Einem Medienbericht zufolge wurde vergangenen Freitag im Magdeburger Zoo ein Giraffenbaby geboren. PETA kritisiert die fortgesetzten Zuchtbemühungen der Einrichtung scharf. 2019 starben dort innerhalb von nur zwei Monaten drei Giraffen. Damals bemängelte PETA Defizite bei der Gesundheitskontrolle, Ernährung und Versorgung der Tiere. Angesichts dieser Vorgeschichte erneuert die Tierrechtsorganisation ihren Appell an die Verantwortlichen des Zoos Magdeburg, die Zurschaustellung der sensiblen Tiere schnellstmöglich zu beenden. PETA fordert zudem ein Nachzucht- und Importverbot für Giraffen in deutschen Zoos. Denn Giraffen leiden in Gefangenschaft unter massiven gesundheitlichen Problemen und entwickeln häufig stereotype Verhaltensmuster. [1]
„Drei tote Giraffen innerhalb von zwei Monaten und der Zoo Magdeburg züchtet munter weiter, als wäre nichts gewesen. Wer unter diesen Umständen die Geburt eines Giraffenbabys als Erfolg verkauft, verwechselt ‚Artenschutz‘ mit der Produktion neuer Publikumsmagneten“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsindustrie. „Statt Verantwortung für das Leid dieser sensiblen Wildtiere zu übernehmen, setzt der Zoo seine fragwürdige Zuchtpolitik fort. Damit muss Schluss sein: Wir fordern ein sofortiges Ende der Giraffenzucht und -haltung in Magdeburg und ein bundesweites Nachzucht- und Importverbot.“
2019 starben drei Giraffen im Zoo Magdeburg
PETA hatte sich nach dem Tod von drei Giraffen innerhalb von zwei Monaten im Jahr 2019 an das Veterinäramt gewandt und die mangelhafte Versorgung der Tiere kritisiert. Das Personal hatte weder die Blutarmut bei Giraffe Femke noch die Schwangerschaft von Giraffenkuh Shani festgestellt. Somit kam die Geburt ihres Kinds Johannes für den Zoo völlig überraschend. Hinzu kamen Mängel in der Ernährung und Versorgung des Giraffenkinds. In Anbetracht dieser Missstände forderte PETA bereits damals den umgehenden Zuchtstopp von Giraffen im Magdeburger Zoo.
Giraffen in Zoos leiden unter gesundheitlichen Problemen und Verhaltensstörungen
In der Natur leben Giraffen in komplexen und wechselnden Sozialverbänden. Sie beanspruchen Gebiete von vielen Quadratkilometern und erleben eine Vielzahl von Umweltreizen. Der Zooalltag hingegen ist geprägt von eingeschränkten Sozialkontakten in beengten und eintönigen Gehegen, insbesondere im Winter. Da die Tiere nicht an niedrige Temperaturen angepasst sind, verbringen sie die meiste Zeit eingesperrt in engen Stallungen. Zudem leiden Giraffen in Gefangenschaft häufig unter Verhaltensstörungen – laut dem europäischen Zoo-Dachverband EAZA in fast jedem Zoo. [1] Durch die artwidrigen Haltungsbedingungen sind auch gesundheitliche Probleme wie Lahmheit und übergewachsene Klauen häufig. [2] Giraffen im Zoo sterben häufig deutlich vor dem Erreichen ihrer natürlichen Lebenserwartung. [1] Aufgrund ihrer empfindlichen Anatomie sind die Paarhufer durch enge Boxen, rutschige Böden und riskante Transporte einem hohen Risiko für Stürze, tödliche Verletzungen und erhöhte Sterberaten ausgesetzt. In deutschen Zoos sind zwischen 2007 und 2026 rund 50 Giraffen verfrüht gestorben.
Giraffenhaltung leistet keinen Beitrag zum Artenschutz
Obwohl einige Zoos an internationalen Zuchtprogrammen teilnehmen, die dem Artenschutz dienen sollen, sind diese vor allem dazu gedacht, die Populationen in den Einrichtungen selbst aufrechtzuerhalten. Denn Giraffen, die in deutschen Tierparks geboren wurden, sind nicht auf das Leben in der Wildnis vorbereitet. Sie haben weder die notwendigen Überlebensfähigkeiten entwickelt, noch sind sie an die natürlichen Herausforderungen wie Nahrungssuche, Raubtiere oder die Vermeidung von Konflikten mit menschlichen Siedlungen gewöhnt. Zudem müssten ausgewilderte Tiere strenge Quarantänemaßnahmen durchlaufen, um sicherzustellen, dass sie keine Krankheiten in die Wildpopulation einbringen. Derzeit werden Millionen an Steuergeldern für die Aufrechterhaltung der deutschen Zoobetriebe aufgebracht. PETA fordert, diese stattdessen direkt in Artenschutzprojekte in den Herkunftsländern bedrohter Tierarten zu investieren, um ihr Überleben dort zu sichern.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
