Der Tierpark Berlin eröffnet am Wochenende seine neue Elefantenanlage – ein Bauprojekt mit Kosten von 60 Millionen Euro. [1] Nach jahrelangem Besucherrückgang verbindet der Zoo damit auch große Hoffnungen auf die neue Anlage als Publikumsmagnet. [2] Während der Tierpark das Projekt als Fortschritt für den Tier- und Artenschutz vermarktet, kritisiert PETA die Eröffnung als teure Fehlentwicklung: Auch vergrößerte Gehege können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Elefanten in Gefangenschaft leiden. Zudem leisten die Zuchtprogramme keinen Beitrag zum Artenschutz. PETA fordert einen Zuchtstopp sowie ein Ende der Gefangenhaltung von Elefanten.
„16.000 Quadratmeter mögen für Zoobesuchende beeindruckend wirken – für Elefanten sind sie nur ein Bruchteil ihres natürlichen Lebensraums. Kein noch so modernes Gehege kann das kilometerweite Habitat dieser hochsozialen Tiere ersetzen“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Es ist absolut unverhältnismäßig, über 60 Millionen Euro in die Zurschaustellung von Elefanten zu investieren, während wirksame Schutzprojekte in den Herkunftsländern chronisch unterfinanziert sind. Zoos müssen endlich aufhören, Tierleid zu ‚modernisieren‘, und stattdessen ihre Rolle als Auffangstationen für gerettete Tiere neu definieren.“
Zumindest direkte Gewalt gegen Elefanten beendet
PETA begrüßt, dass die neue Anlage zumindest die Haltung im sogenannten „geschützten Kontakt“ ermöglicht. Bei dieser Methode befindet sich zum gegenseitigen Schutz ein Gitter zwischen Tier und Mitarbeiter. Zuvor wurden die Tiere im „direkten Kontakt“ gewaltsam unterworfen. Ein von PETA veröffentlichtes Video aus dem Jahr 2008 dokumentierte, wie im Tierpark Berlin ein Mitarbeiter einen jungen Elefanten mit dem Elefantenhaken schlug. [3]. Nach wiederholter Kritik der Tierrechtsorganisation am missbräuchlichen Umgang mit Elefanten in zoologischen Einrichtungen und nach mehreren Videoveröffentlichungen hatte der Zoo-Dachverband EAZA (European Association of Zoos and Aquaria) 2019 den verpflichtenden Umstieg seiner Mitglieder auf die Elefantenhaltung im „geschützten Kontakt“ bis 2030 angekündigt.
Zoos können die natürlichen Bedürfnisse von Elefanten nicht erfüllen
Gegen die Elefantenhaltung in Zoos spricht sich PETA grundsätzlich aus, da diese unabhängig von der Haltungsform nicht artgerecht möglich ist. Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass sich in einem Bericht an die britische Regierung 25 Elefantenexpertinnen und -experten wissenschaftlich begründet für ein Ende der Zucht und Haltung in Zoos aussprachen. [4] Demzufolge benötigen die Tiere mehrere Hektar große, strukturreiche Lebensräume – nicht wenige Tausend Quadratmeter. In freier Wildbahn legen Elefanten täglich weite Strecken zurück, leben in komplexen sozialen Verbänden und zeigen ein vielfältiges Verhaltensrepertoire. In Zoos hingegen sind sie in künstliche Umgebungen gezwungen, die oft zu Verhaltensstörungen führen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist für PETA, dass Neubauten in Zoos häufig wirtschaftlichen Interessen dienen. Modern gestaltete Anlagen sollen Besucher anziehen, während sich für die Tiere selbst meist nur wenig ändert. Insbesondere bei Elefanten sind kleinere Flächenvergrößerungen kosmetischer Natur und lösen die grundlegenden Probleme der Gefangenschaft nicht.
Auch die vielfach angeführte Begründung des Artenschutzes greift nach Ansicht der Tierrechtsorganisation zu kurz: Die Populationen von Elefanten in Zoos sind nicht selbst erhaltend und tragen nicht zum Schutz der Art bei. Auswilderungen finden nicht statt, und in Gefangenschaft geborene Tiere können die für ein Überleben in der Natur notwendigen Fähigkeiten nicht erlernen. Gleichzeitig gehen die Bestände in Freiheit lebender Elefanten seit Jahrzehnten zurück. Anstatt Millionen in Zooprojekte zu investieren, fordert PETA, öffentliche Gelder in Artenschutzprojekte in den Herkunftsländern bedrohter Tierarten umzulenken, um ihr Überleben dort zu sichern.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
