PETA erreichte Mitte April eine Whistleblower-Meldung zu einer Tierhaltung auf einem Balkon in Kassel. Dort wurden offenbar eine Katze und ein Kaninchen gemeinsam in einem Kleintierkäfig gehalten – ohne Schutz vor Witterungseinflüssen. Eine solche Unterbringung widerspricht den grundlegenden Anforderungen an eine artgerechte Haltung beider Tierarten. Deshalb kontaktierte die Tierrechtsorganisation umgehend das zuständige Veterinäramt der Stadt Kassel und forderte eine Überprüfung sowie ein Tierhalteverbot für die verantwortliche Person. Wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wird PETA zudem Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Kassel erstatten. Auf Nachfrage von PETA wollte die Veterinärbehörde keine Rückmeldung zum aktuellen Stand geben. Ob sich die Tiere weiterhin in der Haltung befinden und wie es ihnen geht, ist daher unklar.
„Eine Katze und ein Kaninchen gemeinsam in einen Kleintierkäfig auf einem Balkon zu sperren, bedeutet für beide Tiere erheblichen Stress und großes psychisches Leid. Für das Kaninchen wird die Nähe zur Katze zur dauerhaften Bedrohung, für die Katze der Käfig zum Gefängnis – das erfüllt nicht einmal annähernd die Anforderungen an eine artgerechte Haltung“, so Lisa Redegeld, Fachreferentin für Whistleblower-Fälle bei PETA. „Wir hoffen sehr, dass das zuständige Veterinäramt bereits eingeschritten ist und beide Tiere aus dieser Situation befreien konnte, damit sie nicht länger diesen unzumutbaren Bedingungen ausgesetzt sind.“
Besonders besorgniserregend ist die gemeinsame Unterbringung der beiden Tierarten auf engstem Raum: Für das Kaninchen stellt die dauerhafte Nähe zu einem potenziellen Beutegreifer eine erhebliche Stress- und Angstbelastung dar, die aus tierschutzfachlicher Sicht als massiv unzumutbar einzustufen ist. Gleichzeitig ist eine derart eingeschränkte Haltung auch für die Katze mit erheblichen Leiden verbunden, da ihr Rückzugs- und Bewegungsmöglichkeiten fehlen.
PETA fordert „Führerschein“ für alle Heimtiere
Ein verpflichtender Sachkundenachweis könnte sicherstellen, dass vor Aufnahme eines Tieres künftige Halterinnen und Halter einen Theoriekurs absolvieren müssen, in dem das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und seine Bedürfnisse erworben wird. Spontankäufe könnten weitgehend unterbunden werden. PETA weist darauf hin, dass die kommerzielle Nachzucht von Tieren zudem die Situation für Tierheimtiere verschärft. In deutschen Haushalten leben bereits rund 4,9 Millionen Kleintiere [1]. Um die Nachfrage nach bestimmten „Rassen“ zu befriedigen, „produzieren“ Züchter jedoch weiterhin reichlich Nachwuchs – dabei werden jährlich allein in Deutschland insgesamt etwa 350.000 Tiere im Tierheim abgegeben oder einfach ausgesetzt. 25 bis 30 Prozent der Tiere bleiben ein Jahr oder länger im Tierheim. PETA appelliert daher an alle Tierfreunde, die Zucht nicht zu unterstützen und stattdessen einem Tier aus dem Tierheim ein Zuhause zu schenken.
Kleine Tiere mit großen Haltungsanforderungen
Kaninchen sind Fluchttiere und haben einen hohen Bewegungsdrang. In Gitterkäfigen können sie ihren natürlichen Bedürfnissen in keiner Weise nachgehen. Die dauerhafte Unterbringung in Käfigen verstößt zudem gegen die Vorgaben für Tierschutz der Tierärztlichen Vereinigung. Diese sehen bei zwei Kaninchen eine Grundfläche von mindestens sechs Quadratmetern vor. Für jedes weitere Tier muss die Fläche um mindestens zwanzig Prozent vergrößert werden. Kaninchen leben in Familiengruppen und finden Rückzug in Bauten und Höhlen. Ihr Tagesrhythmus wird durch enge soziale Beziehungen, gemeinsames Ruhen und Bewegen, soziale Körperpflege sowie viele kleine Mahlzeiten bestimmt. Dies setzt einen großzügig gestalteten Lebensraum sowie Rückzugsorte und ständigen Auslauf voraus. Das Gehege muss groß genug sein, damit die Bewohner frei hoppeln, weit rennen und sich gegebenenfalls auch aus dem Weg gehen können. Kaninchengruppen auf zu engem Raum führen zu großem Tierleid wie Spannungen, aggressiven Auseinandersetzungen, Verhaltensstörungen und Unruhe.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Auf einem Balkon in Kassel wurden eine Katze und ein Kaninchen zusammen in einem Kleintierkäfig entdeckt. / © PETA Deutschland e.V.
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