Möwen sterben nach Stromschlägen am Kieler Hauptbahnhof: PETA erstattet Strafanzeige gegen Verantwortliche

Nach Angaben einer örtlichen Taubenhilfe seien am 19. und 20. Juli zwei Silbermöwen am Hauptbahnhof in Kiel gestorben, nachdem sie sich in einer stromführenden Tauben- und Möwenabwehranlage verfangen hätten. Aufgrund der Stromschläge hätten sie heftig gezuckt. Zeugen zufolge sei der Stromfluss durch den Körper deutlich zu hören gewesen. Die Abwehranlage kombiniert stromführende Drähte mit sogenannten Spikes. PETA hat am 27. Juli Strafanzeige gegen die Verantwortlichen erstattet.

„Die beiden Möwen haben um ihr Leben gekämpft und verloren. Solange tödliche Abwehrmaßnahmen zum Einsatz kommen, werden weiterhin Tiere qualvoll sterben. Das ist nicht hinnehmbar und muss juristische Konsequenzen haben“, so Lisa Kainz, Fachreferentin bei PETA. „Ganz gleich, ob Möwen oder Tauben: Jedes Tier hat ein Recht auf Schutz.“

Am Kieler Hauptbahnhof haben sich zwei Silbermöwen in einer stromführenden Tauben- und Möwenabwehranlage verfangen. / © PETA Deutschland e.V.

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Möwen konnten nicht mehr gerettet werden

Laut Zeugenberichten hing am Sonntag, dem 19. Juli, eine ausgewachsene Silbermöwe in den stromführenden Drähten fest. Über längere Zeit sei lautstark zu hören gewesen, wie der Strom im Sekundentakt durch das Tier floss. Daraufhin wurde die Bundespolizei alarmiert. Der Vogel habe befreit werden können, sei aber kurz darauf gestorben. Am Montag, dem 20. Juli 2026, habe sich eine weitere Silbermöwe in den Stromdrähten verfangen, immer wieder unter Strom gezuckt und sich beim panischen Befreiungsversuch zusätzlich in den Spikes verheddert. Nachdem erneut die Bundespolizei informiert worden sei, sei die Feuerwehr eingetroffen und habe die Möwe befreien können. Sie sei kurze Zeit später ebenfalls gestorben.

Der Meldung zufolge schaltete die örtliche Taubenhilfe umgehend die Untere Naturschutzbehörde ein, welche noch am selben Tag vor Ort war. In deren Beisein haben die Verantwortlichen den Strom der Anlagen abschalten müssen.

Verletzungsgefahr durch Abwehrmaßnahmen

In vielen Bahnhöfen und anderen Gebäuden werden scharfkantige und spitze Metallstäbe, sogenannte Spikes, zur Vergrämung von Tauben und anderen Vögeln eingesetzt. Da vor allem Tauben nur an bestimmten Stellen brüten und standorttreu sind, verletzen sie sich oft schwer an den bewusst dort aufgestellten Metallstäben. Teils bauen sie aus der Not heraus ihre Nester mitten in die Abwehrsysteme. Auch schlecht angebrachte Netze oder stromführende Drähte können zu Todesfallen für die Tiere werden. Statt die Ursachen für das stetige Ankommen von Tauben in den Städten zu beheben, werden die hilfsbedürftigen Vögel an andere Orte vertrieben. Teilweise wird die städtische Population auch durch verirrte Tiere aus Taubenwettflügen oder sogenannten Auflässen bei Hochzeiten oder Stadtfesten erweitert. Zudem haben die Tiere einen von uns Menschen angezüchteten Brutzwang und damit einhergehend eine hohe Fortpflanzungsrate.

Mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen ließe sich die Zahl der sogenannten Stadttauben dauerhaft und tierschutzgerecht verringern. Dazu zählen beispielsweise das regelmäßige Austauschen von Eiern und betreute Taubenschläge. Dort können die Tiere artgerechte Nahrung bekommen, während sich Kot und Eier kontrolliert entfernen lassen. An ehemaligen Brutstätten, wo Eiertausch nicht möglich ist, können Plexiglas oder feste Gitter angebracht werden, um die Rückkehr der Vögel zu verhindern.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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