PETAs Ranking deutscher Katzenschutzverordnungen 2024: die Top 5 und Flop 5 der zuständigen Länder, Städte und Gemeinden

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Effektiver Katzenschutz nur möglich durch flächendeckende Kastrations- und Registrierungspflicht sämtlicher Freigängerkatzen

Das unsichtbare Leid der Katzen: Ab dem Frühjahr steigt die Population heimatloser Katzen in ganz Deutschland oftmals rapide an. Die meisten von ihnen leiden aufgrund von Nahrungsmangel, Infektionen und starkem Parasitenbefall unter schweren Krankheiten. Viele verletzen sich in Revierkämpfen oder bei Unfällen schwer oder werden von Tierquälern misshandelt. Nur in den seltensten Fällen werden sie medizinisch versorgt, weswegen die Katzen häufig jung sterben oder ihr Leben lang leiden. Aktuell sind zahlreiche Tierheime in Deutschland überfüllt und verhängen Aufnahmestopps – insbesondere Katzen können kaum noch untergebracht werden. Die Vierbeiner zu versorgen, strapaziert zudem Tierschutzvereine und Katzenhilfen finanziell und fordert ihre Mitarbeitenden bis an die Belastungsgrenze. Unkastrierte Freigängerkatzen tragen erheblich zur Überpopulation und damit zum Leid der heimatlosen Tiere bei. [1] Um dieses Leid zu beenden, ist eine Kastrations– und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen zwingend erforderlich. Diese setzen die Länder und Kommunen jedoch nicht in gleichem Umfang durch. Im folgenden Ranking stellt PETA die Regionen in Deutschland vor, die aus Sicht der Tierrechtsorganisation besonders positiv oder negativ aufgefallen sind.

„Immer wieder erreichen uns unzählige Meldungen zu kranken oder verwahrlosten Katzenbabys und erwachsenen Katzen. Die domestizierten Tiere sind dringend auf menschliche Hilfe angewiesen – was in dem Fall Populationskontrolle durch Kastrieren mit anschließendem Registrieren bedeutet“, so Annika Lewald, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Wir begrüßen jede Katzenschutzverordnung, die in den einzelnen Gemeinden erlassen wird. Mit dem Ranking wollen wir jene Kommunen ermutigen, die das wichtige Thema bisher vernachlässigen. Da sich Vierbeiner bei der Fortpflanzung an keine Ortsgrenzen halten, appellieren wir zudem an die Verantwortlichen auf Landesebene, dem Beispiel Niedersachsens zu folgen und eine flächendeckende Verordnung zum Schutz der Tiere und zur Verringerung ihres Leids zu beschließen.“

Top 5: Städte und Länder mit Vorbildfunktion beim Schutz heimatloser Katzen

1. Stadt Köln
Am 6. Februar 2018 hat der Kölner Stadtrat den Erlass einer Katzenschutzverordnung beschlossen. Kurze Zeit später, am 4. April desselben Jahres, ist diese erstmalig in einer deutschen Millionenstadt in Kraft getreten. Halter sind seitdem dazu verpflichtet, „Freigängerkatzen“ zu kastrieren, zu kennzeichnen und registrieren zu lassen. Im Jahr 2018 gab es nach Angaben der Stadtverwaltung Köln etwa 20.000 frei lebende Katzen, die wenigsten von ihnen waren gesund. Die Reaktion der Stadtverwaltung war aus Sicht PETAs die einzig angemessene Reaktion auf die massive Überpopulation und das Leid der Tiere sowie ein wichtiger Schritt für den Tierschutz. [2; 3]

2. Stadt Paderborn
Ging mit gutem Beispiel voran: Die Stadt Paderborn in Nordrhein-Westfalen erließ bereits 2008 als erste deutsche Stadt im Rahmen der sogenannten Gefahrenabwehr eine Verordnung, die eine Kastrationspflicht für Katzen mit Freigang regelte. [4; 5] Das sogenannte Paderborner Modell gilt bis heute als gutes Vorbild für den Katzenschutz. Im Jahr 2019 wurde schließlich eine Katzenschutzverordnung zum Schutz der heimatlosen Katzen für den gesamten Kreis erlassen. [6]

