In Gelsenkirchen werden am Wochenende Temperaturen von bis zu 39 Grad erwartet. Die sengende Hitze kann lebensbedrohlich für die Eisbären in der „ZOOM Erlebniswelt“ werden, warnt PETA. 2012 starb ein Eisbär im Zoo von Buenos Aires bei 35 Grad an Hitzestress. Die Tierrechtsorganisation fordert den Zoo in Gelsenkirchen und neun weitere betreffende Zoos in Deutschland auf, die Haltung zu beenden und die Eisbären bestenfalls an Tierparks in nordischen Regionen wie Skandinavien abzugeben. Hinzu kommen die mangelhaften Haltungsbedingungen in Zoos, was bei den Tieren an schweren Verhaltensstörungen erkennbar ist – auch in Gelsenkirchen. Auch weil in Gefangenschaft geborene Eisbären nicht ausgewildert werden können, ruft PETA die Bundesregierung dazu auf, die Zoohaltung mittels eines Nachzucht- und Importverbots auslaufen zu lassen.
„Kein noch so aufwendig gestaltetes Gehege kann darüber hinwegtäuschen, dass diese Lebewesen für Eis und Kälte geschaffen sind – nicht für Hitzewellen in deutschen Städten. Dennoch müssen sie dort zur Unterhaltung des Publikums dienen“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin bei PETA. „Zoos präsentieren sich gern als Artenschützer, zwingen Eisbären aber gleichzeitig in Bedingungen, die Stress und schwere Verhaltensstörungen verursachen. Wir fordern, die Ausbeutung der Tiere zu Profitzwecken umgehend zu beenden.“
PETA appelliert an alle deutschen Zoos, dem Beispiel von Südkorea zu folgen: Dort wurde die Haltung der kälteliebenden Polarbären bereits aufgegeben, um ihnen die Hitze zu ersparen.
Fachleute bestätigen: Eisbärenhaltung in Gefangenschaft nicht artgerecht möglich
Durch eine bis zu elf Zentimeter dicke Fettschicht, eine fünf Zentimeter dicke Unterwolle und bis zu 15 Zentimeter lange Haare sind Polarbären vor eisiger Kälte geschützt. Eisbärenforschende bestätigen, dass sich die Tiere bei großer Hitze nicht wohlfühlen. [1] Bereits bei Temperaturen über 20 °C können sie unter starkem Hitzestress leiden. [2] Namhafte Wissenschaftler wie Prof. Dr. Hanno Würbel von der Universität Bern und Verhaltensbiologe Dr. Karsten Brensing vertreten die Auffassung, dass Eisbären in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können, weil die Bedingungen in Zoos sich zu stark von ihrem natürlichen Lebensraum unterscheiden. [3, 4]
Verhaltensstörungen bei Eisbären in Zoos
Obwohl die gravierenden Folgen der viel zu kleinen Gehege bekannt sind, züchten Zoos und Tierparks weiterhin Lebewesen in diese leidverursachende Umgebung hinein. In freier Natur wandern Eisbären jedes Jahr Hunderte bis Tausende Kilometer. Können sie sich nicht artgemäß bewegen, entwickeln sie auffällige Verhaltensstereotypien, die sich in ständig wiederkehrenden Bewegungsabläufen zeigen. Laut PETAs Eisbären-Studie von 2008/2010 und verschiedenen wissenschaftlichen Studien zeigt die große Mehrheit aller Eisbären in Zoos entsprechende Verhaltensstörungen. Die Organisation hat mehrfach Videomaterial veröffentlicht, das schwere Zwangsstörungen bei den Tieren belegt. PETA bittet alle Menschen, die Online-Petition an das zuständige Bundesministerium zu unterstützen. Darin fordert die Tierrechtsorganisation ein Verbot der Nachzucht und des Imports von Eisbären.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
