Zwei Streichungen von der Speisekarte und eine Strafanzeige gegen den Verkauf von Stopfleber in einer Woche in Berlin: Das Restaurant Belmondo und das Grand Café Saint Germain haben PETA Ende August schriftlich und telefonisch bestätigt, Foie gras bis Anfang Oktober von ihren Speisekarten zu streichen. Die Tierrechtsorganisation begrüßt die Entscheidung. PETA hatte den Inhaber beider Restaurants seit 2023 wiederholt kontaktiert, Strafanzeige erstattet und das Berliner Streetteam hatte vor Ort mehrere Aktionen durchgeführt. Jetzt geht die Tierrechtsorganisation gegen den Verkauf von Stopfleber durch das Berliner Bistro und Feinkostunternehmen Les Épicuriens GmbH vor. Gegen die Geschäftsführung der Les Épicuriens GmbH hat PETA am 20. August Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin erstattet.
„Dass das Belmondo und das Grand Café Saint Germain Foie gras von ihren Speisekarten streichen, ist ein wichtiger Schritt für den Tierschutz in Berlin. In einer modernen Stadt hat das Tierqualprodukt Stopfleber keinen Platz“, so Dr. Tanja Breining, Biologin und Fachreferentin bei PETA. „Unsere Aktiven informieren die Gäste vor Ort und mit unserer Strafanzeige machen wir deutlich: Tierleid darf kein Geschäftsmodell sein.“
Stopfleberhändler zahlte nach PETA-Anzeige Geldauflage
Ende 2022 musste erstmals ein von PETA angezeigter Händler gemäß Auflage der zuständigen Staatsanwaltschaft 500 Euro an einen gemeinnützigen Verein für Tierschutz zahlen. Die Einordnung als strafbare Beihilfe setzt nicht voraus, dass die Haupttat in dem Land, in dem sie begangen wurde – etwa in Frankreich – strafbar ist. Vielmehr ist es ausreichend, dass die Handlung des Haupttäters, also des Gänse- bzw. Entenmästers, gegen ein deutsches Strafgesetz verstößt und dazu in Deutschland eine Beihilfehandlung geleistet wurde. Dies ist aus PETAs Sicht der Fall. Die Herstellung von Stopfleber erfüllt den Straftatbestand der quälerischen Tiermisshandlung nach Paragraf 17 Nr. 2 lit. b des Tierschutzgesetzes. Die Beihilfehandlung ist in dem Erwerb und Verkauf von Stopfleber zu sehen, da hierdurch deren Herstellung und die damit einhergehende Tiermisshandlung veranlasst bzw. gefördert wird.
Zwangsmast lässt Leber der Tiere auf das bis zu Zehnfache anschwellen
Für die „Produktion“ von Foie gras werden überwiegend männliche Gänse und Enten „gemästet“, weil die Leber der weiblichen Tiere nicht die gewünschte Größe hat und zu viel Nervengewebe enthält. Allein in Frankreich werden aus diesem Grund jährlich über 13 Millionen weibliche Küken direkt nach der Geburt am Fließband aussortiert und getötet. Den männlichen Tieren wird mehrmals täglich ein Rohr gewaltsam in die Speiseröhre gestoßen, um sie mit 450 Gramm bis einem Kilogramm Getreidebrei zu „stopfen“. Dies lässt ihre Leber in nur 10 bis 18 Tagen auf das bis zu Zehnfache ihres Normalgewichts anschwellen. [1] Die Zwangsmast kann neben Verletzungen am Hals und in der Speiseröhre auch zu einer pathologischen Verfettung der Leber, Steatose genannt, sowie zu Atemnot, Knochenbrüchen, Leberblutungen und Herzversagen führen. Viele Tiere sterben daher bereits, bevor sie ins Schlachthaus kommen. [2; 3] Hier werden sie elektrisch betäubt und ausgeblutet. Immer wieder kommt es vor, dass sie vor oder während des Ausblutens aufwachen und bei Bewusstsein und unter Schmerzen sterben. [4; 5]
Stopfleber-„Produktion“ ist vielerorts verboten
Die „Produktion“ von Stopfleber ist so grausam, dass sie in vielen Ländern der EU verboten ist. Lediglich Frankreich, Spanien, Ungarn, Bulgarien und ein Teil von Belgien produzieren Foie gras. Brasilien erließ im Juli 2026 ein Import- und Verkaufsverbot. Auch in Argentinien, Indien, Israel, Australien, Kalifornien und der Türkei ist die Herstellung bereits untersagt. Zahlreiche Restaurants wie das HENRIKS in Hamburg und das Borchardt in Berlin haben Foie gras bereits ausgelistet. Auch in Frankreich gibt es auf offiziellen Empfängen der Städte Grenoble, Lyon, Straßburg und Villeurbanne keine Tierqualleber mehr zu essen, wie die Bürgermeister der Städte auf Anfrage von PETA Frankreich öffentlich bestätigten. In London hat King Charles III Foie gras aus all seinen Palästen verbannt.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
