Nach der Flucht und der anschließenden Tötung des Luchses Mikaesch aus dem Naturwildpark Granat hat PETA Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Essen erstattet. Diese richtet sich gegen den Betreiber des Wildparks sowie gegen Personen der Unteren Naturschutz- und Jagdbehörde, die für den Abschuss verantwortlich sind. Die Tierrechtsorganisation fordert eine umfassende Aufklärung der Ereignisse – auch darüber, warum auf erste Hinweise zu seinem Ausbruch offenbar nicht umgehend reagiert worden sei. Darüber hinaus sollen Sicherheitsmängel sowie die Rechtmäßigkeit des Abschusses überprüft werden. Aus Sicht von PETA bestehen an dieser erhebliche Zweifel.
„Zur Unterhaltung von Menschen blieb Mikaesch erst die Freiheit verwehrt, um schließlich mit seinem Leben zu bezahlen. Laut den vorliegenden Informationen hätten Spaziergänger den Luchs mehrfach aus kurzer Distanz beobachten können. Daher fragen wir uns ernsthaft, warum Fachkräfte unfähig gewesen sein sollen, sich zu nähern, um ihn zu betäuben“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Die Geschehnisse müssen dringend aufgeklärt werden. Für solche Situationen braucht es ethisch vertretbare Lösungen, um Leben zu schützen, statt es vorschnell mit einem Abschuss zu beenden.“
Nach Angaben des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) habe ein Radfahrer den Luchs bereits am 27. Juli – vermutlich kurz nach dessen Flucht – nahe dem Tierpark gesehen und den Park informiert. Von dessen Seite sei zunächst angegeben worden, dass kein Luchs fehle. In den darauffolgenden Tagen seien zwei weitere Sichtungsmeldungen beim LANUK eingegangen. Denen zufolge habe der Luchs wenig Scheu gezeigt und sich in kurzer Distanz zu den Augenzeugen befunden. Erst nachdem es Anfang August zu einem Zwischenfall mit einem Hund und dessen Halter gekommen sei, seien umfangreichere Maßnahmen eingeleitet worden. Die Kreisverwaltung Recklinghausen erklärte später, der Abschuss sei genehmigt worden, nachdem Versuche, den Luchs zu betäuben und lebend zu sichern, erfolglos geblieben seien.
Laut Informationen des LANUK und der Kreisverwaltung Recklinghausen sei es Luchsen bereits 2014 und 2019 gelungen, das Gehege im Naturwildpark Granat zu verlassen.
Dokumentation vernachlässigter und verletzter Tiere im Wildpark Granat
Wegen diverser Missstände zieht der Park immer wieder PETAs Aufmerksamkeit auf sich. Bereits im Herbst 2022 hatte PETA nach mehreren Augenzeugenmeldungen Strafanzeige wegen augenscheinlicher Verwahrlosung einiger Tiere erstattet: darunter ein humpelndes Schwein sowie ein Mufflon mit stark überlang gewachsenen „Schnabelhufen“. Das Bildmaterial legte nach Einschätzung von PETA nahe, dass die Erkrankung des Tieres bereits mehrere Monate unbehandelt geblieben war. Laut Augenzeugen habe der Mufflon kaum noch laufen können. Dennoch stellte die Staatsanwaltschaft Essen das Verfahren ein.
Zudem meldeten Augenzeugen Verhaltensauffälligkeiten von Tieren und einen schlechten Gesundheitszustand einiger Vögel. Whistleblower-Aufnahmen von Oktober 2025 und Februar 2026 zeigten erneut Mufflons mit stark deformierten Hufen. Der Meldung eines Besuchers zufolge sei ein Kleinkind von einem Nerz gebissen worden, weil das Gehege unzureichend gesichert gewesen sei. Daraufhin erstattete die Tierrechtsorganisation erneut Strafanzeige gegen den Betreiber.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