3. Stadt Mannheim
Im Sommer 2023 trat in Mannheim eine Verordnung in Kraft, die jedoch lediglich eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht umfasste. Eine Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht allein löst das Problem der heimatlosen Katzen jedoch nicht, weshalb durch Tierschutzverbände und Tierschützer reichlich Kritik geübt wurde. Denn entscheidend zur Populationskontrolle und Minderung von Tierleid ist die Kastrationspflicht. Auch PETA Deutschland kritisierte die Stadt Mannheim für den fehlenden Erlass einer solchen Pflicht. Im Frühjahr 2024 wurde die Verordnung dann um eine Kastrationspflicht für frei laufende Katzen erweitert. [7; 8]

4. Land Berlin
Um das massenhafte Leid heimatloser Katzen zu beenden, hat Berlin im Juni 2022 reagiert und eine Katzenschutzverordnung erlassen – ein wichtiges Zeichen aus der Bundeshauptstadt. Da sich laut Medienberichten die Lage dort jedoch bisher nicht nennenswert verbessert hat, plädiert PETA weiterhin für mehr Aufklärung zum Thema und strikte Kontrollen zur Umsetzung der Verordnung. [9; 10]

5. Land Niedersachsen
Neben den Stadtstaaten Berlin und Bremen ist Niedersachsen das einzige Flächenland mit einem Beschluss einer flächendeckenden Katzenschutzverordnung. [11] Im Sommer 2023 stimmte der Niedersächsische Landtag für eine landesweite Verordnung mit dem Ziel einer einheitlichen Regelung zum Schutz von Katzen. Die Katzenschutzverordnung beinhaltet die Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Kastrationspflicht für Freigängerkatzen – ein enormer Fortschritt für den Katzenschutz. Allerdings lässt die Umsetzung auch Mitte 2024 noch auf sich warten. Neben dem Katzenschutz hat Niedersachsen als erstes Bundesland den sogenannten Hundeführerschein eingeführt. PETA fordert alle anderen Länder auf, dem Vorbild Niedersachsens hierbei zu folgen.

Flop 5: Städte und Länder mit großen Defiziten beim Schutz heimatloser Katzen

1. Freie und Hansestadt Hamburg
Obwohl in Hamburg ein massives Problem mit heimatlosen Katzen besteht, haben sich die hanseatischen Verantwortlichen bislang nicht die beiden anderen Stadtstaaten Berlin und Bremen zum Vorbild genommen: Aktuell hat Hamburg keine Katzenschutzverordnung – trotz eines positiven entsprechenden Bürgerschaftsbeschlusses von 2021. Bedauerlicherweise ist die Anzahl der heimatlosen Tiere laut Medienberichten enorm groß. 2023 wurden schätzungsweise 10.000 heimatlose Katzen in Hamburg ermittelt. [12] Diese leiden massiv. PETA hat sich daher zuletzt am 26. März 2024 an die Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz Anna Gallina gewandt – mit der Bitte, umgehend eine Katzenschutzverordnung im gesamten Stadtgebiet zu erlassen. [12]

2. Stadt Frankfurt am Main
Tierschutzvereine klagen seit langer Zeit über die prekäre Lage in Frankfurt am Main aufgrund der dortigen massiven Anzahl heimatloser Katzen. Schätzungen zufolge leben in der Stadt etwa 18.000 solcher Tiere. Die Tierrechtsorganisation PETA kontaktierte deshalb am 30. Mai Oberbürgermeister Mike Josef und schlug vor, dem Beispiel der Metropolregion Köln zu folgen und eine Katzenschutzverordnung in der Großstadt zu erlassen. [13]

3. Land Sachsen
Beim Schutz heimatloser Katzen und der Beendigung ihres Leids liegt Sachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern weit hinten. Das Problem: Die Sächsische Landesregierung hat im Gegensatz zu den anderen Bundesländern noch nicht einmal eine Verordnung eingeführt, wonach lokale Behörden selbstständig eine Katzenschutzverordnung nach Paragraf 13b des Tierschutzgesetzes (TierSchG) in ihrem Gebiet erlassen können. Gemäß diesem Paragrafen können die Landesregierungen ihre Ermächtigung durch Rechtsverordnungen auf andere Behörden übertragen.So blieb beispielsweise der Kreisstadt Radeberg nur die Möglichkeit, notgedrungen eine Polizeiverordnung zu erlassen. Die LINKE FRAKTION hatte zuletzt 2022 einen Gesetzentwurf einer landesweiten Katzenschutzverordnung in den Landtag eingebracht, welcher von der Landesregierung jedoch abgelehnt wurde. PETAs Auffassung nach ist es längst überfällig, dass die Sächsische Landesregierung ihre Ermächtigung durch Rechtsverordnungen auf andere Behörden überträgt, anstatt den Erlass von Verordnungen zu blockieren. Im März 2024 wandte sich die Organisation daher mit der Bitte an die Sächsische Landesregierung, eine Katzenschutzverordnung auf Landesebene zu erlassen und dem positiven Beispiel Niedersachsens zu folgen. [14, 15]

