Wiesbaden: Ortsbeiräte stimmen für Tötung von Nilgänsen – PETA kritisiert sinnlose Maßnahme und zeigt tierfreundliche Alternativen auf

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Am 19. August und am 24. September stimmten die Wiesbadener Ortsbeiräte Nordost und Mitte mehrheitlich dafür, Nilgänse im Stadtgebiet zu töten. Anlass sei der Kot der Tiere in Parkanlagen. Noch Mitte August hatte sich die Stadt gegen eine Tötung ausgesprochen. [1] Am 2. Oktober appellierte PETA in einem Schreiben an die Mitglieder der beiden Ortsbeiräte, an Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende sowie an die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, die Nilgänse nicht töten zu lassen. Die Tierrechtsorganisation führte unter anderem an, dass Fälle, bei denen Menschen durch den Kot von Gänsen erkrankten, bisher nicht bekannt sind. Für die Kotproblematik und die Populationsentwicklung zeigte sie tierfreundliche Lösungsansätze auf. Auch unter rechtlichen Gesichtspunkten sieht PETA die Pläne kritisch, denn hinterlassener Kot sei kein „vernünftiger Grund“ für Tiertötungen im Sinne des Tierschutzgesetzes.

„Fühlende Lebewesen erschießen zu lassen, weil man sich durch ihre Hinterlassenschaften gestört fühlt, ist völlig unverhältnismäßig. Der Kot lässt sich mit speziellen Kehrmaschinen mit Saugfunktion effektiv beseitigen. Wir Menschen sollten unseren wildlebenden Mitgeschöpfen Toleranz und Respekt entgegenbringen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass die Tiere nicht dauerhaft durch Tötungsaktionen vertrieben werden können. Vielerorts wird daher auf ein tierfreundliches und nachhaltiges ‚Gänsemanagement‘ gesetzt, welches auch in Wiesbaden mit Unterstützung von Fachleuten erarbeitet werden sollte.“

Tötungen vertreiben die Tiere nicht dauerhaft

Die Verschmutzung von Flächen ist nach Auffassung von PETA kein legitimer Grund, Tiere zu töten. In Heidelberg wird eine spezielle Kot-Kehrmaschine eingesetzt. Zudem ist die Jagd nicht dazu geeignet, die Tiere dauerhaft von einem attraktiven Lebensraum fernzuhalten. Frei werdende Flächenwerden nach kurzer Zeit von Jungtieren aus dem Umland bezogen. Experten setzen daher auf ein effektives und tierfreundliches „Gänsemanagement“: Die betroffenen Flächen werden – flankiert von tierfreundlichen Vergrämungsmaßnahmen – für die Gänse unattraktiv gestaltet, gleichzeitig werden ihnen geeignete Ausweichflächen überlassen. [2] In einigen Städten trägt eine Gelegebehandlung dazu bei, dass die Anzahl der Tiere nicht ansteigt. [3] Eine angebliche Verdrängung heimischer Wildtiere findet Experten zufolge nicht statt. [4;5;6]

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Geuecke, Emma (2026): Werden die Wiesbadener Nilgänse jetzt abgeschossen? Online abrufbar unter: https://merkurist.de/wiesbaden/nilgans-plage-werden-die-wiesbadener-nilgaense-jetzt-abgeschossen_lNlI  (6.10.2026).
[2] Mueller-Töwe, Jonas (2014): Gänsedreck sorgt für Ärger an Badeseen. Online abrufbar unter: https://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article130001319/Gaensedreck-sorgt-fuer-Aerger-an-Badeseen.html (6.10.2026).
[3] Heidenheimer Zeitung (2025): Gänsekot auf Liegewiesen – liegt die Lösung bei den Eiern?. Online unter https://www.hz.de/deutschland-und-welt/gaensekot-auf-liegewiesen-liegt-die-loesung-bei-den-eiern (6.10.2026)
[4] Dr. Johan H. Mooij, Dr. Helmut Kruckenberg, Prof. Dr. Hans-Heiner Bergmann: Wissenschaftliche Stellungnahme zu Entwicklungen im Gänseschutz in Nordrhein-Westfalen – hier: Jagd auf Gänse, Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) Projektgruppe Gänseökologie. Wilhelmshaven. Online abrufbar unter: https://www.nabu-duisburg.de/app/download/4915204863/Stellungnahme_DOG_NRW.pdf (6.10.2026).
[5] Nabu: Nilgans im Fokus. Wie gehen wir mit der neuen Art um? Online abrufbar unter: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/jagd/25852.html (6.10.2026).
[6] Kır, Sabrina (2026): Nilgänse in Tübingen abschießen? Tierschützer sehen dafür keine Grundlage. Online abrufbar unter: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/warum-es-laut-wissenschaft-keinen-grund-fuer-nilgaense-abschuesse-in-tuebingen-gibt-100.html (6.10.2026).

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