Düsseldorfer Veterinäramt und Tierheim planen tierschutzwidrige Sterilisationen von Tauben – PETA fordert Unterlassung der wirkungslosen und tierquälerischen Eingriffe und zieht rechtliche Schritte in Betracht

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Düsseldorf / Stuttgart, 25. September 2019 – Im Clara Vahrenholz Tierheim Düsseldorf soll ab Oktober 2019 in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt Düsseldorf die Sterilisation von männlichen Stadttauben vorgenommen werden. Diese Maßnahme ist jedoch tierschutzwidrig und wirkungslos, weil sie für die Tiere vermeidbares Leid bis hin zum möglichen Tod bedeutet. Zudem ist das Geschlecht von Tauben entgegen der Behauptungen der Leiterin des Tierheims [1] nicht mit dem bloßen Auge erkennbar. Daher hat PETA das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen schriftlich dazu aufgefordert, eine dienstliche Weisung an das Veterinäramt Düsseldorf zu erlassen, an dem Projekt nicht länger mitzuwirken. Zudem soll das Landesamt die Maßnahme per Verfügung untersagen. Die Tierrechtsorganisation zieht außerdem rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen in Betracht, sollten die Sterilisierungen tatsächlich durchgeführt werden.
 
„Statt die Tauben vermeidbarem Leiden in Form von Sterilisationsprojekten auszusetzen, sollten die Verantwortlichen besser in bewährte Methoden des Taubenmanagements investieren, wie betreute Taubenschläge nach dem Augsburger Modell“, so Dr. Christian Arleth, Rechtsanwalt bei PETA.
 
Rechtliche Bewertung
Die Sterilisation der männlichen Stadttauben ist nicht erforderlich und aus tierärztlicher Sicht bedenklich. Sie verstößt somit gegen Paragraph 6 Abs. 1 S. 1 Tierschutzgesetz (TierSchG). Mit betreuten Taubenschlägen, dem sogenannten „Augsburger Modell“, existiert eine tierschonendere und effektivere Methode der Populationskontrolle. Es gibt damit bereits wirksame Methoden, die dem Staatsziel Tierschutz aus Art. 20a des Grundgesetzes nicht zuwiderlaufen, sondern es durch die artgerechte Versorgung und die Stressreduzierung durch eine wirksame Populationskontrolle sogar fördern. In zu erwartenden Fällen, in denen zahlreiche kastrierte Tiere oder deren allein gelassene Jungtiere leiden oder sogar den Tod erfahren, würde außerdem eine Strafbarkeit der Beteiligten nach Paragraph 17 Nr. 1, 2 b) TierSchG vorliegen, da den Verantwortlichen die Problematik bekannt ist.
 
Hintergrundinformationen 
Laut einer Zeugin wird eigens für das Sterilisationsprojekt ab Oktober 2019 eine neue Stelle für eine Tierärztin im Tierheim geschaffen. An zehn Tieren wurde das Vorgehen bereits getestet [2]. Dazu wurden sie aus Taubenschlägen, die das Tierheim betreut, entnommen und zur Sterilisation an die Universität Gießen gebracht. Dies geschah unter der Aufsicht eines Amtsveterinärs des Veterinäramts Düsseldorf sowie einer Tierärztin des Tierheims. Dadurch sollten die Tierärzte im Tierheim die riskante Operations-Technik lernen.
 
Großes Tierleid, geringer Nutzen
Männliche Tauben sind nicht mit dem bloßen Auge von den weiblichen zu unterscheiden. Eine sichere Geschlechtsbestimmung ist nur über DNA-Fingerprinting oder invasiv-operativ mittels Endoskopie möglich. In einem Zeitungsartikel behauptet die Geschäftsführerin des Tierheims Düsseldorf, dass die Sterilisations-OP pro Taube nur fünf Euro koste [2]. Laut Auskunft der Vogelklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München ist dieser Kostenrahmen insbesondere vor dem Hintergrund fachlicher und tierschutzrechtlicher zwingender Erfordernisse bei Weitem unrealistisch. Die chirurgische Sterilisation wird von spezialisierten Tierärzten zudem als sehr risikoreich eingestuft, da es sehr leicht zu tödlichem Blutverlust und Schädigungen der Atemwege der Tiere durch die Rauchentwicklung beim Veröden der Blutgefäße mit Laser oder Elektrochirurgie kommen kann. Deshalb besteht die Gefahr, dass manche Tauben den Eingriff nicht überleben und ihre Babys dann verhungern müssen.
 
Für den Erfolg einer tierfreundlichen Taubenpopulationskontrolle hält es PETA für unerlässlich, dass die Maßnahmen der Behörden die Problematik der Wettflüge sowie der „Hochzeitstauben“ miteinbeziehen. Die städtischen Taubenpopulationen werden stetig durch Tiere aus diesen beiden Bereichen und deren Nachkommen vergrößert.
 
PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie in irgendeiner Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 
[1] Westdeutsche Zeitung vom 14.05.2019, „Tierschutzverein und Stadt kastrieren jetzt die Tauben“, Zitat: „Um Männchen und Weibchen zu erkennen, sollen die Tiere zunächst beobachtet werden. Dazu wird ein neues Taubenhaus gebaut. ‚Täuber sind die größten Machos und drängend sich beim Futtern immer vor‘, weiß Monika Piasetzy. Sind die männlichen Tiere ausgemacht, werden sie eingefangen und kastriert. Die Tauben-Damen bleiben unbehelligt.“, abrufbar unter https://www.wz.de/nrw/duesseldorf/tierschutzverein-und-stadt-kastrieren-jetzt-die-tauben-in-duesseldorf_aid-38788679.
[2] BILD-Zeitung vom 14.05.2019, „Tierschützer gegen Stadt – Kastrations-Krach um Tausende Tauben“, https://www.bild.de/regional/duesseldorf/duesseldorf-aktuell/duesseldorf-tierschuetzer-gegen-stadt-kastrations-krach-um-tauben-61895144.bild.html.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Stadttauben

Pressekontakt:
Carolin von Schmude +49 711 860591-528, [email protected]

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