An diesem Wochenende sollen in den Kasseler Messehallen beim „36. Internationalen Taubenmarkt“ und der „Deutschen Brieftaubenausstellung“ (DBA) des Verbands Deutscher Brieftaubenzüchter e. V. mehr als 25.000 Tauben „ausgestellt“ werden. PETA kritisiert die Veranstaltung scharf und ruft dazu auf, sie zu meiden. Die Aussteller setzen die Vögel schon während der oftmals langen Transportwege erheblichem Stress aus. In den engen Transportbehältern können sich die sensiblen Fluchttiere kaum bewegen und haben oft keinen Zugang zu Wasser oder Nahrung. Zudem kommen beim sogenannten Brieftaubensport jährlich zahlreiche Tauben bei Wettflügen qualvoll ums Leben. Ihre Leistung steht dabei im Vordergrund, während ihr Wohlbefinden meist keine Rolle spielt. PETA fordert daher ein Verbot der Taubenzucht und der Taubenwettflüge in Deutschland.
„Bei sogenannten Brieftaubenwettflügen werden die treuen Tiere mit ihrem bemerkenswerten Orientierungssinn für ein fragwürdiges ‚Freizeitvergnügen‘ ausgebeutet. Viele sterben dabei an Dehydration, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen“, so Monic Moll, Fachreferentin bei PETA. „In den Ausstellungshallen werden die Tauben zur Unterhaltung und für Profitzwecke in enge Käfige eingesperrt – das ist tierschutzwidrig. Ein Verbot der Brieftaubenzucht und Wettflüge ist längst überfällig.“
Taubenwettflüge widersprechen dem Tierschutzgesetz: Nach § 3 ist es verboten, Tieren Leistungen abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigen. Zudem legt das Gesetz fest, dass Tiere im Training oder bei Wettkämpfen keinen Maßnahmen ausgesetzt werden dürfen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder körperlichen Schäden verbunden sind.
Hohe Verlustraten bei Wettflügen sind belegt
Eine Studie beziffert bei Taubenwettflügen Verlustraten von durchschnittlich 53 Prozent pro Saison. [1] Bleiben die Vögel hinter den Erwartungen zurück und sind für die weitere Zucht ungeeignet, töten Züchter sie oftmals tierschutzwidrig. Dabei ziehen sie am Hals der Tauben oder drehen ihren Kopf um – all das ohne Betäubung.
Wettflüge erhöhen die Taubenpopulation in Städten
In Deutschland nimmt etwa die Hälfte der knapp 50.000 Brieftaubenzüchter an Wettflügen teil. Schätzungsweise 2,5 Millionen sogenannte Brieftauben werden in deutschen Taubenschlägen gehalten. [2] Die städtischen Taubenpopulationen werden stetig mit „gestrandeten“ Tieren aus Wettflügen und deren Nachkommen gespeist. Dort haben die Tiere aufgrund der Konditionierung auf Spezialnahrung und ihrer Domestikation schlechte Überlebenschancen. Die „gestrandeten“ Vögel – deren Fortpflanzungsrate zuchtbedingt hoch ist – sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Sie führen oft ein Leben am Rande des Hungertodes, denn in vielen Städten gibt es Fütterungsverbote. Dabei sind Tauben auf die Fürsorge des Menschen angewiesen. [3]
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
