PETA erstattet Strafanzeige gegen sämtliche Teilnehmende der Schafschurmeisterschaften in Trochtelfingen und fordert umgehendes Verbot der Tierqualveranstaltung

Tiere sind keine Sportgeräte: PETA hat nach den Schafschurmeisterschaften in Trochtelfingen Strafanzeige gegen sämtliche Teilnehmende bei der Staatsanwaltschaft Tübingen erstattet. Laut einer Whistleblower-Meldung seien die Tiere bei dem Spektakel lauter Musik, vielen Menschen und Lärm durch Applaus ausgesetzt gewesen, was für sie unnötige Angst und zusätzlichen Stress bedeutet habe. PETA appelliert an die Staatsanwaltschaft, die Tierquälerei konsequent zu ahnden, und fordert ein Verbot weiterer Schurwettbewerbe.

„Schafe sind sensible Fluchttiere. Bereits ohne johlendes Publikum und laute Musik ist die Schur und die damit verbundene gewaltsame Fixierung für Schafe messbar mit stark erhöhtem Stress verbunden“, so Björn Thun, Fachreferent für Tiere in der Bekleidungsindustrie bei PETA. „Das Scheren unter Zeitdruck und Wettbewerbsbedingungen erhöht zudem die Gefahr für schmerzhafte und blutende Schnittwunden. Wir fordern daher das lange überfällige Ende grausamer Schurwettbewerbe.“

Die Veranstaltung wurde vom Verein Deutscher Schafscherer e. V. am 30. und 31. Mai auf dem Privatgelände des Trochtelfinger Pferdevereins ausgerichtet. 26 Menschen traten beim Wettbewerb an. Zuvor sollen die Tiere laut der Meldung teils ohne Unterstand in der prallen Sonne gestanden haben, obwohl die Temperatur im Laufe des Tages bei rund 28 Grad lag. Während des Wettbewerbs seien viele von ihnen so gestresst gewesen, dass sie während der Schur heftig zappelten und mitunter ihren Kopf gegen den Boden schlugen. Eine Schererin habe ein Schaf mehrmals am Bein gezerrt. Generell sei der Umgang mit den Tieren grob gewesen. So seien sie unter anderem nach der Schur eine Rutsche hinuntergestoßen worden.

Schafe leiden erwiesenermaßen körperlich unter der Schur

Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, worauf Fachleute seit Jahren hinweisen: Schafe stehen während der Schur unter „akutem Stress“. Ihre Körpertemperatur steigt, und ihr Stresshormonlevel schießt in die Höhe. Da Schafe den Menschen als potenzielle Gefahr wahrnehmen, kann die Schur zudem weitere negative Reaktionen wie erhöhten Blutdruck und Herzschlag, beschleunigte Atmung sowie Veränderungen im Verhalten der Tiere auslösen. Diese physiologischen Effekte sind sogar noch bis zu 60 Minuten nach der Schur feststellbar. [1] Beim wettkampfmäßigen Scheren dürfte der Stress noch verstärkt sein, zumal Verletzungen vorprogrammiert sind.

Schafe ohne natürlichen Fellwechsel sind eine Qualzucht. Im Sommer leiden die züchterisch manipulierten Tiere unter dem Gewicht und der Wärme ihres dichten Fells. Nach der Schur hingegen sind sie anfällig für Lungenerkrankungen und können bei Kälteeinbrüchen sogar erfrieren. Ohne die Fähigkeit, ihr Fellwachstum eigenständig zu regulieren, sind die Tiere Hitze und Kälte schutzlos ausgeliefert und in der Natur oftmals lebensunfähig. Somit sind auch Argumente wie der Erhalt alter oder gefährdeter „Haustierrassen“ oder „Artenschutz“ keine ausreichenden Gründe, diese sogenannten Wollschafe zu halten – und damit ihr Leid während der Schur in Kauf zu nehmen.

In Trochtelfingen wurden die Schafe auf einer Bühne geschoren, während sie heftig zappelten und mitunter ihren Kopf gegen den Boden schlugen. / © PETA Deutschland e.V.

Dieses und weitere Fotos können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.

Videomaterial senden wir auf Anfrage gern zu.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] MDPI (Multidisciplinary Digital Publishing Institute): Acute Stress Response of Sheep to Shearing Procedures: Dynamic Change of Cortisol Concentration and Protein Electrophoretic Pattern. Online abrufbar unter: https://www.mdpi.com/2076-2615/12/7/862/html (22.07.2026).

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