Kritik am Ponykarussell auf Bad Kreuznacher Jahrmarkt: PETA appelliert an Oberbürgermeister Emanuel Letz, Tierqual-„Attraktion“ künftig nicht zuzulassen

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Bad Kreuznach / Stuttgart, 21. August 2023 – Kritik an Ponyschinderei: Auf dem Bad Kreuznacher Jahrmarkt, der seit dem Wochenende bis Dienstag andauert, gibt es erneut ein sogenanntes Ponykarussell. Mehrere Besucher wandten sich daraufhin an PETA. Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass die Pferde massiv unter der Veranstaltung leiden. Die Wirbelsäulen und Beine der Pferde sind nicht für stundenlanges Im-Kreis-Laufen ausgelegt. Die ständige monotone Bewegung stellt zudem eine große seelische Belastung dar. Außerdem bedeutet die Lautstärkekulisse auf solchen Veranstaltungen für die sensiblen Fluchttiere zusätzlichen Stress, da sie ein viel empfindlicheres Gehör als Menschen haben. PETA appellierte heute in einem Schreiben an Oberbürgermeister Emanuel Letz, dem Vorbild anderer deutscher Städte zu folgen und sogenannte Ponykarussells künftig nicht mehr auf städtischem Gelände zuzulassen.

„Ponys sind fühlende Lebewesen und keine Maschinen, die man für ein kurzes Kindervergnügen stundenlang im Kreis laufen lässt“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wir appellieren an Oberbürgermeister Letz, die Pferde künftig zu schützen und den Besuchern den traurigen Anblick leidender Pferde zu ersparen.“

Viele Städte gehen mit gutem Beispiel voran. So haben etwa Politikerinnen und Politiker oder Veranstalter in München, Mannheim, Hochheim, Düsseldorf, Mainz, Konstanz, Duisburg, Coburg, Dachau und Zwickau beschlossen, künftig keine „Ponykarussells“ mehr auf Veranstaltungen zuzulassen.

Die Bevölkerung betrachtet „Ponykarussells“ ebenfalls kritisch: Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2015 ergab, dass rund zwei Drittel der Deutschen den Einsatz der Tiere für diese „Karussells“ als nicht tiergerecht empfinden. Nur 13 Prozent glauben, die Ansprüche der Pferde würden ausreichend erfüllt. Während 19 Prozent aller Befragten der Ansicht sind, dass das Ponyreiten auf Jahr- und Weihnachtsmärkten weiterhin zugelassen werden sollte, spricht sich eine deutliche Mehrheit von rund 59 Prozent für ein Verbot aus [1].

Experten üben deutliche Kritik an Ponykarussells
Immer mehr Fachleute sprechen sich gegen „Ponykarussells“ aus. Amtstierärztin Dr. Sabine Beckmann vom Kreisveterinäramt Gütersloh sagte bereits 2010 in einem Interview: „Die derzeitige Praxis, die Ponys stundenlang in dieselbe Richtung trotten zu lassen, ist als absolut verhaltenswidrig einzustufen. Die Tiere leiden physisch und psychisch“ [2]. Der bekannte österreichische Tierarzt Dr. Hans Christ warnt ebenfalls vor gesundheitsschädlichen Auswirkungen: „Durch die fortgesetzte einseitige Kreisbewegung kommt es unweigerlich, ungeachtet etwaiger Erholungspausen, im Laufe der Zeit zu Schäden im Bewegungsapparat […]. Die Stereotypie des Tätigkeitsmusters und die damit verbundene Reizarmut stellt für die Tiere eine zusätzliche, psychische Belastung dar“ [3]. Auch das Positionspapier der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz ist eindeutig – insbesondere im Hinblick auf die erzieherische Wirkung sogenannter Ponykarussells: „Hervorgehoben werden muss zudem, dass den Kindern durch das stupide Im-Kreis-Laufen der Ponys ein Bild vom Pferd vermittelt wird, das aus der Sicht des ethischen Tierschutzes heute nicht mehr zeitgemäß ist“ [4].

Pferde sind sehr sensible Lauftiere, die in einer Herde leben möchten. Sie benötigen neben ausreichend Auslauf – vorzugsweise in einer Aktiv- oder Offenstallhaltung – auch gutes Futter und stets frisches Wasser, Pflege und medizinische Versorgung. Sind diese essenziellen Haltungsvoraussetzungen nicht oder nur unzureichend gegeben, fristen die Tiere ein Dasein voller Leid, das auf Dauer zu lebensgefährlichen körperlichen Beeinträchtigungen führen kann.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

[1] GfK-Umfrage „Ponykarusselle“ (2015). Online abrufbar unter:  https://www.peta.de/wp-content/uploads/2020/11/GfK-Umfrage-Ponykarussel-08.2015.pdf. (21.08.2023).
[2] Osterkamp, L. (2010): Nicht immer rechts herum. Kreis will den Kirmesponys helfen. In: Neue Westfälische. Online abrufbar unter: www.nw-news.de/owl/kreis_guetersloh/guetersloh/guetersloh/?em_cnt=3982214. (21.08.2023).
[3] Österreichischer Tierschutzverein (2013): Ponykarussell: Tierarzt bestätigt Kritik des Österreichischen Tierschutzvereins. Online abrufbar unter: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130808_OTS0145/ponykarussell-im-prater (21.08.2023).
[4] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2008): Beurteilung von Ponyreitbahnen unter Tierschutzgesichtspunkten. Online abrufbar unter: http://www.tierschutz-tvt.de/index.php?id=50&no_cache=1&download=TVT-MB_116_Ponyreitbahnen__2008_.pdf&did=82. (21.08.2023).

Auf dem Jahrmarkt in Bad Kreuznach werden Ponys gezwungen, Runde um Runde in einem „Ponykarussell“ zu laufen / © PETA Deutschland e.V.

Das druckfähige Foto vom Ponykarussell in Bad Kreuznach steht hier zum Download zur Verfügung und kann für die Berichterstattung verwendet werden.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Themen/Ponykarussell

Pressekontakt:
Jonas Meyerhof, +49 711 860591-523, [email protected]

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