Am kommenden Sonntag findet in der Vestlandhalle in Recklinghausen erneut die Wildtiermesse „Terra-Ruhr“ statt. Am vergangenen Montag hat PETA dem Veterinäramt Recklinghausen Bildmaterial der vorangegangenen Börse vom 17. Mai 2026 zugesandt und die Behörde aufgefordert, Tierschutzverstöße auf der Veranstaltung konsequent zu ahnden und das Anbieten von Wildtieren in winzigen, kargen Plastikboxen zu untersagen. Die Tierrechtsorganisation fordert zudem von der Bundesregierung, Wildtierbörsen sowie die Haltung von Wildtieren durch Privatpersonen zu verbieten.
„Auf der ‚Terra-Ruhr‘ wird der Tierschutz mit Füßen getreten und das Veterinäramt sollte dem skrupellosen Umgang mit den Wildtieren endlich einen Riegel vorschieben. Solche Veranstaltungen müssen aus Tierschutzgründen untersagt werden“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Diese Tierarten haben komplexe Ansprüche an Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtung und Ernährung und können in Gefangenschaft niemals artgerecht gehalten werden.”
Bildmaterial zeigt Tierleid
Die PETA zugespielten Aufnahmen von der “Terra-Ruhr” vom Mai dieses Jahr zeigen zahlreiche Geckos, Schlangen und Frösche, die in winzigen Plastikdosen abgepackt sind. Ausreichende Rückzugsmöglichkeiten, wie sie die Tierbörsenleitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums vorschreiben, sind bei vielen Tieren nicht erkennbar. Besucherströme mit entsprechendem Geräuschpegel sowie die teils artwidrigen Temperatur- und Lichtverhältnisse können die Tiere zusätzlich stressen.
Wildfänge sind potenzielle Überträger von Zoonosen
Bei einem Teil der auf deutschen Reptilienbörsen verkauften Tiere handelt es sich um Wildfänge aus Asien, Afrika und Südamerika, die wenige Tage oder Wochen zuvor ihrem natürlichen Lebensraum entrissen wurden. Viele der sensiblen Lebewesen werden nach tagelangen Transporten stark geschwächt in winzigen Plastikboxen angeboten. Zahlreiche sterben an Stress, Unterversorgung oder transportbedingten Verletzungen. [1] Ob oder welche tödlichen Viren oder Bakterien sie in sich tragen, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass mit 72 Prozent der größte Teil aller Zoonosen aus dem Kontakt mit wildlebenden Tierarten resultiert. [2] Auf einigen Veranstaltungen werden die meist in winzigen Behältnissen eingesperrten Tiere häufig unter Interessierten herumgereicht. Dadurch können sich gefährliche Viren und Bakterien leicht verbreiten. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge ist jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern auf „exotische“ Tiere zurückzuführen. [3] Nicht selten sind die exotischen Wildtiere auch von Qualzucht betroffen.
„Exoten“-Handel befeuert das Artensterben
Eine Studie des Bundesumweltministeriums vom März 2020 bestätigt, dass der Handel mit Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dringender Handlungsbedarf besteht. [4] Trotzdem gibt es noch immer keine Gesetze, die den Verkauf von gefährdeten Arten ausreichend regulieren. Sterberaten beim Fang und Transport von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich. [1] Auch der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) betont, dass die direkte Ausbeutung der Natur einer der Hauptgründe für das Artensterben ist.


Diese und weitere Fotos wurden auf der Terra-Ruhr im Mai 2026 aufgenommen und stehen hier zum Download zur Verfügung.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