 4. Stadt Bamberg
In Bamberg gibt es trotz zahlreicher Bemühungen von Tierschützern in Form von Kampagnen und Petitionen noch immer keine Verordnung zum Schutz von Katzen. PETA hat sich daher am 30. Mai 2024 an Oberbürgermeister Andreas Starke gewandt und ihn gebeten, eine Verordnung in Bamberg einzuführen. Nachbarstädte wie Bayreuth kontaktierte die Tierrechtsorganisation bereits im Jahr 2016 aufgrund der massiven Überpopulation und dem damit einhergehenden enormen Tierleid. Im gesamten Bundesland Bayern sind die Tiere im Vergleich zu den restlichen deutschen Regionen kaum durch entsprechende Verordnungen geschützt – auch nicht in der Landeshauptstadt und Metropolregion München. [16–18]

5. Stadt Bad Wurzach
Neben den Großstädten steht Bad Wurzach symbolisch für zahlreiche kleine Gemeinden, die keine Notwendigkeit für die Umsetzung einer Katzenschutzverordnung sehen. Daher hat sich PETA bereits im Dezember 2023 und im Mai 2024 erneut mit der Bitte an Bürgermeisterin Alexandra Scherer gewandt, eine solche Verordnung in Bad Wurzach einzuführen. Aufgrund von Medienberichten ist von einer hohen Anzahl an heimatlosen Katzen auszugehen. Die Verantwortlichen lehnen eine Regelung zum Schutz der Katzen jedoch unter dem Vorwand ab, ein Zwang würde nicht funktionieren und zu viel bürokratischen Aufwand bedeuten. Außerdem sei die Verordnung ein „starker Eingriff in die Rechte der Bürger“. Die abschlägigen Gründe der Bürgermeisterin stellen PETAs Auffassung nach jedoch Scheinargumente dar: Dass der Erlass einer Katzenschutzverordnung keinen übermäßigen Bürokratieaufwand verursacht, zeigen die oben aufgeführten Positivbeispiele. Eine Kastration ist zudem ein Routineeingriff mit geringem Narkoserisiko. Außerdem sind die Kosten für eine Kastration relativ gering und müssen von den Bürgern selbst getragen werden.

