Nachweis kann schwere Unfälle verhindern und ermöglicht Hunden ein tiergerechteres Leben
Laut einem Medienbericht hat ein Hund in Eppingen einen Artgenossen und dessen Halterin attackiert. Eine 71-Jährige sei am Montag in Elsenz mit ihrem Vierbeiner spazieren gewesen, als ein freilaufender Hund auf sie zukam und seinen Artgenossen angriff. Das Tier sei zuvor von Zuhause ausgebüxt. Seine Halterin sei ihm hinterher geeilt, habe ihren Hund aber nicht mehr aufhalten können. Beim Versuch, ihren Vierbeiner zu schützen, sei die 71-Jährige vom angreifenden Tier verletzt worden. Rettungskräfte brachten sie in ein Krankenhaus. Ihr Hund wurde bei dem Angriff getötet. Die Halterin des angreifenden Vierbeiners müsse mit einer Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung rechnen. Angesichts des Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation PETA die Landesregierung in Baden-Württemberg auf, den sogenannten Hundeführerschein einzuführen.
„Solche Situationen entstehen, weil grundlegendes Wissen über Hundeverhalten, Körpersprache und Verantwortung fehlt. Nicht die Hunde sind das Problem, sondern die Unwissenheit der Menschen. Ein Hundeführerschein würde Haltern die Mittel an die Hand geben, um derartige Vorfälle zu vermeiden“, so Jana Hoger, Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA. „Baden-Württemberg hatte die Einführung eines Hundeführerscheins bereits geplant, es aber verpasst, diesen endlich umzusetzen – er hätte dem Vierbeiner das Leben retten können. Egal, ob ein Hund einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Vierbeiner, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt wird, kann für Mensch und Tier gefährlich werden.“
Deutliche Mehrheit für Hundeführerschein
Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.
Niedersachsen und Bremen gehen mit gutem Beispiel voran
Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. [1] Seit 1. Juli 2026 ist auch im Land Bremen der Hundeführerschein vor der Aufnahme eines Hundes verpflichtend. [2] Österreich geht noch einen Schritt weiter: Dort wurde zum 1. Juli 2026 bundesweit ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt. [3] In Berlin sind Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte setzen zusätzlich Anreize: In München gibt es nach bestandenem Hundeführerschein ein Jahr Hundesteuerbefreiung, in Mannheim zwei Jahre.
Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen „Impulskauf“ abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
