Anfang August erreichte PETA eine Whistleblower-Meldung. Demnach seien aufgrund einer geplanten Reinigung Tauben aus einem Dachboden vertrieben und ausgesperrt worden. Nicht selbstständig lebensfähige Taubenküken sowie Taubeneier seien dabei zurückgelassen worden. Ehrenamtlich Helfende hätten zu diesem Zeitpunkt zwei Küken sichern und in Pflegestellen geben können. Weil nach Auffassung von PETA somit der Verdacht besteht, dass den Tieren unnötiges Leid zugefügt wurde, wird die Tierrechtsorganisation Anzeige gegen das Vergrämungsunternehmen bei der Staatsanwaltschaft Berlin erstatten. PETA fordert ein allgemeines Taubenmanagement in Städten, das auf eine enge Zusammenarbeit mit Taubenvereinen und ehrenamtlichen Taubenhilfen sowie konsequenten Eiertausch setzt.
„Regelmäßig erreichen uns Meldungen über eingesperrte Tauben und deren Kinder, die Hunger leiden und qualvoll sterben, weil sie beim Versuch, sie loszuwerden, bewusst eingesperrt wurden. Solch rücksichtsloses Vorgehen gegenüber Tieren ist nicht hinnehmbar. Verantwortliche müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, so Monic Moll, Fachreferentin bei PETA. „Die örtliche Taubenhilfe und ehrenamtliche Tierschützer sind erfahrungsgemäß immer zu Kooperationen mit den Städten bereit, um die Tauben tierschutzgerecht zu sichern, bevor die Tiere vergrämt werden sollen.“
Die Jungtiere auf dem Dachboden seien nach der Whistleblower-Meldung noch auf die Versorgung der Eltern angewiesen gewesen. Diese sei aber, nachdem die adulten Tauben vertrieben und ausgesperrt wurden, nicht mehr möglich gewesen. Es hätten sich auch keine Wasser- oder Nahrungsquellen auf dem Dachboden befunden. Da außerdem der begründete Verdacht bestanden habe, dass sich auf höher gelegenen oder schwer einsehbaren Bereichen des Dachbodens weitere Eier oder Küken befinden könnten, hätten Personen vor Ort das zuständige Veterinäramt per E-Mail informiert. Sie hätten gefordert, weitere Vergrämungsmaßnahmen unverzüglich zu unterbinden, und darum gebeten, das Vorgehen des Dienstleisters zu überprüfen.
In den folgenden Tagen hätten mithilfe von Feuerwehr und Polizei zwei weitere Taubenkinder geborgen und an ehrenamtliche Pflegestellen übergeben werden können. Der Dachboden sei, nachdem schließlich alle Tauben draußen waren, vollständig verschlossen worden.
„Stadttauben“ stammen von „Brieftauben“ ab
„Stadttauben“ sind die Nachfahren von ausgesetzten „Haustauben“. Früher wegen ihres Fleisches und wegen ihrer Eier gezüchtet, werden sie heute hauptsächlich zur Zucht aufgrund fragwürdiger Schönheitsideale, für Wettflüge und Auflässe bei Hochzeiten oder anderen Festlichkeiten missbraucht. Zudem werden sie häufig sich selbst überlassen und ausgesetzt, wenn ein privater Taubenschlag nicht mehr betreut wird. Das alles sind Gründe, warum bereits seit Jahrzehnten immer mehr Tauben in den Städten stranden.
Denn im Gegensatz zu Wildtauben sind sie die Nähe des Menschen gewohnt, brüten aufgrund ihrer Abstammung bevorzugt in felsenartigen Strukturen und suchen sich, weil sie keine andere Nahrung finden, menschliche Essensreste, die sie krank machen können. Leider wurde es versäumt, den heimatlosen Tieren betreute Taubenschläge zu errichten und darin die Populationen durch tierschutzgerechte Mittel wie den Eiertausch nachhaltig klein zu halten. Stattdessen werden sie vielerorts durch Spikes, Netze, Falken oder Klebefallen vertrieben. Dies bringt jedoch hauptsächlich den beauftragten Firmen lukrative Aufträge – denn die standorttreuen Tauben lassen sich in direkter Nachbarschaft erneut nieder, um meist kurze Zeit später wieder vergrämt zu werden.

Dieses und weitere Bilder können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
