Todesfalle Aquarium: In der Rummelsburger Bucht soll 2026 ein Meeresaquarium namens „Ocean Berlin“ als „hochmoderner Meerespark“ eröffnen, um Korallen und tropische Meeresfische zur Schau zu stellen. Franziska Czurratis, bekannt als Sängerin, Gitarristin und Model mit dem Künstlernamen Jenice, hat Mitte Februar gemeinsam mit PETA in einem Brief an die Geschäftsführung von „Ocean Berlin“ appelliert, vom Besatz mit lebenden Fischen abzusehen und stattdessen auf Webcams oder Virtual Reality zu setzen.
„Für Aquarien werden die Meere geplündert und unzählige Meerestiere sterben schon beim Fang oder Transport. Und egal wie groß und modern die Becken auch sein mögen, sie können den Tieren niemals ihr Zuhause, das Korallenriff, ersetzen“, so Jenice gegenüber der Ozean Berlin (CWB) GmbH. „Das ‚Ocean Berlin‘ könnte stattdessen Webcams einsetzen, die das Leben von freien Korallenfischen live aus dem Ozean übertragen. Auch Virtual Reality und lebensgroße Projektionen von Walen, Haien und Meeresschildkröten wären zeitgemäßer und tierfreundlicher als ein Aquarium.“
Unter ihrem bürgerlichen Namen Franziska Czurratis war Jenice lange als Model und Moderatorin erfolgreich. Im Jahr 2013 wurde sie bei einer Umfrage zu Deutschlands schönstem Model gewählt. Seit 2017 steht sie als Sängerin auf der Bühne, schreibt und komponiert eigene Songs und begleitet sich dabei oft selbst auf der E-Gitarre. Neben der Musik sind Tiere ihr Herzensthema, und so setzt sie sich, so oft es geht, für sie ein und gibt ihnen eine Stimme.
Hunderte Fische in Schwester-Aquarium gestorben
Laut einem im Dezember 2024 veröffentlichten Dokument waren im Schwester-Aquarium vom „Ocean Berlin“ in Maui auf Hawaii 548 aller 802 gesammelten Korallenfische (68 Prozent) in einem Jahr (2021–2022) gestorben. [1][2] Von mehreren Arten starben innerhalb weniger Wochen 100 Prozent aller Tiere. [2] PETA hatte sich im Dezember 2024 mit den Zahlen direkt an die Firma Ozean Berlin (CWB) GmbH gewandt und um Stellungnahme gebeten. In einem Antwortschreiben wurde bestätigt, dass auch der Einsatz von Wildfängen geplant ist.
Aquarien führen zu Plünderung der Ozeane
Der Bau von Aquarien wie „Ocean Berlin“ treibt die Zerstörung von Korallenriffen voran. Von den marinen Zierfischen in europäischen Großaquarien sind 99 Prozent Wildfänge. [3] Fang und Transport dieser Meeresbewohner führen zu zahlreichen Todesfällen. Bis zu 80 Prozent der im Riff gefangenen Korallenfische sterben, noch bevor sie im Aquarium eintreffen. [4] Hinzu kommen technische Probleme in Aquarien, Unverträglichkeiten und die rasche Ausbreitung von Krankheitserregern in einem geschlossenen System. Tote Tiere werden – von den Besuchern meist unbemerkt – umgehend ersetzt. Daher trägt jeder Neubau eines Aquariums massiv zur Plünderung der Ozeane bei.
Kein Beleg für Wissensvermittlung über einzelne Tierarten
Aquarien sind ein Auslaufmodell. Das zeigt auch die Abstimmung gegen das Basler Großprojekt Ozeanium im Jahr 2019, das durch die Basler Bevölkerung in einem Referendum abgelehnt wurde. Besucher und vor allem auch Kinder lernen durch die Zurschaustellung von Tieren in Gefangenschaft nichts über das natürliche Verhalten dieser Tiere oder über Meeres- und Naturschutz. Was ihnen vermittelt wird, ist, dass es scheinbar natürlich ist, Lebewesen ihrer Heimat zu entreißen und zur menschlichen Unterhaltung einzusperren. Denn eine artgerechte Haltung ist in einem Aquarium nicht möglich: Viele Meeresbewohner legen im Ozean weite Distanzen zurück, tauchen tief, leben in Symbiosen, gehen sich aus dem Weg oder leben im Schwarm. In Gefangenschaft entwickeln sie hingegen oft Verhaltensstörungen, Depressionen und Aggressionen. Einer wissenschaftlichen Studie zufolge gibt es keinen Beleg dafür, dass Zoos und Aquarien den Besuchern Wissen über die einzelnen Tierarten vermitteln oder ihr Interesse am Thema Artenschutz wecken.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So werden beispielsweise Schweine, Rinder und Hühner gequält und getötet, Hunde und Katzen hingegen liebevoll umsorgt.