Anbindehaltung und Vernachlässigung von Rindern – PETA erstattet Strafanzeige gegen Hofbetreiber im Landkreis Aichach-Friedberg

Kühe, dicht aneinander angebunden und mit Kot beschmiert.

Verheerende Lebensumstände: PETA erreichten mehrere Meldungen zu einer tierquälerischen Rinderhaltung in einem Betrieb im Landkreis Aichach-Friedberg. Die Fotos zeigen dicht nebeneinanderstehende und an kurzen Ketten fixierte Kühe, die teilweise mit ihren Hinterbeinen auf Kotgittern ausharren müssen. Einige Tiere sind mit Fäkalien beschmiert. In engen Buchten fristen die Jungtiere ihr Dasein. PETA hat nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Augsburg wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz sowie die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gegen die Verantwortlichen des Betriebs erstattet.

„Wir rufen die Staatsanwaltschaft Augsburg dazu auf, die Leiden der Kühe ernst zu nehmen und die quälerische Anbindehaltung zu sanktionieren“, so Julia Weibel, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA. „Rinder dürfen nicht länger in Ställen festgekettet werden, sondern müssen als fühlende Individuen ihr Recht auf Bewegung, körperliche Unversehrtheit und Freiheit in Anspruch nehmen können. Wir fordern außerdem, dass Deutschland auf eine tierfreie Landwirtschaft umsteigt. So kann Milliarden von Tieren ein entbehrungsreiches Leben und der grausame Tod im Schlachthof erspart werden.“

Mehrere Hinweise zur tierquälerischen Anbindehaltung im Kreis Aichach-Friedberg

Im Mai 2025 erreichte PETA eine Whistleblower-Meldung zu dem Betrieb im Kreis Aichach-Friedberg. Der Meldung nach sollen die Rinder dort seit mehreren Jahren in andauernder Anbindehaltung gehalten werden und bereits Verletzungen durch die Ketten erlitten haben. Außerdem würden die Tiere in ihren eigenen Fäkalien liegen und aufgrund schlechter Nahrung unter Durchfall leiden. Auch ihre Klauengesundheit sei mangelhaft. Aufnahmen einer weiteren Whistleblower-Meldung von Ende Mai 2025 zeigen die Tiere dicht nebeneinander angebunden. Verletzungen durch die Ketten konnten nicht erkannt werden. Ihre Liegeflächen haben keine Einstreu, sondern nur eine Gummimatte. Die Rinder stehen zum Teil mit ihren Hinterbeinen auf den Kotgittern über einem Güllekanal. Einige Tiere sind mit Kot beschmiert. Außerdem zeigt ein Foto die Haltung der Jungtiere: Sie sind in enge Buchten eingepfercht und durch Gitterstäbe voneinander getrennt

Bereits im September 2024 erhielt die Organisation eine anonyme Meldung zu dem Betrieb mit gleichen Beschreibungen: Anbindehaltung, durch die Ketten verursachte Verletzungen, ein dreckiger Stall und kranke Kühe. PETA meldete die Hinweise jeweils dem zuständigen Veterinäramt des Landkreises Aichach-Friedberg. Im September 2024 gab die Behörde an, der Meldung zeitnah nachzugehen und bei tierschutzrechtlichen Verstößen notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Im Mai 2025 hingegen blieb eine Rückmeldung aus.  

Anbindehaltung erfüllt den Straftatbestand der quälerischen Tiermisshandlung

Rinder in Anbindehaltung erfahren unzumutbares körperliches und psychisches Leid. Die Tiere essen, ruhen, stehen, liegen, koten und urinieren an ein und demselben Platz im Stall und können sich dabei nicht einmal umdrehen. Wie in zahlreichen juristischen Aufsätzen thematisiert wird, erfüllt  die Anbindehaltung von Rindern den Tatbestand der quälerischen Tiermisshandlung nach § 17 Nr. 2 lit. b) Tierschutzgesetz, da die Tiere hierdurch in nahezu all ihren natürlichen Verhaltensweisen und Grundbedürfnissen stark eingeschränkt werden. Dies wird auch „erzwungenes Nichtverhalten“ genannt. [1] Die dauernde Fixierung beeinträchtigt das Wohlbefinden der Rinder derart, dass erhebliche Leiden verursacht werden.

PETA präsentiert Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft

Die tierhaltende Landwirtschaft tötet jedes Jahr allein in Deutschland rund 750 Milliarden fühlende Lebewesen und gehört zu den ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Wirtschaftszweigen unserer Zeit. [2] Es braucht dringend eine Agrarwende hin zur tierfreien Landwirtschaft, um das Leben künftiger Generationen zu sichern sowie die Folgen der Klimakatastrophe abzumildern. PETA hat aus diesem Grund Ende Mai 2025 einen Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft veröffentlicht und fordert die Politik damit zum Handeln auf. Die Tierrechtsorganisation zeigt anhand konkreter Schritte, wie der Umstieg auf veganen Ökolandbau gelingen kann. Zudem präsentiert der Plan eine Strategie für den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Pflanzliche Nahrungsmittel sparen im Vergleich zu Produkten tierischen Ursprungs zahlreiche Ressourcen ein und können weitaus umweltschonender hergestellt werden. Unterstützung bei der Entwicklung erhielt die Organisation von Martin Müller, dem Gründer der Initiative „landwirtschaft.jetzt“.

Kühe, dicht aneinander angebunden und mit Kot beschmiert.
Junge Rinder, in enge Buchten gepfercht.

Diese und weitere Bilder können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden. 

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

Quellen

[1] Schrott, Die Nutztierhaltung und das Strafrecht, LMuR 2024, 147.
[2] Shepon et al. (2018): The opportunity cost of animal based diets exceeds all food losses. Online abrufbar unter: https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1713820115. (09.09.2025).

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