Bereits Mitte September erhielt PETA eine Whistleblowermeldung mit Aufnahmen eines Vergrämungsnetzes, das an einer Unterführung an der Kreuzung Köhn- und Allersberger Straße in Nürnberg angebracht gewesen sei. Auf den Aufnahmen ist eine tote Taube zu sehen, die mit dem Kopf in den Maschen des Netzes festhängt. Mutmaßlich hat sich das Tier dort verfangen und ist qualvoll gestorben. Die Bilder zeigen außerdem, dass entlang der Unterführung mehrere Taubennester in den Löchern des Netzes gebaut wurden. PETA hat die Deutsche Bahn, die nach Angaben des örtlichen Veterinäramts für die Instandhaltung der Unterführung zuständig sei, um eine Stellungnahme gebeten. Bisher gab es keine Antwort. Die Tierrechtsorganisation hat am 30. September Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegen die Verantwortlichen wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz erstattet.
„Es ist erschütternd, eine tote Taube in ihrem Nest in einer Unterführung der Deutschen Bahn zu sehen. Offenbar hatte sie sich in den Drähten des Netzes verfangen, konnte sich nicht mehr befreien und starb qualvoll. Auf den Aufnahmen ist außerdem erkennbar, wie gleichzeitig weitere Tauben unter diesen miserablen Bedingungen nisten. Vergleichbare Fälle werden uns immer wieder gemeldet. Die Deutsche Bahn muss endlich handeln und Verantwortung übernehmen“, so Lisa Redegeld, Fachreferentin für Whistleblower-Fälle bei PETA. „Es braucht ein konsequentes, tierschutzgerechtes Taubenmanagement mit betreuten Taubenschlägen und tierfreundlichen baulichen Lösungen. Stadttauben sind vom Menschen gezüchtet und auf unsere Fürsorge angewiesen. Ihr Schutz darf nicht länger ignoriert werden.“

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Gefahren durch Abwehrnetze und andere Vergrämungsmaßnahmen
Vergrämungsnetze werden an Gebäuden eingesetzt, um Tauben von bestimmten Bereichen fernzuhalten. Sind sie nicht fachgerecht angebracht oder beschädigt, können sich die Tiere darin verfangen, sich verletzen oder sterben. Statt die Ursachen für das stetige Ankommen von Tauben in den Städten zu beheben, werden die hilfsbedürftigen Tiere an andere Orte vertrieben. Mit einfachen Maßnahmen ließe sich die Zahl der „Stadttauben“ dauerhaft und tierschutzgerecht verringern: Zum Beispiel durch den regelmäßigen Austausch von Eiern, durch Plexiglas oder feste Gitter an Stellen, an denen ein Eiertausch nicht möglich ist, sowie durch ausreichende und betreute Taubenschläge. Dort können die Tiere artgerechte Nahrung bekommen, während Kot und Eier kontrolliert entfernt werden.
Auch andere Vergrämungsmaßnahmen wie Spikes, also scharfkantige Metallstäbe, können Tauben in Gefahr bringen. Da die Vögel nur an bestimmten Stellen brüten und standorttreu sind, verletzen sie sich oft schwer an den bewusst dort aufgestellten Metallstäben. Teils bauen sie ihre Nester aus der Not heraus mitten in die Abwehrsysteme.
„Stadttauben“ stammen von „Brieftauben“ ab
„Stadttauben“ stammen von verwilderten sogenannten Haus- und Brieftauben ab, die einst aus der am Mittelmeer heimischen Felsentaube gezüchtet wurden. Als ihre Nachfahren benötigen sie kleine Flächen, um ihre Nester in Städten bauen zu können. Diese finden sie unter anderem an Gebäudefassaden. Nahezu überall werden sie durch Abwehrnetze und Metallspitzen vergrämt. Als Körneresser finden die Vögel in den Städten nur selten geeignete Nahrung, sodass sie oft krank werden. Taubenkrankheiten sind zwar kaum auf den Menschen übertragbar, doch stören sich die Menschen beispielsweise am Durchfall der Vögel. Regelmäßig wird die städtische Population auch durch verirrte Tiere aus Taubenwettflügen oder sogenannten Auflässen bei Hochzeiten oder Stadtfesten erweitert.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
