Bei einer Kabinettssitzung im November sprach Hubert Aiwanger, Bayerns Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, vom Abschuss von Bibern als Lösung für Probleme von Grundstückseigentümern und Kommunen. Er sagte, die Landratsämter könnten den Biberabschuss genehmigen, und forderte die Jäger auf, „dann auch die Dinge zu entnehmen“. Danach schrieb er auf seinem Facebook-Profil, dass Biber „reduziert“ werden müssten, wenn sie Schaden anrichten, und dass Landratsämter Abschuss und Fang unkompliziert genehmigen könnten. Für diese verachtenden Aussagen über fühlende Lebewesen verleiht PETA Hubert Aiwanger den Negativpreis „Speziesismus des Monats“ im November. Beim speziesistischen Denken wird der Mensch allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
„Fühlende Lebewesen ‚Dinge‘ zu nennen und sie somit zu bloßen Gegenständen zu degradieren, die einfach aus dem Weg geräumt werden können, wenn sie stören, zeugt von großer Skrupellosigkeit“, so Biologin und PETA-Fachreferentin Dr. Yvonne Würz. „Das zunehmende öffentliche Verunglimpfen der Tierart, auch durch Amtsträger, könnte zudem in Zusammenhang mit Fällen von illegalen Bibertötungen stehen. Wir müssen uns bewusst machen, dass nicht Wildtiere in unseren Lebensraum eindringen, sondern wir ihnen immer mehr Platz zum Leben nehmen.“
Der Biber sorgt für Arten- und Strukturvielfalt
Der Biber zählt gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders und streng geschützten Arten. Die Entwicklung der Biberpopulation ist grundsätzlich ein Erfolg für den Artenschutz – nicht nur für die Art selbst, sondern auch für weitere Tierarten. Denn durch die Aktivitäten des Bibers wird die Strukturvielfalt an Gewässern und damit auch die Artenvielfalt sowie die Selbstreinigungskraft von Fließgewässern erhöht. Der Biber arbeitet der nachhaltigen Wasserwirtschaft sogar zu, indem er Gewässer renaturiert. Durch die typischen Staudämme der Tiere wird das Umland bewässert, und andere Tiere wie Frösche oder Lurche können sich ansiedeln. Die Dämme haben gleichzeitig vielerorts eine Hochwasserrückhaltefunktion. „Problematisch“ werden Biberaktivitäten oft nur dann, wenn zum Beispiel natürliche Flussauen stark überformt werden – zum Beispiel für intensive Landnutzung. Daher ist der Schutz von Auen und Flüssen als Lebensadern und Lebensraum auch besonders wichtig.
Möglichkeiten der Vergrämung und Umsiedlungen
Es ist verboten, Biber zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Stattdessen gibt es Möglichkeiten zur Vergrämung. In einigen Bundesländern können mithilfe von Bibermanagement-Programmen gemeinsam mit lokalen Beratern die Biber gegebenenfalls umgesiedelt werden. Anders als von Hubert Aiwanger dargestellt, kann das Töten von Bibern nur in Ausnahmefällen genehmigt werden. Solche Ausnahmegenehmigungen sind aus Sicht von PETA nicht akzeptabel, sondern als Bankrotterklärung von Behörden und Politik anzusehen, die nicht den notwendigen Willen an den Tag gelegt haben, ein friedliches Miteinander von Biber und Mensch durch gezielte tierfreundliche Maßnahmen zu erreichen.
PETAs Negativpreis „Speziesismus des Monats“
PETA zeichnet monatlich Personen, Unternehmen oder Produkte mit dem Negativpreis „Speziesismus des Monats“ aus, die sich als besonders speziesistisch und tierfeindlich gezeigt haben. Nach einem Jahr wird für den skandalösesten Fall unter den bisherigen „Gewinnern“ der Titel „Speziesismus des Jahres“ verliehen, der in einer öffentlichen Abstimmung ermittelt wird. PETA möchte mit dem Preis die Gesellschaft für das Thema Speziesismus sensibilisieren und zum kritischen Reflektieren, Umdenken und tierfreundlichen Handeln anregen. Denn speziesistisches Denken schafft die Grundlage dafür, dass Tiere für menschliche Zwecke wie selbstverständlich benutzt, gequält und getötet werden.
Speziesismus – die Diskriminierung anderer Arten
Speziesismus beschreibt die Abwertung empfindungsfähiger Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So empfinden viele Menschen Hunde und Katzen als Familienmitglieder und lehnen es ab, sie zu halten, auszubeuten und zu töten wie Schweine, Rinder oder Hühner. Speziesismus betrifft aber auch sogenannte Haustiere: Sie werden zur menschlichen Unterhaltung benutzt, oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen (qual-)gezüchtet und wie Ware verkauft. Auch für Tierversuche werden sie missbraucht.

Das Motiv kann hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
