Verheerende Lebensumstände: PETA erreichte im Dezember vergangenen Jahres eine anonyme Meldung zu einer tierquälerischen Rinderhaltung in einem Betrieb im Landkreis Unterallgäu. Die Aufnahmen zeigen Rinder in Anbindehaltung, die derart abgemagert sind, dass ihre Knochen herausstehen. Viele der Tiere sind stark kotverschmiert. Mit den Hinterbeinen müssen sie auf Kotgittern stehen, beziehungsweise mit dem Hinterleib darauf abliegen. Es steht ihnen lediglich eine dünne Gummimatte als Unterlage auf der Liegefläche zur Verfügung. Auch die Beine einiger Tiere sind in einem katastrophalen Zustand, mit offenen Wunden an den Hufen und geschwollenen Füßen. PETA hatte die Haltung umgehend beim Veterinäramt im Landratsamt Unterallgäu gemeldet und die Antwort erhalten, dass der Fall „bearbeitet wurde“. Am 28. Januar hat die Tierrechtsorganisation gegen die Verantwortlichen des Betriebs Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Memmingen erstattet wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sowie die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.
„Wir rufen die Staatsanwaltschaft Memmingen dazu auf, die Leiden der Kühe ernst zu nehmen, die quälerische Anbindehaltung zu sanktionieren und aufzulösen“, so Julia Weibel, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA. „Rinder dürfen nicht länger in Ställen festgekettet werden, sondern müssen als fühlende Individuen ihr Recht auf Bewegung, körperliche Unversehrtheit und Freiheit in Anspruch nehmen können. Wir fordern außerdem, dass Deutschland auf eine tierfreie Landwirtschaft umsteigt. So kann Milliarden von Tieren ein entbehrungsreiches Leben und der grausame Tod im Schlachthof erspart werden.“
Anbindehaltung erfüllt den Straftatbestand der quälerischen Tiermisshandlung
Rinder in Anbindehaltung erfahren unzumutbares körperliches und psychisches Leid. Die Tiere essen, ruhen, stehen, liegen, koten und urinieren an ein und demselben Platz im Stall und können sich dabei nicht einmal umdrehen. Zwar gilt in Deutschland bislang kein ausdrückliches Verbot dieser Haltungsform, sie verstößt jedoch grundsätzlich gegen § 2 Abs. 1 Tierschutzgesetz (TierSchG). In zahlreichen juristischen Aufsätzen wird thematisiert, dass die Anbindehaltung von Rindern den Tatbestand der quälerischen Tiermisshandlung nach § 17 Nr. 2 lit. b) TierSchG erfüllt, da die Tiere hierdurch in nahezu all ihren natürlichen Verhaltensweisen und Grundbedürfnissen stark eingeschränkt werden. Dies wird auch „erzwungenes Nichtverhalten“ genannt. [1] Die dauernde Fixierung beeinträchtigt das Wohlbefinden der Rinder derart, dass erhebliche Leiden verursacht werden.
Mit Blick auf die katastrophalen Zustände für rund eine Million Rinder in deutschen Ställen haben rund 350 Tierärztinnen und Tierärzte im Vorfeld der diesjährigen Grünen Woche in Berlin ein schnelles und verbindliches Ende der Anbindehaltung von Rindern gefordert. In einem offenen Brief an Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) schildern sie das unzumutbare körperliche und psychische Leid, das die Tiere in dieser Haltungsform ertragen müssen. Außerdem werfen die Unterzeichnenden der Bundesregierung vor, ein bundesweites Verbot der Anbindehaltung zu blockieren.
PETA präsentiert Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft
Die tierhaltende Landwirtschaft tötet jedes Jahr allein in Deutschland rund 750 Milliarden fühlende Lebewesen und gehört zu den ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Wirtschaftszweigen unserer Zeit. [2] Es braucht dringend eine Agrarwende hin zur tierfreien Landwirtschaft, um das Leben künftiger Generationen zu sichern sowie die Folgen der Klimakatastrophe abzumildern. PETA hat aus diesem Grund Ende Mai 2025 einen Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft veröffentlicht und fordert die Politik damit zum Handeln auf. Die Tierrechtsorganisation zeigt anhand konkreter Schritte, wie der Umstieg auf veganen Ökolandbau gelingen kann. Zudem präsentiert der Plan eine Strategie für den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Pflanzliche Nahrungsmittel sparen im Vergleich zu Produkten tierischen Ursprungs zahlreiche Ressourcen ein und können weitaus umweltschonender hergestellt werden. Unterstützung bei der Entwicklung erhielt die Organisation von Martin Müller, dem Gründer der Initiative „landwirtschaft.jetzt“.

Dieses und weitere Bilder können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
