Laut einem Medienbericht hat ein Hund am Freitagabend in Wichmar einen achtjährigen Jungen beim Fahrradfahren ins Bein gebissen und leicht verletzt. Zu diesem Zeitpunkt habe der Halter das Tier unangeleint neben seinem Auto herlaufen lassen. Was zusätzlich einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung darstellt und eine erhebliche Gefahr für den Hund und andere Verkehrsteilnehmer darstellt. Gegen ihn werde nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Angesichts dieses Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation PETA die Landesregierung in Thüringen auf, den sogenannten Hundeführerschein einzuführen.
„Seinen Hund einfach neben dem Auto herlaufen zu lassen ist nicht nur verantwortungslos, sondern strafbar und hätte für das Tier und andere Verkehrsteilnehmer schnell gefährlich werden können. Dass dabei nun noch ein Kind verletzt wurde zeigt, wie unwissend viele Hundehaltende sind und wie dringend ein verpflichtender Hundeführerschein nötig ist“, so Jana Hoger, Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA. „Egal, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Hund, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt wird, kann für Mensch und Tier gefährlich werden.“
Deutliche Mehrheit für Hundeführerschein
Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.
Niedersachsen und Bremen gehen mit gutem Beispiel voran
Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. [1] Seit 1. Juli 2026 ist auch im Land Bremen der Hundeführerschein für Personen, die sich einen Hund zulegen möchten, verpflichtend. [2] Österreich geht noch einen Schritt weiter: Dort wurde zum 1. Juli 2026 bundesweit ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt. [3] In Berlin sind Halterinnen und Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte setzen zusätzlich Anreize: In München gibt es nach bestandenem Hundeführerschein ein Jahr Hundesteuerbefreiung, in Mannheim zwei Jahre.
Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
