Auch im Winter quietschfidel: Kaninchen und Meerschweinchen können ganzjährig im Freien gehalten werden – wenn sie an eine Außenhaltung gewöhnt sind und ihnen genügend Schutz vor der Witterung geboten wird. Wie die Kleintierunterkunft winterfest gemacht wird und worauf Tierhaltende sonst noch achten müssen, damit die Tiere gut durch die frostige Zeit kommen, verrät Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA.
„Kaninchen und Meerschweinchen können gut mit kühlen Temperaturen umgehen, wenn sie frühzeitig an die Außenhaltung gewöhnt und ihnen ausreichend geeignete Rückzugsorte geschaffen wurden”, so Jana Hoger. „Beide Arten sind von Natur aus Höhlenbewohner, so konnten sich ihre Ahnen stets vor den schlimmsten Wetterkapriolen schützen. Durch die Domestizierung hat sich vieles verändert. Heute müssen Tierhaltende ihre kleinen Mitbewohner bei der Vorbereitung auf die Wintermonate dringend unterstützen. Problematisch wird es, wenn Kleintiere unvorbereitet Kälte, Feuchtigkeit oder Zugluft ausgesetzt werden.“
So kommen Kaninchen und Meerschweinchen gut durch die kalte Jahreszeit:
- Gesundheit geht vor: Nur fitte und gesunde Tiere dürfen ganzjährig im Freien gehalten werden. Kranke oder altersschwache Vierbeiner sollten nicht draußen überwintern müssen – dies kann mitunter lebensgefährlich werden.
- Rechtzeitig planen: Wer Kaninchen oder Meerschweinchen ganzjährig im Garten halten möchte, muss rechtzeitig mit der Planung beginnen. Sich spontan im November oder Januar für eine Außenhaltung zu entscheiden und die Tiere kurzerhand vom Warmen in die Kälte zu befördern, ist absolut schädlich und kann tödlich enden. Der Körper und das Immunsystem benötigen Zeit, um sich an die Anforderungen des mitteleuropäischen Winters zu gewöhnen. Nur wenn die Tiere mindestens seit dem frühen Sommer durchgehend draußen leben, kann sich ihr Organismus in den Jahresrhythmus der Natur einfinden und mit der Produktion des überlebenswichtigen Winterfells beginnen.
- Gruppenkuscheln: Im Winter benötigen Kaninchen mindestens ein Gemeinschaftshaus im Außengehege, in das sich alle Tiere hineinkuscheln und so gegenseitig wärmen können. Einzelhaltung ist generell tabu – Meerschweinchen und Kaninchen brauchen mindestens einen, besser noch mehrere arteigene Partner in einem großen Auslauf. Die Vergesellschaftung beider Tierarten ist nicht zu empfehlen, da es zu gefährlichen Missverständnissen und mitunter auch zu Verletzungen unter den Tieren kommen kann.
- Gute Isolation – aber richtig: Einfache Holzhäuschen reichen als Kälteschutz nicht. Notwendig ist ein trockener, zugfreier und ausreichend mit Stroh gepolsterter Rückzugsort, der Platz für alle Tiere bietet. Im Unterschlupf sollte die Innentemperatur nie unter den Gefrierpunkt fallen.
- Schutz vor Nässe und Zugluft: Ein feuchtkaltes Klima kann zu Schnupfen oder gefährlichen Lungenentzündungen führen. Das Gehege und vor allem die Hütten sollten also unbedingt vor Nässe und Zugluft geschützt werden.
- Schnee und Eis entfernen: Um Verletzungen zu verhindern und den Tieren dauerhaften Zugang zu Schutzhütten zu gewähren, ist das Entfernen von Schnee und Eis vor Hütten und häufig genutzten Laufwegen der Tiere dringend notwendig.
- Bewegung: Draußen lebende Kleintiere müssen immer eine Freilaufmöglichkeit haben, denn Bewegung hält sie warm und fit. Je mehr Platz den kleinen Vierbeinern zur Verfügung steht, desto besser. Der Auslauf muss dabei gut vor Feinden und gegen Ausbrüche gesichert sein.
- Nährstoffe: Nährstoffreiche Nahrung ist zur kalten Jahreszeit besonders wichtig. Dazu zählt u. a. die ausreichende, energiereiche „Grünzeug“-Versorgung. Ein wichtiger Bestandteil ist blättriges Gemüse wie Kohl- und Salatköpfe. Insbesondere Kohlgemüse – wie z. B. Grünkohl/Braunkohl, Wirsing, Brokkoli, Spitzkohl und Blumenkohl, aber auch Grünkohlblätter – ist sehr gesund und für die Winterernährung unverzichtbar. Alle anderen Kohlsorten können ebenfalls angeboten werden. Aufgrund von Unverträglichkeit sollte Kohl allerdings nicht mit handelsüblicher Trockennahrung gemischt, sondern immer separat gegeben werden. Grundsätzlich ist eine langsame Ernährungsumgewöhnung wichtig, um gefährlichen Krankheiten vorzubeugen. Als Salate eignen sich in der Winterernährung solche mit vielen Bitterstoffen besonders gut, wie z. B. Endivie, Frisée und Chicorée.
- Trinkwasser: Auch im Winter benötigen Tiere täglich frisches Wasser. Damit die Flüssigkeit nicht einfriert, sollte sie warm gehalten oder mehrmals täglich durch lauwarmes Wasser ersetzt werden. Trinkflaschen sind nicht nur unhygienisch und ungeeignet, sondern frieren bei Kälte auch schnell ein.
- Achtung bei ungeeignetem Fell: Einige Tiere haben ein Fell, das sie nicht vor Kälte und Nässe schützt. Erstaunlicherweise ist die Außenhaltung gerade für langhaarige und Angora-„Rassen“ ungeeignet. Ihr überlanges Fell teilt sich an vielen Stellen und setzt die empfindliche Haut so der Witterung aus. Manchen Meerschweinchen- und Kaninchenarten wurde das Deckhaar weggezüchtet, wodurch ihr Fell Feuchtigkeit wie ein Schwamm aufnimmt. Diese Tiere sollten unbedingt im Haus gehalten werden.
- Vorsicht vor „Ein- und Ausbrechern“: Wie auch für sommerliche Tagesausläufe gilt – das Gehege muss absolut aus- und einbruchsicher sein. Katzen und Marder sind wahre Kletterkünstler, die selbst hohe Zäune überwinden können. Auch an Greifvögel muss gedacht werden, ebenso wie an Füchse, die gerne in Siedlungen unterwegs sind und sich schon mal unter einem Zaun hindurchgraben.
Schon gewusst? Handelsübliche Käfige eignen sich niemals für die Haltung von Kleintieren, da sie immer zu klein sind und die Tiere darin nicht ihren arteigenen Bedürfnissen nachkommen können. Kaninchen und Meerschweinchen brauchen ausreichend Platz, um sich frei zu bewegen, zu rennen, zu springen und ihre Umgebung zu erkunden. Außerdem benötigen sie Rückzugsmöglichkeiten und den Kontakt zu Artgenossen. Eine artgerechte Haltung ist deshalb nur in einem ausreichend großen, abwechslungsreich gestalteten und sicheren Gehege möglich.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
