Hundehalter verpflichtend einzuführen, und appelliert an das zuständige Veterinäramt, ein Tierhalte- und Betreuungsverbot für den Mann zu prüfen.

„Im Fall des getöteten Hundes muss schon seit vielen Jahren enorm viel schiefgelaufen sein. Der Tod des Hundes wäre verhinderbar gewesen, wenn sein Verhalten, seine Körpersprache und seine Signale frühzeitig ernstgenommen worden wären. Die eigentliche Ursache von Beißvorfällen ist beim Menschen zu suchen und nicht beim Tier. Viele sogenannte Listenhunde werden leider noch immer als Statussymbole gehalten, wobei ihre Bedürfnisse oftmals völlig missachtet werden“, so Björn Thun, Fachreferent bei PETA. „Für den Halter muss sein Handeln nun Konsequenzen haben. Ein Hundeführerschein könnte derartige Fälle deutlich reduzieren.”

Deutliche Mehrheit für Hundeführerschein 

Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern. 

Niedersachsen und Bremen gehen mit gutem Beispiel voran 

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. [1] Zum 1. Juli 2026 wird auch im Land Bremen der Hundeführerschein für Personen, die sich einen Hund zulegen möchten, verpflichtend. [2] Österreich geht noch einen Schritt weiter: Dort wird ab dem 1. Juli 2026 bundesweit ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt. [3] In Berlin sind Halterinnen und Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte setzen zusätzlich Anreize: In München gibt es nach bestandenem Hundeführerschein ein Jahr Hundesteuerbefreiung, in Mannheim zwei Jahre.

Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden. 

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Niedersächsisches Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) (2011). Online abrufbar unter: https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/tierschutz/tierhaltung/das-niedersaechsische-hundegesetz-nhundg-110827.html. (16.06.2026).
[2] Freie Hansestadt Bremen – Die Senatorin für Inneres und Sport: Hundeführerschein ab 1. Juli 2026. Online abrufbar unter: https://www.inneres.bremen.de/inneres/buerger-und-staat/hundefuehrerschein-30149. (16.06.2026).
[3] PETBOOK.de (11.02.2025): Kein Hund ohne Sachkunde! Europäisches Land macht ab 2026 ernst. Online abrufbar unter: https://www.petbook.de/hunde/oesterreich-sachkundenachweis-hund. (16.06.2026).

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