Präzedenzfall im Vatikan: Katholischen Priestern droht kirchenrechtliches Verfahren wegen blasphemischer Aussagen zum Stierkampf

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Fünf spanische Priester müssen sich möglicherweise vor dem Vatikan verantworten, weil sie den Stierkampf öffentlich verherrlicht haben. Videoaufnahmen zeigen, wie die Geistlichen das blutige Spektakel unter anderem als „Symbol des Christentums“ bezeichnen und die Tötung eines Stiers auf blasphemische Weise mit dem Opfertod Jesu Christi vergleichen. Ein kirchenrechtliches Verfahren könnte die katholische Kirche nun dazu zwingen, sich mit ihrer Beteiligung an dem grausamen und höchst umstrittenen Spektakel auseinanderzusetzen. Die renommierte italienische Kirchenrechtlerin Laura Sgrò hat heute im Auftrag von PETA UK ein bislang beispielloses kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet: Beim Dikasterium für den Klerus im Vatikan reichte sie eine Beschwerde nach kirchlichem Recht ein, mit der PETA UK eine Untersuchung gegen die fünf Priester sowie Disziplinarmaßnahmen wegen ihrer öffentlichen Unterstützung des Stierkampfs fordert. Die Tierrechtsorganisation fordert die zuständigen Kirchenbehörden auf, zu entscheiden, ob Geistliche öffentlich eine Praxis befürworten dürfen, bei der Tiere wiederholt durch mit Widerhaken versehene Waffen verletzt werden. Dabei erleiden sie schwere Blutverluste, extreme Traumata und werden schließlich zur Unterhaltung von Menschen getötet. 

„Mit diesem Verfahren muss der Vatikan über die sündhafte Verherrlichung des Stierkampfs urteilen“, so Mimi Bekhechi, Senior Vice President von PETA. „Priester, die Mitgefühl predigen und gleichzeitig feiern, dass Tiere zur Belustigung von Menschen gequält und getötet werden, widersprechen den Werten, die sie kraft ihres Amtes vertreten sollen. Die Kirche weiß, dass diese Grausamkeit keinen Platz neben christlicher Barmherzigkeit hat. PETA fordert den Vatikan deshalb auf, die Priester zur Verantwortung zu ziehen.“

Eine Videoenthüllung von PETA UK stellt die Aussagen der Priester drastischen Aufnahmen aus Stierkampfarenen gegenüber. Die Bilder zeigen, wie Stiere verwundet werden, taumeln und schließlich in der Arena zusammenbrechen.

Die Beschwerde macht deutlich, dass die öffentliche Verherrlichung des Stierkampfs den Lehren der katholischen Kirche grundlegend widerspricht. In Absatz 2418 des Katechismus der katholischen Kirche heißt es, dass es der Würde des Menschen widerspricht, Tiere „unnütz leiden zu lassen und zu töten“. Darin wird dargelegt, dass die Priester möglicherweise gegen mehrere kirchenrechtliche Bestimmungen zum Verhalten von Geistlichen verstoßen haben. Die Verherrlichung eines Spektakels, das auf Leid und Tod beruht, sei unvereinbar mit der Pflicht von Geistlichen, Mitgefühl, Barmherzigkeit und Achtung vor dem Leben zu verkörpern.

Über das Verhalten der fünf betroffenen Priester hinaus könnte das Verfahren zu einem bedeutenden Präzedenzfall werden. Es stellt die Frage, wie der Vatikan die seit Langem bestehenden Lehren der katholischen Kirche zum Leid von Tieren in der heutigen Zeit auslegt.

Stierkämpfe sind unchristlich

Jedes Jahr werden Zehntausende Stiere bei Stierkampf-Festivals auf der ganzen Welt getötet. Viele davon werden zu Ehren katholischer Heiliger abgehalten. Geistliche segnen Stierkämpfer und Stierkampfarenen, obwohl Papst Pius V. bereits 1567 ein Dekret erließ, das die Exkommunikation von Klerikern vorsah, die an Stierkämpfen teilnahmen oder diese besuchten. Der inzwischen heiliggesprochene Papst bezeichnete den Stierkampf als „grausames und niederträchtiges Schauspiel des Teufels und nicht des Menschen“ und sah darin einen Widerspruch zur „christlichen Frömmigkeit und Nächstenliebe“. Dennoch nehmen katholische Priester häufig an religiösen Zeremonien in Stierkampfarenen teil und betreuen Stierkämpfer in den Kapellen der Arenen. Einige greifen sogar selbst Stiere in Arenen an, während sie eine Soutane tragen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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