Sommerferien: Zahl ausgesetzter Tiere steigt in der Urlaubssaison dramatisch – PETA-Expertin gibt Tipps für den Notfall

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Jedes Jahr in den Sommermonaten werden in Deutschland massenhaft Hunde, Katzen, Kaninchen, Exoten und andere sogenannte Haustiere an Autobahnraststätten, in Wäldern, an Zäunen von Tierheimen oder an abgelegenen Feldwegen ausgesetzt. Für die Tiere beginnt damit ein körperliches und psychisches Martyrium. Wer nicht verdurstet oder verhungert, lebt in der Gefahr, überfahren oder von anderen Tieren angefallen zu werden. Häufig sind die Tiere in einem völlig verwahrlosten Zustand, durch schlechte Haltung geschwächt oder krank und benötigen dringend schnelle Hilfe. Doch was ist zu tun, wenn ein ausgesetztes Tier entdeckt wird? Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA und Tierpsychologin, hat einige Tipps zusammengestellt.

„Insbesondere zur Urlaubszeit gilt: Augen auf! Hunde werden oft einfach am Straßenrand, an Bahnhöfen oder an Raststätten festgebunden und zurückgelassen; Kleintiere und Katzen an abgelegenen Orten wie in Feldern oder am Waldrand in Transportboxen oder Pappkartons ausgesetzt – immer wieder werden Tiere auch in oder um Müllcontainer herum gefunden. Aufmerksame Menschen, die genauer hinsehen, können oftmals Leben retten“, so Jana Hoger. „Grundsätzlich gilt: Wer Tiere aussetzt, begeht damit eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz und muss mit einer Geld- oder sogar Freiheitsstrafe rechnen.“

Viele Tierheime arbeiten in der Ferienzeit an ihrer Belastungsgrenze oder verhängen zeitweise Aufnahmestopps. Umso wichtiger ist es, dass Finder ausgesetzter Tiere wissen, wie sie richtig handeln.

Hunde:

  • Personen, die einen angebundenen, einsam wirkenden Hund sehen, sollten ihn einige Zeit beobachten, um zu schauen, ob wirklich kein Halter oder keine Halterin zurückkehrt.
  • Liegt der Verdacht nahe, dass das Tier ausgesetzt wurde, muss schnellstmöglich die Polizei oder das örtliche Tierheim informiert werden. Bis Hilfe eintrifft, sollte der Hund nicht allein gelassen werden. Die Dokumentation des Fundorts mit Fotos und Uhrzeit kann der Polizei und dem Tierheim helfen, um die ehemalige Familie des Vierbeiners zu ermitteln.
  • Dem Hund muss Wasser angeboten werden, da er eventuell länger nichts getrunken hat. An warmen Tagen ist Flüssigkeitsverlust sehr gefährlich für den Organismus – der Vierbeiner könnte in Lebensgefahr sein. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Hund nur noch flach atmet, sich kaum bewegt, apathisch ist und auf äußere Reize nicht mehr reagiert. Auch stark blutende Verletzungen können schnell lebensbedrohlich werden. Bei größeren Verletzungen oder Anzeichen eines Hitzschlags sollte umgehend tierärztliche Hilfe organisiert werden. Nahrung sollte erst angeboten werden, wenn der Gesundheitszustand des Tieres und mögliche Unverträglichkeiten bekannt sind.
  • Ausgesetzte Hunde sollten von unerfahrenen Personen nicht angefasst werden. Haben die Tiere Angst oder Schmerzen, können sie schlimmstenfalls beißen. Ist ein Hund angebunden, sollte er nicht vorschnell abgeleint werden, da verängstigte oder panische Tiere versuchen könnten zu flüchten.
  • Es empfiehlt sich hingegen, aus ein paar Metern Entfernung sanft und ruhig mit dem Vierbeiner zu sprechen. Eine beruhigende Stimme kann helfen, Stress zu reduzieren und dem Tier Sicherheit zu vermitteln. Die Tiere sollten nicht bedrängt werden, um zusätzlichen Stress oder Panik zu vermeiden – daher gilt zu jeder Zeit ein behutsamer Umgang.

Kleintiere und Katzen:

  • Kleintiere und Katzen werden häufig in Kartons ausgesetzt. Besonders bei Hitze gilt es, die Tiere umgehend aus der Sonne zu nehmen. Befindet sich ein ausgesetztes Tier in einem Karton oder einer Transportbox, sollte diese vorsichtig geöffnet werden. Da von außen oft nicht erkennbar ist, ob sich ein Tier darin befindet, ist besondere Vorsicht geboten – verängstigte Vögel, Kaninchen und Katzen können schnell entwischen. Auch bei Kleintieren und Katzen ist die Dokumentation des Fundorts enorm wichtig. Die Polizei leitet anschließend die weiteren Schritte ein.
  • Beim Einfangen von Kleintieren ist es sinnvoll, wenn nötig, das zuständige Tierheim um Mithilfe zu bitten. Es ist für Fälle dieser Art gewappnet und hat die entsprechende Ausstattung, um Tiere in Sicherheit zu bringen und sie, ohne sie zu verletzen, einzufangen.

Wildtier oder tierischer Mitbewohner? Besonders bei Kaninchen gibt es häufig Verwechslungsgefahr. Tierheime oder Wildtierstationen können hier beratend zur Seite stehen.

Wichtig: Ausgesetzte Tiere dürfen nicht einfach mitgenommen werden. In Deutschland muss die Auffindung gemeldet werden, da das Fundrecht anzuwenden ist.

Wer ein ausgesetztes Tier findet, sollte den Fall möglichst zeitnah bei Polizei, Ordnungsamt oder Tierheim melden. Das erleichtert die Versorgung des Tieres und kann helfen, Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aufzuklären. PETA macht darauf aufmerksam, dass das Aussetzen von Tieren laut § 3 Tierschutzgesetz verboten ist und den Straftatbestand der Tierquälerei nach § 17 Tierschutzgesetz erfüllen kann. Dies kann mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Für die nicht artgerechte Unterbringung und Versorgung von Tieren sowie die bewusste Unterlassung notwendiger Hilfeleistung greifen dieselben Gesetze.

Bevor Menschen ein Tier bei sich aufnehmen, müssen sie sorgfältig abwägen, ob sie der Verantwortung gewachsen sind. Das Zusammenleben mit einem tierischen Mitbewohner kann sehr erfüllend sein, bedeutet aber eine Sorgfaltspflicht und Verantwortung – für viele Jahre und in allen Lebenslagen; auch zur Urlaubszeit. Mit dem Kauf von Tieren im Internet, im Zoohandel oder bei Züchterinnen und Züchtern wird Tierleid gefördert. Steigt die Nachfrage, „produzieren“ profitorientierte Menschen immer mehr Hunde, Katzen oder Kaninchen unter meist tierschutzwidrigen Bedingungen. Der Kauf dieser Tiere nimmt jedem im Tierheim wartenden Tier die Chance auf ein liebevolles Zuhause. Tiere sollten daher immer aus dem Tierheim adoptiert werden, aber nur, wenn ihnen wirklich langfristig eine Heimat geboten werden kann. Menschen, die sich dauerhaft nicht mehr um ihr Tier kümmern können, sollten sich frühzeitig an ein Tierheim oder Tierschutzorganisationen wenden. Das Aussetzen von tierischen Familienmitgliedern darf niemals eine Lösung sein.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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