Neue Tradition gründet auf Tierleid: Junges Kalb beim ersten Remsecker Viehscheid deutlich gestresst – PETA: „Volksbelustigung ist kein vernünftiger Grund“

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Tiere für Volksbelustigung ausgebeutet: Beim ersten „Remsecker Viehscheid“ am Samstag in Neckarrems führten die Veranstaltenden die Kuh Josefine und ein wenige Wochen altes Kalb inmitten der am Umzug teilnehmenden Vereine bei lauter Musik durch die Menschenmenge. Bereits im Vorfeld hatte PETA an die Veranstaltenden sowie das Veterinäramt Ludwigsburg appelliert, den Umzug ohne Tiere durchzuführen. Daraufhin wurde der Tierrechtsorganisation ein Tierschutzkonzept übersandt, das bei deutlichen Anzeichen von Stress eine Unterbrechung vorsah. Videoaufnahmen von der Veranstaltung zeigen vor allem bei dem Tierkind wiederholtes Zurückweichen und starke Unruhe. Dennoch wurde das Kalb weiter durch die Straßen geführt.

„Rinder zur Volksbelustigung starkem Stress auszusetzen, ist rückständig und gehört nicht ins 21. Jahrhundert. Die bloße Unterhaltung von Zuschauenden und Teilnehmenden ist aus unserer Sicht kein ‚vernünftiger Grund‘ im Sinne des Tierschutzgesetzes, Tieren derartige Belastungen zuzumuten“, so Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und PETAs Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. „Wir appellieren an das Veterinäramt Ludwigsburg, diese Veranstaltungsform künftig nicht mehr zu genehmigen. Stattdessen können die teilnehmenden Vereine  dem ‚Viehscheid‘ mit kreativen Ideen ihren eigenen Stempel aufdrücken – ganz ohne echte Tiere, die nicht als lebende Attraktion durch Menschenmengen geführt werden wollen.“

Insbesondere das Kalb zeigte auf dem ersten „Remsecker Viehscheid“ deutliche Anzeichen von Stress. / © PETA Deutschland e.V.

Diese und weitere Bilder können hier heruntergeladen werden.

Tierschutzkonzept sah Abbruch bei Stressanzeichen vor


Das PETA übersandte Tierschutzkonzept war nach Angaben der Veranstaltenden hinsichtlich der tierschutzrechtlichen Anforderungen mit der zuständigen Veterinärbehörde abgestimmt worden. Festgehalten wurde dort, dass die Veranstaltung unverzüglich unter- oder abgebrochen werden solle, wenn die Tiere Verhaltensweisen wie „wiederholtes starkes Zurückweichen“ oder „anhaltende Unruhe“ zeigen. Videomaterial von dem Umzug zeigt genau diese Verhaltensweisen – vor allem bei dem erst wenige Wochen alten Kalb. Laut Konzept hätte das Kalb aus der Veranstaltung entfernt werden müssen, was jedoch nicht erfolgte. Der Straßenumzug dauerte etwa 30 bis 40 Minuten. Die Tierrechtsorganisation hat die Aufnahmen dem Veterinäramt Ludwigsburg übermittelt und fordert die Behörde auf, das Mitführen von Kühen und Kälbern bei künftigen Veranstaltungen zu untersagen.

Laut der Person, die Josefine durch die Menge führte, sei die Kuh nicht die Mutter des Kalbes. Josefins Kind sei bereits mehrere Monate alt. Die Veranstaltenden hätten aber ein besonders junges Tierkind auf dem Umzug mitführen wollen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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