Hubertusmesse auf dem Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse): PETA kritisiert kirchlichen Segen für Jägerinnen und Jäger

Das Geweih eines Hirschs, aufgebahrt am Altar, bei einer Hubertusmesse in Saarbrücken

Töten mit kirchlichem Segen: Am Samstag, dem 17. Oktober, findet auf dem Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) eine Hubertusmesse mit anschließender Schleppjagd statt. Dabei werden Pferde und Hunde für die Nachstellung einer Hetzjagd mit künstlicher Fährte ausnutzt. PETA kritisiert die Veranstaltung scharf. Die Tierrechtsorganisation appelliert an die Kirchenverantwortlichen, sich künftig von diesen Veranstaltungen zu distanzieren. Die symbolische Legitimation der Jagd durch einen Gottesdienst ist PETAs Ansicht nach nicht mit der christlichen Ethik vereinbar, das Leben zu achten.

„Einen Gottesdienst zu veranstalten, der die Jagdtradition feiert und das Töten von Tieren symbolisch legitimiert, sendet ein völlig falsches Signal“, kritisiert Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Kirchen sollten für die Bewahrung der Schöpfung eintreten, nicht für die Verherrlichung ihrer Zerstörung. Auch wenn bei einer Schleppjagd keine Wildtiere getötet werden, werden Pferde und Hunde für ein fragwürdiges Spektakel ausgenutzt. Die Hubertusmesse ignoriert zudem, dass der heilige Hubertus vom Jäger zum Jagdgegner wurde. Wir rufen die Verantwortlichen der Kirchengemeinde auf, sich kritisch mit der Jagdtradition und dem damit verbundenen Tierleid auseinanderzusetzen.“

Tierleid bei Drückjagden

Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei Drückjagden bis zu zwei Drittel der Wildtiere nicht sofort. [1] Mit zerschossenen Knochen und heraushängenden Körperteilen schleppen sie sich davon, leiden oft tagelang unter starken Schmerzen und sterben qualvoll, wenn sie bei der sogenannten Nachsuche nicht gefunden werden.

Der Heilige Hubertus entsagte der Jagd

Überlieferungen zufolge offenbarte sich Gott dem im Jahr 655 in Toulouse geborenen Hubertus während einer Jagd in der Gestalt eines Hirsches. Tief von dieser Begegnung bewegt, entsagte Hubertus der Jagd. Er wurde in Rom zum Bischof geweiht und starb 727 als Heiliger Hubertus von Lüttich. Das Christentum ist eine Religion der Ethik, die für Barmherzigkeit, Achtung vor dem Leben und Nächstenliebe eintritt.

Jagd ist unnötig, kontraproduktiv und grausam

Anerkannte Fachleute sind sich einig, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. Dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge findet eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt. [2] Der Kanton Genf, in dem die Hobbyjagd seit über 40 Jahren verboten ist, ist nur ein Beispiel dafür. Hier reguliert sich die Natur in erster Linie selbst. Das Resultat sind eine hohe Artenvielfalt und gesunde, stabile Wildtierpopulationen. Der Biologe Dr. Karl-Heinz Loske sieht in der Jagd lediglich ein überflüssiges Hobby, das die Lust der Jagdausübenden, Tiere zu töten, befriedigt. Als er in jungen Jahren einen Jagdschein machte, wurde ihm schnell klar, dass dies nichts mit Natur- und Artenschutz gemein hat. Heute ist Dr. Loske ein anerkannter Experte für Landschaftsökologie, für den die Jagd weder aus ökologischer noch aus moralischer Sicht zu verantworten ist. [3]

Das Geweih eines Hirschs, aufgebahrt am Altar, bei einer Hubertusmesse in Saarbrücken

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PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2010): Tierschutz und Bewegungsjagden. Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). Arbeitskreis Wildtiere und Jagd (AK 6).
[2] Reichholf, J. H.: Die Wahrheit über die Jagd – Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV-Dokumentation SWR BW. (15.05.2014).
[3] Loske, K. (2016): Das Wider der Jagd. TV-Beitrag WDR.

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