Pferd bei „Blutritt“ in Weingarten zusammengebrochen: PETA fordert Kirche und Stadt dazu auf, Konzept für Prozession ohne Tiere zu entwickeln

Ein Plane bedeckt, wie ein Pferd mit einem Kran auf einen Anhänger verladen wird

Beim sogenannten Blutritt in Weingarten ist am Freitagmorgen ein Pferd zusammengebrochen. Ein Video zeigt, wie das völlig geschwächte Tier mit dem Kran auf einen Anhänger verladen wurde. Der „Blutritt“ gilt als größte Reiterprozession Europas. Rund 1.800 Reiter haben ihre Pferde dazu gezwungen, begleitet von lauten Musikkapellen und rund 20.000 Zuschauern, durch die Innenstadt zu laufen. Zwei Tiere ohne Reiter sind dabei unkontrolliert losgelaufen, wurden aber wieder eingefangen. Pferde sind Fluchttiere und stehen bei solchen Veranstaltungen unter starkem Stress, da sie großen Menschenmengen und lauter Musik ausgesetzt werden. Im Jahr 2016 sind beim „Blutritt“ in Weingarten zwei Pferde an einem Herzinfarkt gestorben. [1] PETA forderte daher heute die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Stadt Weingarten dazu auf, die Prozession im Sinne des Tierschutzes weiterzuentwickeln und künftig ohne Pferde durchzuführen.

„Der Umgang mit Pferden in unserer Gesellschaft hat sich mittlerweile verändert. Auch Traditionen wie der Blutritt müssen sich dem Tierschutzgedanken unterordnen. Wir appellieren an die Veranstalter, ein Konzept ohne Tiere zu entwickeln, so dass kein fühlendes Lebewesen dafür leiden muss“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Bereits die beiden Todesfälle 2016 haben verdeutlicht, dass diese Veranstaltung für die Pferde untragbar ist.“

Städte wie Friedrichshafen und Bonn gehen mit gutem Beispiel voran

In mehreren Städten sind Pferde aufgrund von Tierschutz- und Sicherheitsbedenken mittlerweile von Umzügen ausgeschlossen. In Bonn werden keine Pferde mehr beim Rosenmontagsumzug eingesetzt. Die Verantwortlichen der Cranger Kirmes in Herne gaben im Juli 2023 bekannt, den dazugehörigen Umzug künftig ohne die Tiere zu gestalten. In Friedrichshafen dürfen aus Sicherheitsgründen keine Pferde mehr bei dem Festzumzug des Seehasenfests eingesetzt werden.

Hintergrundinformationen

In Nordrhein-Westfalen haben die Landesbehörden Leitlinien erstellt, welche Pferde bei Karnevalsumzügen zumindest teilweise schützen sollen. Demnach dürfen die Tiere beispielsweise nicht unmittelbar vor oder nach Kapellen laufen. Zudem sind Vorgaben hinsichtlich der maximalen Einsatzdauer enthalten. Die medikamentöse Ruhigstellung der Pferde ist verboten. In Baden-Württemberg gibt es keine vergleichbaren Regelungen zum Schutz von Pferden bei Umzügen.

Das geschwächte Pferd wurde mit dem Kran in einen Anhänger verladen. / © PETA Deutschland e.V.

Das Motiv kann hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Schwäbische.de (2016): Totes Pferd beim Blutritt stammt aus Schlier, online abrufbar unter: https://www.schwaebische.de/regional/oberschwaben/weingarten/totes-pferd-beim-blutritt-stammt-aus-schlier-476003 (13.05.2024).

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