Einem Medienbericht zufolge hat eine Frau eine Schlange in ihrer Dachgeschosswohnung in Schopfheim entdeckt. Das Tier befand sich in einer Unterhosenschublade. Laut eines hinzugezogenen Reptilienexperten handle es sich um eine etwa einen Meter lange nordamerikanische Kornnatter. Das weibliche Tier sei leicht abgemagert, weshalb sie vermutlich schon längere Zeit unterwegs gewesen sein könnte. Mittlerweile ist bekannt, dass die Schlange aus der Wohnung eines Nachbarn ausbüxen konnte. Hinblick auf Vorfälle wie diesen fordert PETA Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, endlich ein bundesweites Verbot für den Handel und die Privathaltung von „exotischen“ Wildtieren auf den Weg zu bringen.
„Der Fall zeigt erneut, dass die private Haltung von Wildtieren auch für die Tiere selbst erhebliche Risiken birgt. Eine aus Nordamerika stammende Schlange ist nicht an die hiesigen Umwelt- und Klimabedingungen angepasst und kann schnell in Lebensgefahr geraten. Sie in Terrarien einzusperren, ist Tierquälerei“, sagt Jana Hoger, Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA. „Obwohl die anspruchsvollen und teilweise auch gefährlichen Tiere in Privathaushalten niemals artgerecht gehalten werden können, sind sie auf Tierbörsen und im Internet mit einem Klick regelmäßig frei verkäuflich. Zum Schutz von Mensch und Tier muss in Deutschland endlich die Haltung und der Verkauf ‚exotischer‘ Tiere verboten werden.“
PETA fordert generelles Haltungsverbot von Wildtieren in Privathaushalten
Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von gefährlichen und anspruchsvollen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen noch immer erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr Hunderte aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Personen einfach ausgesetzt. Tierheime und Tierauffangstationen sind häufig überfüllt mit Wildtieren, die einen besonders großen Anspruch an ihren Lebensraum haben. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [1]
Das Ergebnis einer Studie, welche vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit „exotischen“ Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dass besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes dringend entsprechend gehandelt werden muss.
Auch ungiftige Wildtiere können gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von „exotischen“ Tieren her. [2]
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
