Im März haben gleich mehrere Walstrandungen die große Gefahr von Stellnetzen in der Ostsee verdeutlicht. Anfang des Monats wurde in der Wismarer Bucht laut MedienberichtMedienbericht ein etwa zwölf Meter langer Finnwal mit Resten eines Netzes entdeckt. Einsatzkräfte konnten einen Großteil davon entfernen und das Tier aus dem Hafenbecken leiten. Auch der Buckelwal, der MedienberichtenMedienberichten zufolge Ende März zunächst auf einer Sandbank vor Niendorf entdeckt wurde und am Samstag erneut in der Wismarer Bucht strandete, hatte Reste eines Stellnetzes an seinem Körper. Weiteren Medienberichten zufolge wird mittlerweile davon ausgegangen, dass es sich um dasselbe Tier handeln könnte. In einem offenen Brief forderte PETA heute Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Ministerpräsident Daniel Günther auf, sämtliche Stellnetze in der Ostsee dauerhaft abzubauen und stattdessen echte Meeresschutzgebiete auszuweisen, in denen jeglicher Fischfang und folglich alle Netze verboten sind.
„Mit ihren zahlreichen Stellnetzen ist die Ostsee keine Heimat, sondern eine tödliche Falle für Wale, Delfine, Fische und zahlreiche andere Meerestiere, die sich in diesen verheddern und sich verletzen oder qualvoll sterben. Dabei sollte die Ostsee ein sicheres und sauberes Zuhause für alle Meerestiere sein. Wir brauchen hier ein Verbot und den Abbau tödlicher Netzfallen und stattdessen echte Meeresschutzgebiete“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin sowie Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA.
Stell- und Geisternetze: unsichtbare Gefahr für Meeresbewohner
Stellnetze sind für Wale, Delfine, Seevögel und viele andere Meerestiere unter Wasser kaum zu erkennen. Verheddern sich die Tiere darin, kommt es häufig zu schweren, oftmals tödlichen Verletzungen, Tiere ertrinken qualvoll oder leiden unter Panik und Atemnot. Hinzu kommt das wachsende Problem der Geisternetze – verlorene oder entsorgte Netze, die unkontrolliert weiterfischen. Sie töten über Monate oder Jahre hinweg Meerestiere, zerstören Lebensräume und tragen erheblich zur Verschmutzung der Meere bei.
Zwei Prozent der Fischereigeräte werden jedes Jahr zurückgelassen oder gehen verloren
In einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2022 wurde evaluiert, dass jedes Jahr zwei Prozent der Fischfanggeräte verloren gehen oder zurückgelassen werden. In Zahlen bedeutet dies 78.230 Quadratkilometer Fischereinetze, 739.583 Kilometer Langleinen – diese könnten 18-mal die Erde umrunden –, sowie 25 Millionen Reusen und Fallen und fast 14 Milliarden Langleinenhaken. [1] Auch eine Studie aus dem Jahr 2021 hat berechnet, dass jährlich zwischen rund 500.000 Tonnen und knapp einer Million Tonnen an Fischereinetzen in den Ozeanen landen. [2] Hinzu kommen Milliarden Meerestiere, die als unerwünschter „Beifang“ in den Netzen landen und sterbend oder tot wieder über Bord geworfen werden.
Die Tierrechtsorganisation weist zudem darauf hin, dass jeder Mensch aktiv Wale schützen kann, indem er Fische und Meerestiere von seinem Teller streicht und so dazu beiträgt, dass weniger Netze in den Ozeanen sind.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