Unser Ranking basiert auf der Auswertung verschiedener Medienberichte, politischen Entwicklungen und Zuschriften von Tierschutzorganisationen. Die nominierten Städte stehen ebenfalls symbolisch für viele weitere Städte mit ähnlicher Situation. Wir haben die negativ ausgezeichneten Städte und die Bundesländer kontaktiert und erhoffen uns als Reaktion, dass Maßnahmen zum Schutz der Katzen ergriffen werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Deutscher Bundestag (29.08.2012): Gesetzentwurf der Bundesregierung. Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes, amtl. Begr., BT-Drs. 17/10572, 32, https://dserver.bundestag.de/btd/17/105/1710572.pdf (eingesehen am 03.07.2024).
[2] Meine Südstadt (27.03.2018): Gegen das Verhungern und Verrecken: Katzen in Köln werden kastriert, https://www.meinesuedstadt.de/gegen-das-verhungern-und-verrecken-katzen-in-koeln-werden-kastriert/ (eingesehen am 03.07.2024).
[3] Kölner Stadt-Anzeiger (16.02.2018): Kastrationspflicht für frei laufende Katzen in Köln, https://www.ksta.de/koeln/tier-verordnung-kastrationspflicht-fuer-freilaufende-katzen-in-koeln-164840 (eingesehen am 03.07.2024).
[4] Bürgerbeteiligung Potsdam (2008): Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen, https://buergerbeteiligung.potsdam.de/content/kastrations-und-kennzeichnungspflicht-fuer-katzen (eingesehen am 03.07.2024).
[5] Kreis Paderborn (2019): Verordnung des Kreises Paderborn vom 02.05.2019 zum Schutz frei laufender Katzen (Katzenschutzverordnung – KatzenschutzVO), https://www.kreis-paderborn.de/kreis_paderborn/themen/39-amt-fuer-verbraucherschutz/Katzenschutzverordnung.pdf (eingesehen am 03.07.2024).
[6] Rheinische Post (17.05.20210): Tierschützer fordern Kastrationspflicht, https://rp-online.de/panorama/deutschland/tierschuetzer-fordern-kastrationspflicht_aid-12623193 (eingesehen am 03.07.2024).
[7] Mannheim (12.03.2024): Katzenschutzverordnung in Mannheim um Kastrationspflicht erweitert, https://www.mannheim.de/de/presse/katzenschutzverordnung-in-mannheim-um-kastrationspflicht-erweitert (eingesehen am 03.07.2024).
[8] Tierarzt Karlsruhe – Kleintierzentrum Arndt: Neue Katzenschutzverordnung der Stadt Karlsruhe tritt ab 01.01.2024 in Kraft, https://tierarzt-karlsruhe-durlach.de/katzenschutzverordnung-der-stadt-karlsruhe/ (eingesehen am 03.07.2024).
[9] Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz: Berliner Katzenschutzverordnung, https://www.berlin.de/sen/verbraucherschutz/aufgaben/tierschutz/katzenschutzverordnung/artikel.1206331.php (eingesehen am 03.07.2024).
[10] Tierschutzverein für Berlin (15.08.2023): Katzenjammer trotz Katzenschutzverordnung: Berliner Tierheim fordert vom Senat mehr Aufklärung und Geld, https://tierschutz-berlin.de/aktuelles/klaeglicher-katzenjammer-trotz-katzenschutzverordnung-berliner-tierheim-fordert-vom-senat-mehr-aufklaerung-und-geld/ (eingesehen am 03.07.2024).
[11] TASSO e.V.: Niedersachsen macht den Weg frei für landesweite Katzenschutzverordnung, https://www.tasso.net/Presse/Pressemitteilungen/2023/landesweite-katzenschutzverordnung-niedersachsen (eingesehen am 03.07.2024).
[12] Sandro Kappe (CDU-Bürgerschaftsabgeordneter) (04.07.2023): Verzögerungen bei der Einführung der Katzenschutzverordnung in Hamburg sorgen für Unmut – schätzungsweise 10.000 frei lebende Katzen, https://www.sandrokappe.de/verzoegerungen-bei-der-einfuehrung-der-katzenschutzverordnung-in-hamburg-sorgen-fuer-unmut-schaetzungsweise-10-000-freilebenden-katzen/ (eingesehen am 03.07.2024).
[13] Frankfurter Rundschau (05.11.2023): „Wichtig, dass endlich etwas passiert“ – Stadt soll Katzenschutzverordnung schaffen, https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-mehr-geld-fuer-den-tierschutz-92654097.html (eingesehen am 03.07.2024).
[14] MDR (23.10.2023): Sächsischer Tierschutzverband fordert Kastrationspflicht von Katzen, https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/katze-kastration-pflicht-forderung-tierschutz-100.html (eingesehen am 03.07.2024).
[15] Sächsische.de (01.08.2023): Katzenschutzverordnung: Das haben Tierhalter in Bannewitz zu beachten, https://www.saechsische.de/wirtschaft/umwelt/bannewitz-katzenschutzverordnung-katzenhalter-kastrationspflicht-5890561-plus.html (eingesehen am 03.07.2024).
[16] Fränkischer Tag (05.06.2023): Studentinnen starten Kampagne gegen Katzenleid, https://www.fraenkischertag.de/lokales/bamberg/politik/bamberg-studentinnen-wollen-mit-kampagne-fuer-katzenkastration-tierleid-bekaempfen-art-262012 (eingesehen am 03.07.2024).
[17] Abendzeitung (13.04.2021): Die Linke/Die Partei fordert Katzenschutzverordnung für München, https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/die-linkedie-partei-fordert-katzenschutzverordnung-fuer-muenchen-art-720221 (eingesehen am 03.07.2024).
[18] Fränkischer Tag (29.04.2024): Das tragische Schicksal der Bamberger Straßenkatzen, https://www.fraenkischertag.de/lokales/bamberg/umwelt-natur/leidende-katzen-in-bamberg-tierschuetzer-fordern-kastration-art-346986 (eingesehen am 03.07.2024).
[19] Schwäbische.de (29.11.2023): Keine Zwangskastration für Katzen – Halter sollen das freiwillig machen, https://www.schwaebische.de/regional/allgaeu/bad-wurzach/bad-wurzach-lieber-selbst-kastrieren-als-verordnen-2088920 (eingesehen am 03.07.2024).

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