Einem Medienbericht zufolge wird Ende Juli vor dem Amtsgericht Cloppenburg ein Jagdunfall verhandelt. Der angeklagte Jäger soll im Dezember 2024 bei einer Treibjagd in Barßel eine Frau vor ihrem Wohnhaus angeschossen und schwer verletzt haben. PETA weist darauf hin, dass Hobbyjagende jedes Jahr mehrere Dutzend Menschen verletzen oder in Einzelfällen sogar töten. Zudem fügen sie Hunderttausenden Tieren erhebliches Leid durch Fehlschüsse zu. Angesichts ständiger „Fehlschüsse“ von Jägern auf Unbeteiligte forderte die Tierrechtsorganisation Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bereits im Januar in einem Schreiben schriftlich dazu auf, das Waffenrecht zu verschärfen und ein Verbot der Hobbyjagd einzuleiten. Insbesondere Drück- und Treibjagden sollten in einem ersten Schritt sofort verboten werden, weil die flüchtenden Tiere oft nur angeschossen werden und teils tagelang leiden. Zudem kommen dabei besonders häufig Menschen zu Schaden.
„Die bevorstehende Gerichtsverhandlung in Cloppenburg ist ein weiterer trauriger Beleg dafür, welche Gefahren von der Hobbyjagd ausgehen. Jedes Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schießwütige Spaßjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Um weiteres Leid zu verhindern, ist nun der Gesetzgeber gefragt. Das Gericht und die Behörden müssen zudem sicherstellen, dass dieser Jäger nie wieder eine Waffe in der Hand halten darf.“
Den Angaben zufolge hatte der Jäger zunächst einen von der Staatsanwaltschaft Oldenburg beantragten Strafbefehl über eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Geldstrafe über 3.000 Euro erhalten. Weil er dieses Strafmaß nicht akzeptierte, kommt es nun zu einer Gerichtsverhandlung.
Unfälle mit tödlichen Schüssen und Gewalttaten häufen sich
Neben absichtlichen Gewalttaten durch Jäger sorgten in den vergangenen Jahren zahlreiche schwere Jagdunfälle für Empörung. Anfang Mai verletzte ein Jäger bei Bad Hönningen seinen Begleiter, weil sich beim Entladen der Waffe ein Schuss löste. Im Januar hat ein 22-Jähriger in Warburg von einem Hochsitz aus seinen 23-jährigen Bekannten auf einem nahegelegenen Nachbarhochsitz tödlich getroffen. Ebenfalls im Januar wurde in Beckeln einer 58-Jährigen von einem Jäger in den Oberschenkel geschossen. Im November 2025 hat der Oberbürgermeister von Brand-Erbisdorf seinen 20-jährigen Begleiter angeschossen, als sich beim Kontrollieren des Ladezustandes ein Schuss aus der Waffe löste. Ende April 2025 wurde ein 69-Jähriger in Haltern am See schwer verletzt, als sich ein Schuss aus der Jagdwaffe seines 56-jährigen Begleiters löste. Im selben Monat erschoss sich ein Jäger in Hagen versehentlich selbst, als sich bei der Beobachtung von Wildschweinen ein Schuss aus seiner Waffe löste. Anfang Januar 2025 wurde ein Jäger auf einem Hochstand bei Ruchow von einer mutmaßlich verirrten Kugel eines Jagdkollegen tödlich getroffen.
Renommierte Fachleute bestätigen: Jagd ist grausam und überflüssig
Anerkannte Studien belegen, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So findet dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt. [1] Auch englische Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. [2] Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Die Jagd ist unnötig, kontraproduktiv und grausam. Den rund 400.000 Hobbyjagenden in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
