Sanctuary statt Beton: Neue Videoaufnahmen vom Innenbecken im Zoo Nürnberg von März dieses Jahres zeigen zum Teil apathisches und stereotypes Verhalten der Tiere. Einige der Großen Tümmler, die dort in einem Betonbecken leben, schwammen stereotyp im Kreis oder harrten vor einem Schleusenbereich aus. Ein Tier ließ sich kopfüber im Wasser schwebend immer wieder auf‑ und abtreiben („vertical floating“). Solche repetitiven Verhaltensmuster können durch monotone oder stressreiche Umweltbedingungen entstehen. PETA fordert den Direktor des Tiergartens auf, die Zucht, die Haltung und den Tausch von Delfinen endlich einzustellen und für die sieben Großen Tümmler ein betreutes Sanctuary zu suchen, in dem sie ein Leben im Meer statt im Chlor führen können.
„Der Zoo Nürnberg beschreibt seine ‚Delfinlagune‘ als naturnahe Beckenlandschaft. Das ist fast schon zynisch, bedenkt man, dass Delfine in der Natur teils mehr als 100 Kilometer am Tag schwimmen und mehrere Hundert Meter tief tauchen können. Die neuen Aufnahmen machen wieder einmal deutlich, wie sehr die Tiere in ihrem Betongefängnis leiden“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Wassertiere bei PETA. „Wir fordern die Zoodirektion auf, das Delfinarium endlich zu schließen und die Tiere in eine betreute Meeresbucht zu überführen, wie zum Beispiel auf Bali. Moderne, tierfreundliche Alternativen sind VR-Vorführungen und Livestreams über Webcams.“

Die neuen Videoaufnahmen entstanden, kurz bevor die sogenannte Lagune im Tiergarten Nürnberg im April 2026 wieder eröffnet wurde. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt lebten die Delfine bereits seit Ende 2022 unter noch stärker eingeschränkten Bedingungen als ohnehin. Während der jüngsten Sanierungsarbeiten standen ihnen Becken mit einer Grundfläche von nur 900 Quadratmetern (etwa 0,13 Fußballfelder) und mit einer Wassertiefe von nur drei bis vier Metern zur Verfügung. Auch die sogenannte Lagune hat nur die Fläche von etwa 0,25 Fußballfeldern und ist an ihrer tiefsten Stelle sieben Meter tief, was ein Leben im Ozean niemals artgerecht simulieren kann.
Zucht und Haltung von Delfinen bedeuten immer großes Leid
Studien zeigen, dass Delfine in Gefangenschaft gestresst sind und sowohl körperlich als auch seelisch leiden. [1] In den Ozeanen leben die Meeressäuger in komplexen Sozialverbänden und können sich ihre Freunde aussuchen. Sie schwimmen teils mehr als 100 Kilometer am Tag und tauchen so tief sie möchten. Im Delfinarium hingegen können sie nicht in den Wellen spielen, in der Strömung treiben, gemeinsam jagen oder sich ausruhen, wann sie möchten. In ihrem Betonbecken gibt es nichts zu erkunden oder zu entdecken. Um die Enge, Monotonie und den Stress der Gefangenschaft überhaupt ertragen zu können, werden Delfine teils auchmit Psychopharmaka ruhiggestellt. Viele EU-Länder sowie die Schweiz und Großbritannien haben keine Delfinarien mehr. PETA appelliert daher auch an die Bundesregierung, die Haltung von Delfinen endlich zu untersagen.
Tierfreundliche Alternativen
In Bali gibt es das Umah-Lumba-Rehabilitations-, -Auswilderungs- und -Ruhestandszentrum – die weltweit erste permanente Einrichtung zur Rehabilitation, Auswilderung und zum lebenslangen Schutz ehemals in Gefangenschaft gehaltener Delfine. [2] Auch VR-Erlebnisse ermöglichen Begegnungen mit Walen in Virtual Reality – ganz ohne echte Tiere – und Webcams und YouTube-Livestreams die nichtinvasive Beobachtung von Delfinen und Walen.


Diese und weitere Bilder können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
Videomaterial steht hier zur Ansicht und Veröffentlichung zur Verfügung.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
