Tierquälerische Abwehrvorrichtung: Taube stirbt mutmaßlich in Vergrämungsnetz an Münchner Wohnhaus – PETA erstattet Strafanzeige und fordert tierfreundliche Lösungen

Tote Taube in einem Abwehrnetz

PETA erhielt eine Whistleblowermeldung mit Aufnahmen eines Vergrämungsnetzes, das an einem Privathaus in München installiert gewesen sei. Laut den Angaben habe das Netz aufgrund der großen Spannweite und des lockeren Materials eine erhebliche Gefahr für Tauben und Wildtiere dargestellt. Am 17. September sei eine tote Taube entdeckt worden, die sich in dem Netz verfangen habe und darin gestorben sei. Auf den Bildern ist zu sehen, dass hinter dem Netz Tauben brüten, während ein Artgenosse tot darin hängt. PETA forderte das Veterinäramt der Stadt München auf, die Vorrichtung schnellstmöglich entfernen zu lassen. Am darauffolgenden Tag habe die Behörde das Netz aufgeschnitten und den Körper der Taube bergen können. Die Tierrechtsorganisation erstattete am 22. September bei der Staatsanwaltschaft München I Anzeige gegen die Verantwortlichen wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz.

„Es ist traurig zu sehen, wie die Taube auf dem Bild leblos in dem Netz hängt, während zwei andere Tauben hinter dem Netz brüten. Der Schutz von Gebäuden darf niemals auf Kosten des Lebens und Wohlergehens von Tieren gehen“, so Lisa Redegeld, Fachreferentin für Whistleblower-Fälle bei PETA. „Dieser Fall zeigt erneut, dass es eine Kombination aus betreuten Taubenschlägen und tierfreundlichen baulichen Maßnahmen wie Plexiglas oder festen Gittern braucht. So könnten die standorttreuen Vögel einen sicheren Ort finden. Sogenannte Stadttauben sind vom Menschen gezüchtet und daher in besonderem Maße auf menschlichen Schutz und Fürsorge angewiesen.“

Tote Taube in einem Abwehrnetz

Das Bild kann hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.

Gefahren durch Abwehrnetze und andere Vergrämungsmaßnahmen

Vergrämungsnetze werden an Gebäuden eingesetzt, um Tauben von bestimmten Bereichen fernzuhalten. Sind sie nicht fachgerecht angebracht oder beschädigt, können sich die Tiere darin verfangen, sich verletzen oder sterben. Statt die Ursachen für das stetige Ankommen von Tauben in den Städten zu beheben, werden die hilfsbedürftigen Tiere an andere Orte vertrieben. Mit einfachen Maßnahmen ließe sich die Zahl der „Stadttauben“ dauerhaft und tierschutzgerecht verringern: Zum Beispiel durch den regelmäßigen Austausch von Eiern, durch Plexiglas oder feste Gitter an Stellen, an denen ein Eiertausch nicht möglich ist, sowie durch ausreichende und betreute Taubenschläge. Dort können die Tiere artgerechte Nahrung bekommen, während Kot und Eier kontrolliert entfernt werden.

Auch andere Vergrämungsmaßnahmen wie Spikes, also scharfkantige Metallstäbe, können Tauben in Gefahr bringen. Da die Vögel nur an bestimmten Stellen brüten und standorttreu sind, verletzen sie sich oft schwer an den bewusst dort aufgestellten Metallstäben. Teils bauen sie ihre Nester aus der Not heraus mitten in die Abwehrsysteme.

„Stadttauben“ stammen von „Brieftauben“ ab

„Stadttauben“ stammen von verwilderten sogenannten Haus- und Brieftauben ab, die einst aus der am Mittelmeer heimischen Felsentaube gezüchtet wurden. Als ihre Nachfahren benötigen sie kleine Flächen, um ihre Nester in Städten bauen zu können. Diese finden sie unter anderem an Gebäudefassaden. Nahezu überall werden sie durch Abwehrnetze und Metallspitzen vergrämt. Als Körneresser finden die Vögel in den Städten nur selten geeignete Nahrung, sodass sie oft krank werden. Taubenkrankheiten sind zwar kaum auf den Menschen übertragbar, doch stören sich die Menschen beispielsweise am Durchfall der Vögel. Regelmäßig wird die städtische Population auch durch verirrte Tiere aus Taubenwettflügen oder sogenannten Auflässen bei Hochzeiten oder Stadtfesten erweitert.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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