Bei Hönningen: Schuss löst sich beim Entladen, Jäger verletzt Jagdbegleiter – PETA fordert von Bundesminister Dobrindt Verbot der Hobbyjagd

PETA Logo

Wie erst jetzt durch einen Medienbericht bekannt wurde, endete eine Wildschweinjagd Anfang Mai für einen Jagdbegleiter mit einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt. Nach der Jagd befanden sich ein Jäger und sein Jagdbegleiter im Auto, als sich beim Entladen der Jagdwaffe ein Schuss löste. Das Projektil durchschlug die Beifahrertür und die herumfliegenden Metallsplitter verletzten den Jagdbegleiter am Bein. Laut dem Polizeipräsidium Koblenz ist der Vorfall auf eine „unsachgemäße Bedienung der Waffe“ zurückzuführen. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung Ermittlungen gegen den Jäger aufgenommen. PETA weist darauf hin, dass Hobbyjagende jedes Jahr mehrere Dutzend Menschen verletzen oder sogar töten. Zudem fügen sie Hunderttausenden Tieren erhebliches Leid durch Fehlschüsse zu. Angesichts ständiger „Fehlschüsse“ von Jägern auf Unbeteiligte forderte die Tierrechtsorganisation im April Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bereits im Januar in einem Schreiben schriftlich dazu auf, das Waffenrecht zu verschärfen und ein Verbot der Hobbyjagd einzuleiten.

„Wie viele Menschen und Tiere müssen noch sinnlos verletzt werden oder sterben, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird? Jedes Jahr ereignen sich zahlreiche solcher Tragödien, weil schießwütige Spaßjäger verantwortungslos mit tödlichen Waffen hantieren. Um weiteres Leid zu verhindern, ist nun der Gesetzgeber gefragt“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wir fordern zudem die Jagdbehörde des Landkreises Neuwied auf, sicherzustellen, dass dieser Jäger nie wieder eine Waffe in der Hand halten darf.“

Unfälle mit tödlichen Schüssen und Gewalttaten häufen sich

Neben absichtlichen Gewalttaten durch Jäger sorgten in den vergangenen Jahren allein in Deutschland zahlreiche schwere Jagdunfälle für Empörung. Im Januar hat ein 22-Jähriger in Warburg von einem Hochsitz aus seinen 23-jährigen Bekannten auf einem nahegelegenen Nachbarhochsitz tödlich getroffen. Ebenfalls im Januar wurde in Beckeln einer 58-Jährigen von einem Jäger in den Oberschenkel geschossen. Im November 2025 hat der Oberbürgermeister von Brand-Erbisdorf seinen 20-jährigen Begleiter angeschossen, als sich beim Kontrollieren des Ladezustandes ein Schuss aus der Waffe löste. Ende April 2025 wurde ein 69-Jähriger in Haltern am See schwer verletzt, als sich ein Schuss aus der Jagdwaffe seines 56-jährigen Begleiters löste. Im selben Monat erschoss sich ein Jäger in Hagen versehentlich selbst, als sich bei der Beobachtung von Wildschweinen ein Schuss aus seiner Waffe löste. Anfang Januar 2025 wurde ein Jäger auf einem Hochstand bei Ruchow von einer mutmaßlich verirrten Kugel eines Jagdkollegen tödlich getroffen. Im Dezember 2024 wurde eine Frau bei einer Treibjagd in Barßel vor ihrem Wohnhaus durch einen Schuss schwer verletzt. Im August 2024 verletzte ein Jäger seinen Jagdbegleiter in Heubach schwer durch einen Schuss im Kopfbereich

Renommierte Fachleute bestätigen: Jagd ist grausam und überflüssig

Anerkannte Studien belegen, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So findet dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt. [1] Auch englische Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. [2] Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Die Jagd ist unnötig, kontraproduktiv und grausam. Den rund 400.000 Hobbyjagenden in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.
[2] Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report. University of Bristol/University of York. / Baker, P. & Harris, S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK. Springer-Verlag 2005.

Kontakt

Kontakt
Kopieren