Vorsicht: Fotos enthalten Tierleid und blutige Darstellungen
Sprechverbot für Tierschützer? Nicht die Bilder sind das Problem, sondern die Realität. Der Tangstedter Milchbetrieb Lütte Lohe hat seinen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Unterlassungsverfügung am Landgericht Kiel gegen PETA zurückgezogen. Die Tierschutzorganisation hatte im Juni über den Betrieb berichtet und Bildmaterial eines Whistleblowers veröffentlicht. Es zeigt unter anderem tote Kälber hinter einer Scheune auf dem Hof liegend. In dem Antrag behauptete der Betreiber mitunter, dass man davon ausgehen müsse, dass die Bilder gefälscht seien oder aus einem anderen Betrieb stammten. Das Ziel war es, gerichtlich zu erwirken, dass die Organisation veröffentlichte Beiträge zum Thema entfernt. PETA kann die Zustände in dem Milchbetrieb daher nun auch ohne die erwartete gerichtliche Ablehnung des Antrags weiterhin öffentlich zeigen. Die Organisation setzt sich für eine tierfreie Landwirtschaft ein und fordert den Ausstieg aus der Tierhaltung.
„Immer wieder versuchen Betriebe gerichtlich zu erwirken, dass über die Zustände aus ihrer Tierhaltung nicht mehr berichtet werden darf. Stattdessen wäre es angebracht, das dortige Leid zu beenden und tierfrei zu wirtschaften“, so Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und Fachreferentin bei PETA Deutschland. „Denn es darf nicht Normalität sein, tote Kälber hinter einer Scheune verwesen zu lassen oder Kühe im Melkstand zu misshandeln. Wer legales und illegales Leid in der Landwirtschaft nicht unterstützen möchte, lebt vegan.“
Eine Whistleblower-Meldung mit Fotos weist PETA Ende April auf eine hohe Sterblichkeitsrate, Misshandlung, Vernachlässigung und unhygienische Zustände im Milchbetrieb Lütte Lohe in Tangstedt hin. Tote Kälber sollen teils länger als eine Woche hinter dem Stall abgelegt und nur mit einer Plane bedeckt worden sein. Dies könnte einen Verstoß gegen das Seuchenschutzgesetz darstellen. Dem Whistleblower-Hinweis zufolge würden die Rinder im Betrieb getreten und geschlagen. Auch verschimmeltes Stroh, auf dem die Kälber liegen müssten, sei auffällig gewesen. PETA informierte das zuständige Veterinäramt im Kreis Stormarn. Auf Nachfrage teilte dieses lediglich mit, dass der Betrieb kontrolliert wurde. Im Laufe des Gerichtsverfahrens hieß es in einem Vermerk des Veterinäramts, dass sich die gemeldeten Verstöße im Rahmen der Kontrolle nicht bestätigt hätten. Den als Zeugen benannten Hinweisgeber hatte es jedoch nicht kontaktiert. Auch der Betriebsinhaber wurde von PETA zu den Vorwürfen angeschrieben. Dort gab man an, man gehe von einer Verwechslung des Hofes aus.
Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass es für Rinder über sechs Monate noch immer keine spezifischen Haltungsanforderungen gibt und viele Betriebe sich nicht einmal an die gesetzlichen Mindeststandards wie etwa saubere Liegeflächen oder medizinische Versorgung halten. Dabei brauchen Rinder so viel mehr für ein artgerechtes Leben, zum Beispiel große Weideflächen und einen festen Herdenverband.
Massives Tierleid mit System: Tierquälerei als Alltag der Tierwirtschaft
Immer wieder werden Aufnahmen von vernachlässigten Tieren oder anderen Misshandlungen in landwirtschaftlichen Betrieben veröffentlicht. Kälbern werden, bevor sie im Schlachthaus sterben, oftmals die Hörner ausgebrannt, Ferkeln die Ringelschwänze abgeschnitten und Puten die empfindlichen Schnäbel gekürzt, um sie den artfremden Haltungsbedingungen anzupassen. Ganz gleich ob „bio“ oder konventionelle Haltung: 100 Prozent der Tiere werden getötet oder sterben in den Betrieben, lange bevor sie ihre mögliche Lebenserwartung erreichen.
PETA präsentiert Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft
Die tierhaltende Landwirtschaft gehört zu den ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Wirtschaftszweigen unserer Zeit. Wir benötigen dringend eine Agrarwende hin zur tierfreien Landwirtschaft, um das Leben künftiger Generationen zu sichern. PETA hat aus diesem Grund Ende Mai 2025 einen Strategieplan für den Ausstieg aus der Tierwirtschaft veröffentlicht und fordert die Politik damit zum Handeln auf.

Dieses und weitere Bilder können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
