„Melody’s Circusland“ ab Samstag in Düren: PETA kritisiert Tigerdressur und fordert Zuchtstopp und Wildtierverbot von Bundesregierung

Tiger in kargem Käfig

„Melody’s Circusland“ (ehemals „Melody’s Streichelzoo”), das unter anderem Tiger zum Auftritt zwingt und Kamelreiten anbietet, gastiert ab Samstag in Düren. PETA kritisiert die gewaltvolle Dressur und den verantwortungslosen Umgang mit den Großkatzen. Wie ein Auskunftsersuchen beim Landkreis Kleve hervorbrachte, züchtete Tigerdompteur Robano Kübler in seinem Kerkener Zirkusbetrieb zwischen 2018 und Ende 2024 insgesamt 14 Tiger, von denen 12 überlebten. Zehn dieser Tiere wurden zwischen 2020 und 2023 abgegeben oder verkauft – darunter ein Tier nach Sachsen und vier nach Polen in Privathaltungen. Zwei der Tiger gelangten in nicht näher spezifizierte „gewerbliche“ Haltungen – wie etwa Zoos, Zirkusse oder Tierhändler in Sachsen-Anhalt und Belgien. Bei drei weiteren Tieren ist der Empfänger laut Behörde unbekannt. Schon die Tigerbabys wurden wiederholt für Fotoshootings und Veranstaltungen wie Tigerstreicheln missbraucht. [1, 2] Die Tierrechtsorganisation übt zudem scharfe Kritik an den Versäumnissen der Bundespolitik, wodurch es Zirkussen weiterhin erlaubt ist, Wildtiere zu züchten, mit ihnen zu handeln und sie zur Schau zu stellen.

„Dass ein Zirkus mit Tigern durch deutsche Städte tourt, ist kein harmloses Familienvergnügen. Bei Melody’s Circusland werden schon Tigerbabys für Fotoshootings und andere Veranstaltungen missbraucht und anschließend verkauft”, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Kommunen und Bundespolitik dürfen nicht länger tatenlos zusehen. Es braucht dringend einen Zuchtstopp und ein gesetzliches Verbot von Tierdressuren im Zirkus. Darüber hinaus bitten wir alle Menschen, das Tierleid nicht durch einen Besuch des Gastspiels in Düren zu unterstützen.”

Missbrauch schutzbedürftiger Tigerbabys bei Dompteur Kübler

Robano Kübler zog bereits mehrfach Tigerkinder mit der Flasche auf und gab teilweise an, sie seien von der Mutter verstoßen worden. [1] Außerdem ist er bekannt dafür, private Fotoshootings und „Interaktionen“ anzubieten – sowohl mit erwachsenen Tieren als auch mit nur wenige Wochen oder Monate alten Tigerbabys. [1,2] Er hat zudem Tiger für Videodrehs zur Verfügung gestellt. Derartige „Attraktionen“ sind nach PETAs Einschätzung nicht nur aus Tierschutzsicht verwerflich, sondern auch gefährlich für alle Beteiligten. Im April 2023 musste „Melody’s Streichelzoo“ ein Gastspiel unterbrechen. Die Zirkusbetreiber hatten gegenüber der Stadt Neuss verschwiegen, dass auch Wildtiere zu ihrem „Veranstaltungsangebot“ gehören. [3] „Melody’s Streichelzoo“ veröffentlicht seine Inhalte inzwischen unter dem Namen „Melody’s Circusland“.

Großkatzen leiden in Zirkussen

Um die Dressur zu vereinfachen, werden in Zirkusbetrieben geborene Tiger oft schon als Babys von der Mutter getrennt und per Handaufzucht auf den Menschen fehlgeprägt. Auffällig häufig behaupten Zirkusse, die Jungtiere seien von der Mutter verstoßen worden oder sie habe zu wenig Milch gehabt. Doch selbst wenn die Tigermütter ihren Nachwuchs tatsächlich ablehnen würden, wäre dies ein deutliches Anzeichen für eine nicht tiergerechte Haltung und eine haltungsbedingte Verhaltensstörung. [4]

Qualzucht von weißen Großkatzen

Unter den Tigern in „Melody’s Circusland“ befinden sich auch Tiere mit weißer Fellfarbe, die in der Branche als besonders „attraktiv“ gelten und daher zu hohen Preisen gehandelt werden. Weiße Tiger sind jedoch keine eigene Art. Die Zucht weißer Großkatzen in Gefangenschaft wird auf die gezielte Verpaarung von nur wenigen, teils verwandten Tieren zurückgeführt. Als Resultat der extremen Inzucht weisen die Nachkommen häufig schwere genetische Defekte auf. Daher verurteilen auch die Zoodachverbände in Europa (EAZA) [5], den USA (AZA) [6] und Australasien (ZAAA) [7] die Nachzucht weißer Großkatzen.

Tiger in kargem Käfig

Dieses und weitere Motive stehen Ihnen für die redaktionelle Berichterstattung hier zum Download zur Verfügung.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Rhein-Neckar-Zeitung: Diesen jungen Tiger darf nicht jeder streicheln. Online abrufbar unter: https://www.rnz.de/region_artikel,-leimen-diesen-jungen-tiger-darf-nicht-jeder-streicheln-_arid,422300.html. (06.05.2026).
[2] Klatt, Michael (2024): Nieukerker Tigerbabys brauchen Namen. Online abrufbar unter: https://rp-online.de/nrw/staedte/geldern/in-nieukerk-sind-im-zirkus-von-romano-kuebler-zwei-tiger-geboren-worden_aid-52436903. (06.05.2026)
[3] Karstedt, Jörn (2024): Riesen-Ärger im Kinderparadies. Online abrufbar unter: https://www.bild.de/regional/duesseldorf/duesseldorf-aktuell/neuss-stadt-will-streichelzoo-melodys-kinderparadies-vertreiben-83723722.bild.htm. (06.05.2026).
[4] Hirt/Maisack/Moritz, TierSchG, 3. Auflage, 2016, § 2, Rn. 30.
[5] European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) (26.04.2013): EAZA Position on Intentional Breeding for the Expression of Rare Recessive Alleles.
[6] Association of Zoos & Aquariums (AZA) (Juni 2011): Welfare and Conservation Implications of Intentional Breeding for the Expression of Rare Recessive Alleles. Online abrufbar unter: https://www.aza.org/assets/2332/aza_white_paper_inbreeding_for_rare_alleles_18_jan_2012.pdf. (06.05.2026).
[7] Zoo and Aquarium Association Australasia (ZAA), Position Statement: Standing of White (Leucistic and Albinistic) Lions and Tigers in the Association’s Species Management Programs.

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